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Druiden

Noch zur Zeit Cдsars bildeten die Druiden die Priesterklasse der Kelten und standen neben dem Adel an der Spitze der Gesellschaft.Nach Gaius Julius Cдsar versehen sie „den Gцtterdienst, besorgen die цffentlichen und privaten Opfer und legen die Religionssatzungen aus. Bei ihnen finden sichMдnner in groЯer Zahl zur Unterweisung ein, und sie genieЯen hoheVerehrung, denn sie entscheiden bei fast allen цffentlichen und privaten Streitigkeiten. Sie sprechen das Urteil, wenn ein Verbrechen begangen wurde, ein Mord geschah, Erbschafts- oder Grenzstreitigkeiten ausbrechen; sie setzen Belohnungen oder Strafen fest. Fьgt sich ein Einzelner oder ein Volksstamm ihren Entscheidungen nicht, so schlieЯen sie die Betroffenen vom Gцtterdienst aus. Dies stellt bei den Galliern offenbar die hдrteste Strafe dar. . . . Die Druiden ziehen gewцhnlich nicht in den Krieg und zahlen auch keine Abgaben wie die ьbrigen Gallier.

Sie sind vomWaffendienst befreit und haben keine anderen Verpflichtungen.“11

IhrWissen vermittelten sie durchmьndliche Tradierung. Eine schriftliche Fixierung

ihrer Lehrinhalte war ausdrьcklich verboten, so sicherten sie ihre Exklusivitдt und

banden die keltische Kultur an den Fortbestand ihrer Klasse.

Sicher hatten die Druiden, die schon aus Gründen der Sicherung ihrer Kaste ihr Wissen nur verbal tradierten und so die gesamte keltische Kultur in ihrem Gedächtnis präsent hatten, wie auch bestimmte Brahmanen in ihrer Kultur das Wissen über die Dinge verfügbar gehalten, ohne diese Wissenszusammenhänge schriftlich zu übermitteln. In den Rezitationen dieser Erinnerungskünstler wurde denn so auch eine Kultur in einer sehr eigenen Weise lebendig, wovon wir in der Edda einen Nachhall erfahren können. Damit blieb nicht nur einfach das Wissen um eine Kultur, sondern auch eine bestimmte Atmosphäre, ein Ritus, der mit diesem Wissen verbunden war, präsent und gab so zugleich auch immer wieder dem, was nur über Tradition und nicht im unmittelbaren Erleben verfügbar war, Weihe und damit herausgehobene Bedeutung. Dabei rückte die Erzählung die Erinnerung wieder in ein eigenes Erlebnisformat. In der Erzählung wurde das Erzählte mit einer eigenen Erfahrung zumindest einer Stimmung und ggf. mit einem Ritus verbunden, so dass die Geschichten atmosphärisch in besonderer Weise verdichtetet wurden, und so über Generationen geschätzt und verfügbar blieben. Allerdings hat die verbale Übermittlung den Nachteil, dass die Energie dessen, der Wissen vermittelt, sich zu großen Teilen daran bindet, eine Geschichte verfügbar zu halten. Eigene Gedanken, Kommentierungen oder Paraphrasierungen würden den Text verfälschen, den der Erinnerungskünstler zu tradieren hat. Folglich stehen Interpretation und Kommentierung zurück. Sie sind zumindest nicht Teil der verbalen Tradition, die sich vielmehr auf die Primärquellen beschränkt und somit die Art und Weise des Umgehens mit solch tradiertem Wissen in engen Bahnen festschreibt, die sie auch gar nicht öffnen kann, ohne ihr Erinnern durch die je neuen Interpretationen zu verfälschen.

In der wissenschaftsgeschichtlichen Analyse sind wir nun darauf angewiesen, Spuren zu identifizieren, in denen das, was gesprochen und behandelt wurde, darstellbar wird. Es geht uns dabei nicht einfach nur darum, zu finden, wann das, was wir heute denken, erstmals bedacht wurde. Es geht auch nicht einfach um eine Chronologie der Entdeckungen und Erfindungen, in denen wir dann eine sukzessive Akkumulation des uns möglichen Wissens nachzeichnen würden. Unsere Geschichte führt uns vielmehr immer wieder neu in uns zunächst fremde Denkräume. Wir wollen erfassen, wie Natur in verschiedenen Zeiten gedacht, was von ihr behandelt und wie die Erfahrung der Natur und unsere Handlungen in und mit der Natur ihrerseits begriffen wurde. So kann eine Zeit, die meint davon ausgehen zu müssen, dass die Erde nur knapp 6000 Jahre alt ist, Entwicklungen in der Natur kaum als einen frei laufenden Entwicklungsprozess denken. Es fehlt für diese Freiheit schlicht die Zeit. Das was als Resultat einer Entwicklung zu denken wäre, ist zu perfekt, um in solch einer kurzen Zeit zufallsgeleitet entstehen zu können. Fehlläufe und Proben sind in diesem Zeitraum von wenigen Jahrtausenden nicht denkbar. Das wird erst anders, als die Erdzeitalter auf Jahrzehnte und Jahrhunderte von Millionen von Jahren geschätzt sind. Da aber stehen wir auch schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

 
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