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Chaco Canyon Kultur

Die Chaco Canyon Kultur ist eine lokale Ausprägung der Anasazi-Kultur, einer Pueblo-Kultur im Bereich des Chaco Canyon, eines großen Trockentals, das zum Einzugsgebiet des oberen San Juan Rivers im Bundesstaat New Mexiko gehört.

Die archäologischen Befunde zeigen, dass es hier in den Jahren zwischen 700 bis 900 nach Chr. im Gebiet des Chaco Canyon zu einer stärkeren Zunahme der Bevölkerung kommt, es entstehen kleinere Siedlungen, das sind Einzelgebäude mit einer größeren Anzahl von Räumen. Daneben finden sich Arbeitsbereiche, Zeremonien- und Versammlungsräume, die sogenannten Kivas. In der nächsten Phase, ab 900, finden sich im Chaco Canyon an drei Fundorten (Una Vida, Peñasco Blanco und Pueblo Bonito) die ersten mehrstöckigen Konstruktionen. Aus den kleinen Ansiedlungen entwickeln sich ab 1000 nach Chr. dann die die großen Pueblos. Mehrstöckige Konstruktionen treten nun in einer großen Zahl von Fundorten auf. Alle diese Siedlungen sind mehr oder weniger strikt nach einem allgemeinen Grundmuster geplant. In dieser Phase ändert sich die Ernährungssituation dieser Pueblokultur, Funde an Mahlsteinen nehmen ab, dagegen werden Stech- und Schneidgeräte häufiger gefunden. Das deutet darauf hin, dass der Jagd zunehmend größere Bedeutung zukam, wohl weil klimabedingt der Pflanzenanbau zurückging. Andererseits nimmt allerdings die Bevölkerung im Canyon nach 1025 massiv zu. Festzustellen ist ein Ausbau der Bewässerungsanlagen, einschließlich von Zisternen in den Siedlungen. Die Keramik umfasst Gebrauchskeramik mit umlaufenden Bändern und später einer über die gesamte Fläche aufgerauten Oberfläche. Häufig finden sich auch schwarze Bemalung auf einem weißen Überzug oder andere Kombinationen wie schwarz auf rot oder orange. Nach 1050 wird dieses Areal dann allerdings aufgegeben.

Vielleicht wird hieran deutlich, wie sich das magische Wissen so dann doch immer wieder in einen Ritus bindet. Einzelbeobachtungen lösen sich nicht aus diesem Kontext heraus, sondern sind Element eines letztlich rituellen Umgehens in und mit der Natur. Im Mythos löst sich dieser Ritus dann langsam auf. Im Mythos wird eine Geschichte erzählt, in der sich eine Kultur aus diesem Zeremoniell herauslöst: Der Mythos ist selbst Objekt einer Reflexion, mit ihm kann umgegangen, er selbst kann auf seine Plausibilität hin befragt werden. Dennoch aber offeriert der Mythos Denkmuster und Vorordnungen eines Begreifens. Er offeriert die ersten Linien, in denen wir in unserer Kultur eine von uns losgelöst erfahrene Natur zu denken beginnen. Zeus, Poseidon oder die Titanen, sind Figurationen von

Karte 1.1 Siedlungen der Chaco Canyon Kultur

etwas, das mit der Natur, aber auch mit uns umgeht. Zu diesen Figurationen können wir uns verhalten. Wir können, wie dies Odysseus tat, mit diesen Figurationen um unser Recht streiten. Wir verfallen dann vielleicht deren Rache, aber wir haben bei all dem dann auf uns hereinbrechenden Unglück zumindest die Chance, uns selbst zu finden. Schon Nietzsche beschrieb diese Chance des neuen Menschen, der dann wie Prometheus an einen Fels gekettet unsäglich leidet, aber in all seinem Leiden doch gegenüber dem Magischen obsiegt.[1] Er hat sich in seinem Unglück selbst gefunden, und so bleibt sein Anblick bei all dem von ihm selbst auszuhaltenden Schmerz immer auch Qual für die Götter. Der Mythos setzt den Einzelnen in Differenz zu dem erzählten Geschehen. Der Mythos geht mit dem Einzelnen um, löst den Einzelnen aber eben nicht im Mythologischen auf. Derart für sich stehend, erfährt der Mythos dann in der griechischen Kultur auch nur zu bald Kritik. Die Philosophie, das Denken über die Natur, ersetzt den Mythos. Dennoch bleibt aber auch dieses Denken der Natur von Spuren des Mythologischen durchsetzt. Es dauert, bis sich neue Formen des Umgehens mit Natur etabliert haben. Es braucht seine Zeit, bis sich Institutionen bilden, in denen das neue Wissen um die Natur verwahrt, gepflegt und gelehrt wird. In diesem Zeitraum aber fallen die wesentlichen Entscheidungen für die Konturierung eines euro-päischen Bildes von der Natur. Es formt sich ein Begriff von Wissen und es etablieren sich Umgangsformen, in denen dieses Wissen behandelt wird, die sich im Weiteren vertiefen. Wobei aber auch die weiteren Entwicklungen immer wieder auf die Begriffe und Anweisungen zurückschauen, die sich dort, im griechischen Sprachraum, zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert vor Chr. etablierten.

  • [1] F. Nietzsche, Die Geburt der Tragödie. In: F. Nietzsche, Werke. Bd. 1, Frankfurt, Berlin, Wien, 1980, S. 59 f
 
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