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Prometheus

Prometheus ist, der griechischen Mythologie zufolge, ein Titan, nach Hesiod gilt er als der Bruder des Atlas. Dem Mythos zufolge wollte Prometheus die Menschen aus der Erde erwecken. Also ging er auf die Erde und formte dort aus Ton die Gestalt der Menschen. Da die so geschaffenen Gestalten noch leblos waren, gab er diesen Menschengestalten von verschiedenen Tieren je eine Eigenschaft, Athene, die unter den Göttern seine Freundin war, gab diesen Wesen dann Verstand und Vernunft. So wurden die Menschen lebendig, und Prometheus war ihr Lehrmeister. Die Götter wurden auf die Menschen aufmerksam und verlangten von ihnen Opfer und Anbetung. Da verfiel Prometheus auf eine List, die die Menschen schützen sollte, die aber zu Ungunsten der Menschen ausschlug, denn Zeus versagte den Sterblichen zur Strafe für solch ein Verhalten das Feuer. Um dies für die Menschen wiederzuerlangen, entzündete Prometheus am funkensprühenden Sonnenwagen des Helios eine Fackel, eilte mit ihr zur Erde und setzte einen Holzstoß in Flammen. Als Zeus den Raub sah und erkannte, dass er den Menschen das Feuer nicht mehr nehmen konnte, sann er auf Rache. Er überreichte durch Pandora dem Bruder des Prometheus eine Büchse, in die jeder der Göttlichen eine unheilbringende Gabe eingeschlossen hatte. Da sie der Bruder von Prometheus trotz vorheriger Warnung annahm und öffnete, schwebte alles Übel aus dieser hinaus. Nur die Hoffnung blieb in der rasch wieder geschlossenen Büchse zurück. So wurden die Menschen bestraft. Prometheus selbst ließ Zeus fangen und an einen Felsen ketten, an dem Prometheus ohne Speise, Trank und Schlaf ausharren musste. Jeden Tag kam zudem ein Adler und fraß von der Leber des Prometheus, die sich zu dessen Qual aber immer wieder erneuerte. So wurde Prometheus durch fortdauernde Qualen bestraft, bis er von Herakles erlöst wurde.

Wo setzt dann aber eine Wissenschaftsgeschichte der Naturwissenschaften an? Streng genommen gibt es den Begriff der Naturwissenschaften als Ordnungskategorie erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Hier taucht er erstmalig in den Vorlesungsverzeichnissen der deutschsprachigen Universitäten auf und bezeichnet die verschiedenen Wissenschaften, die sich mit Naturdingen befassen. Die Abgrenzung ist dabei zunächst noch nicht eindeutig, wird doch Naturgeschichte einmal als Teil der Naturwissenschaften aufgeführt, in einem anderen Fall aber als eigenständige Ordnungskategorie beibehalten. In Blick gerät da schon eine Differenzierung zwischen analytischen und eher deskriptiv ausgerichteten Fachgebieten. Doch steht diese Terminologie am Ende einer langen Entwicklung der Be-schäftigung mit der Natur, in der das Wissen um die Natur in jeweils unterschiedlichen Ordnungen eingefangen und erinnert wurde. Naturwissenschaft wird denn hier auch in einem sehr offenen Sinne verstanden. Es geht um ein Wissen um die Natur, das sich in unserer Geschichte in jeweils unterschiedlichen Arten sicherte und systematisierte. Es geht um Wissensordnungen, in denen Natur beschrieben, ja in einem ersten Schritt überhaupt darum, dass Natur als etwas Eigenes, von uns zu Behandelndes und zugleich als ein in sich stehendes Ganzes beschrieben werden kann.

Dabei kann man mit gutem Recht Naturwissen genau dann ansetzen, wenn unsere Sprache uns in die Lage versetzt, über Natur zu reden. In der Sprache werden die Kategorien formuliert, unter denen ich Zusammenhänge registriere, erinnere und weitervermittle. Die Sprache ordnet uns eine Erfahrung vor, sie gibt damit die Muster, in denen sich auch das Wissen um die Natur fängt, ja überhaupt die Natur als etwas, um das zu wissen ist, Darstellung findet. Natürlich ist dieses erste Wissen, von dem aus wir dann alles Weitere bedenken, für uns nur in Näherungen zu rekonstruieren. Dabei ist für uns die Geschichte des Wissens um die Natur erst dann sinnvoll zu schreiben, wenn wir Berichte und Darstellungen finden, in denen diese Natur beschrieben ist. Erst dann, wenn wir in einer Kultur eine Schrift finden, ist uns ein Wissenschaftszusammenhang zu rekonstruieren. Das ist auch systematisch so falsch nicht. Schließlich erlaubt es die Schrift, die Darstellung von Sachzusammenhängen zu Archivierungen, Ordnungen und damit Wissen zu tradieren und unabhängig von dem einzelnen Erzähler einer Kultur verfügbar zu halten. Dies ist eine neue Qualität der Wissensordnung gegenüber einem nur verbal tradierten Wissen.

 
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