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Hopi

Die im nordцstlichen Arizona, inmitten des Reservates der Navajo lebenden

Hopi sind die westliche Gruppe der Pueblo-Indianer von derzeit insgesamt etwa

10.000 Personen. Sie sprechen einen Dialekt der uto-aztekischen Sprachfamilie. Im Reservat leben sie in den fьr sie typischen terrassierten Pueblobauten aus Stein und Lehmziegeln. Als im Jahre 1540 Francisco de Coronado vom Sьden her einmarschierte, lebten die Hopi schon seit Jahrhunderten in dem auch heute besiedelten Gebiet. Zu dieser Zeit gab es neun Dцrfer. Die Spanier unterwarfen die Hopi, zerstцrten ihre Kultstдtten, verboten ihnen ihre Zeremonien und versklavten sie, wie auch die angrenzenden Stдmme. Diese Unterdrьckungen fьhrten 1680 zum Pueblo-Aufstand, an dem auch die Hopi teilnehmen, die sich fortan jedem weiterenMissionsversuch widersetzen. In ihrem kargen Landstrich blieben sie denn auch ьber die nдchstenGenerationen weitgehend unberьhrt bis dieAmerikaner auf ihrem Zug nachWesten auch die Ordnung in dieser Region stцrten. Das darauf erwachende Interesse an den in diesem Landstrich verborgenen Bodenschдtzen fьhrte bis ins 20. Jahrhundert zu zuletzt aber nur mehr gerichtlichen Auseinandersetzungen. DerЬberlieferung derHopi zufolge lebten vor der Erschaffung derWeltGeister in einemgrenzenlosen Raum.Der Schцpfer derWelt, bestimmte diejenigen Geister, die auf der neu erschaffenenWelt menschlicheGestalt annehmen und ein irdische Leben beginnen sollten. Da sich nun schon bald viele schlechteMenschen entwickelten, die dieWeisungen des Schцpfers missachteten, vernichtete er die ersteWelt durch Feuer.

Nur diejenigen, die sich an seineGebote gehalten hatten ьberlebten. Auch in der nun entstehenden zweiten Welt wurden die Menschen jedoch wieder bцse, und wieder wurde diese Welt vernichtet, diesmal mit Eis und Schnee. In der darauf entstehenden dritten Welt lebten die Menschen zunдchst zufrieden, doch entzweiten sie sich letztlich auch hier. Hieraufhin wollten einige gute Menschen in einer anderen Welt Zuflucht suchen. Sie fanden schlieЯlich unsere heutige Welt, in der der Hьter der Welt lebte. Dieser erlaubte ihnen zu bleiben, warnte sie aber vor den zu erwartenden Schwierigkeiten, in den von ihnen nun bewohnten kargen Landstrich.Das Land war so unfruchtbar, dass nur Gebete ihnen Regen und damit Nahrung bringen konnte. Hier haben nun die Hopi als Erben dieser ersten guten Menschen auf dieser vierten Welt die Verwaltung und den Schutz der Mutter Erde ьbernommen. Diese Aufgabe erfьllen im Stamm Geheimbьnde, die ьber religiцse Zeremonien das irdische und geistlicheWohlergehen allerMenschen zu sichern suchen indemdurch diese die guten Beziehungen zur Umwelt und den Geistern erhalten und so die Welt in ihrem Gleichgewicht gehalten wird.

Dennoch aber gewinnt in solch magischem Denken die einzelne Beobachtung ihren Wert. Es gilt schließlich, das Gefüge des Ganzen zu erkennen, Abhängigkeiten auszuweisen und so im Falle der Hopi die eigenen Reaktionen mit dem Lebenszyklus des kosmischen Geschehens abzustimmen. Wir – so formuliert es ein Hopi-Ältester, die religiösen Führer, haben stets die Himmelsbilder vor Augen, die unsere Rituale leiten und beherrschen. Am wichtigsten ist die Sonne, und wenn die Sonne untergegangen ist, leiten wir unsere Zeremonien nach den Sternen der Nacht. Daher stellt sich nun der Gehilfe des Zweihornführers [einer der Zelebranten] in einigem Abstand westlich des Feuerkreises auf und beobachtet den Himmel durch die Dachöffnung der Kiva [Kulthütte]. Das Erscheinen Hotomkams [erster und höchster Stern des Oriongürtels] ist das Zeichen dafür, mit der Durchführung der Rituale zu beginnen. Langsam wandert das Sternbild nach Westen, bis es in der Mitte der Dachöffnung steht. Der Gehilfe stellt sich nun bei der Mitte des Feuerkreises auf und beobachtet sorgfältig den Himmel. Es dauert nur kurze Zeit bis die drei Sterne des Orion in einer Linie in der KivaÖffnung stehen und zwar in ihrer Längsrichtung, und der mittlere Stern sich genau über der Feueröffnung befindet. Es ist nun Mitternacht und in diesem Augenblick beginnen wir unser wichtigstes Ritual, gemäß dem Plan, der am Anfang auf diesem Planeten Erde niedergelegt worden ist. Das Leben begann mit dem Feuer, und so beginnen auch wir.[1]

  • [1] Aussage des Führers des Zweihornbundes der Hopi, Weiße-Wolke-über-dem-Horizont. In: F. Waters. Das Buch der Hopi. Köln 1986, S. 159
 
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