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2.2 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Legitimation für rechte Gewalt

Nicht nur rechte Gewalttäter und -täterinnen sind gruppenbezogen menschenfeindlich eingestellt. 2014 stimmen über 50 Prozent der deutschen Bevölkerung abwertenden Aussagen gegenüber Sinti und Roma zu; bis zu 3/4 der Bevölkerung werten Asylbewerber und Asylbewerberinnen ab (Decker, Kiess & Brähler, 2014, S. 50). Den in der Gesellschaft vorhandenen Ungleichwertigkeitsvorstellungen liegt die generelle Ideologie zugrunde, „dass Ungleichwertigkeit von Gruppen die Gesellschaft bestimmt und dies auch gut so [ist]“ (Groß, Zick & Krause, 2012, S. 12). Diese Hierarchisierung der sozialen Gruppen in der Gesellschaft dient Tätern und Täterinnen schließlich „als Legitimation von […] massiver Anwendung von Gewalt“ (Heitmeyer, 2003, S. 19). Dass menschenfeindliche Denkweisen von Teilen der Gesellschaft geteilt werden, „begründet umgekehrt für die Betroffenen die Angst vor erneuter Viktimisierung. In der Regel trifft rechte Gewalt Menschen, die vielfältiger Diskriminierung unterworfen sind, und denen in der Gesellschaft subalterne, d. h. untergeordnete Positionen zugewiesen werden. Oft werden MigrantInnen mehrfach Opfer von Gewalt. Sehr oft haben sie schon zuvor eine Vielzahl von Abwertungen wie Beleidigungen und Herabwürdigungen erfahren.“ (Köbberling, 2010, S. 190). Rechte Gewalt wird daher auch diskutiert als „unerwünschte Zuspitzung und Radikalisierung von Einstellungen […], die in der ‚Mitte der Gesellschaft' verankert sind, und durchaus als akzeptable Elemente demokratischer Positionen gelten“ (John zitiert in: Köbberling, 2010, S. 190). Dabei ist diese negative Diskriminierung, wie Castel (2009, S. 11) ausführt, für die Demokratie nicht deshalb problematisch, „weil es keine Chancengleichheit gibt, sondern weil diese ganz im Gegenteil durchaus möglich und auch rechtlich garantiert ist. Diskriminierung ist skandalös, weil sie eine Verweigerung von Rechten ist, von verfassungsmäßigen Rechten.“

 
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