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Palдo-, Meso- und Neolithikum

Kennzeichen der Steinzeit ist der Gebrauch steinerner Werkzeuge. Diese Periodebeginnt etwa vor 2,6Millionen Jahren (in Afrika) und endete, als dieMenschen lernten,Metalle zu verwenden. Dabei ergeben sich in den Zeitrдumen lokal zum Teilerhebliche Unterscheide. Man unterscheidet das Palдolithikum (Altsteinzeit), dasMesolithikum (Mittelsteinzeit) und das Neolithikum (Jungsteinzeit). In Sьdeuropabegann die Altsteinzeit mit dem ersten Auftreten desMenschen vor etwa 1,1MillionJahren (so in der Sierra de Atapuerca, Spanien), in Mitteleuropa aber erst spдter, vor etwa 600.000 Jahren. Sie endet dort etwa um8000 v. Chr. ImnacheiszeitlichenMitteleuropa dauert die daran anschlieЯende Phase derMittelsteinzeit bis etwa 5500 v. Chr. Die Zeit ist durch das Zurьckweichen des Eises der letzten Eiszeit und die damit verbundene Klimaerwдrmung mit ihren Effekten auf Flora und Fauna gekennzeich net. Charakteristisch fьr diese Epoche sind Kleingerдte aus Feuerstein (Mikrolithe), die als Teil komplexerer Werkzeuge (wie Sдgen oder auf Pfeile) verwendet wurden. Es lassen sich nun verschiedene lokale und aufeinander folgende Kulturen unterscheiden. Gegen Ende dieser Epoche finden sich ein erster Anbau von Pflanzen, Anzeichen fьr erste Tierhaltungen und erste Keramiken. Die Jungsteinzeit beginnt mit dem Ьbergang von der aneignenden (jagen und sammeln) zur produzierenden Wirtschaftsweise (Viehzucht und Ackerbau). Dieser Ьbergang erfolgte in Mesopotamienum 11.000 v. Chr. in Mitteleuropa aber erst um 5500 v. Chr. Kennzeichnendist fьr diese Ьbergangsperiode die sogenannte Bandkeramik (5600–4900). Anhandder Keramik lдsst sich eine differenzierte Kulturentwicklung nachvollziehen, die indie Metallzeit ьberleitet.

Kreisgrabenanlage von Goseck

Die Kreisgrabenanlage von Goseck (Abb. 2.2) wurde 1991 entdeckt und zwischen 2002 und 2004 im vollständig ausgegraben. Diese während vor etwa 6900 Jahren errichtete Anlage wird der Kultur der Strichbandkeramik zugeordnet. Sie ist damit gut 2000 Jahre älter als Stonehenge. Die Kreisgrabenanlage liegt auf einem Plateau oberhalb des Saaletals und besteht aus einem deutlich erkennbaren, annähernd kreisrunden Ringgraben von etwa 71 m Durchmesser. Um diesen Graben war ein flacher Erdwall aufgehäuft nachgewiesen worden. Es gibt drei von Graben gesäumte Zugangswege, die nach Norden, Südwesten und Südosten ausgerichtet sind. Im Inneren befinden sich Spuren zweier konzentrischer Palisaden (ca. 56 und 49 m Durchmesser) mit gleich ausgerichteten, zum Zentrum hin schmaler werdenden Toren. Eine weitere Bebauung der Innenfläche war nicht festzustellen. Die beiden Zugangswege mit ihren Toren sind vom Mittelpunkt der Anlage aus gesehen mit einer Genauigkeit von drei bis vier Tagen auf den Sonnenaufgang und -untergang zur Wintersonnenwende um 4800 vor. Chr. ausgerichtet. 2004 wurde eine weitere Visiereinrichtung im Palisadenzaun gefunden, die auch die Bestimmung der Sommersonnenwende erlaubte. Weitere derartige Sonnenobservatorien, die aber weit weniger gut erhalten sind, finden sich im näheren Umfeld bei Quensted, Ldkr. Mansfelder Land, Kötschlitz, im Ldkr. Merseburg-Querfurt und bei Quedlinburg, sie sind kennzeichnend für die sogenannte Lengyelkultur und finden sich in Mitteldeutschland von der Südslowakei über Böhmen elbabwärts bis hin nach Brandenburg.[1]

Abb. 2.2 Die rekonstruierte Kreisgrabenanlage von Goseck, bei Naumburg, Sachsen-Anhalt

Eine ganz andere Art der Darstellung finden wir im endenden Mesolithikum in den Megalithischen Grabanlagen und Steinsetzungen. Eine der von den Ausmaßen her größten solcher Anlagen entstammt dem frühen Neolithikum und entstand in Carnac im südöstlichen Bereich der heutigen Bretagne. Es sind riesige Anlagen, die in ihrer Ausrichtung nach den Sternen und dem Sonnenlauf zeigen, wobei hier, ganz entsprechend dem vorab zitierten Hopi-Ältesten, die Bewegungen des Sternenhimmels eingebunden wurden in eine Architektur, die ihrerseits in ihren Baueigentümlichkeiten nun auch nichts anderes reflektiert als die im Kosmos gefundene Welt-Ordnung. So ist etwa das Megalithgrab in Newgrange in Irland (um 3200 v. Chr.) derart ausgerichtet, dass die Sonne an den Tagen um die Wintersonnenwende durch einen schmalen Gang genau auf die daran anschließende Grabkammer fällt. Stonehenge, dessen Entstehung aber in noch jüngere Zeit, in das 3. Jahrtausend v. Chr., verweist, ist wohl das berühmteste dieser nach den Ordnungen des Kosmos aufgerichteten Bauwerke. Was auch immer über die Bedeutung und Funktion dieser riesigen Anlage noch offen ist, sicher ist, dass die dortigen Steinsetzungen die Bewegungen des Sternenhimmels abbilden. Dabei war Stonehenge über vielleicht ein Jahrtausend Kultstätte des es errichtenden Volkes. Um etwa 2950 war Stonehenge noch eine einfache Kreisgrabenanlage mit einem Eingang, der zu einem Beobachtungspunkt für den Mittsommer-Sonnenaufgang führte. Später wurde die Anlage kontinuierlich erweitert und einzelne Steine errichtet, die Sternpositionen markierten und so die Himmelsbeobachtungen der Priester erleichterten. Daraus abzulesen ist dabei indirekt, dass vor allem die

Abb. 2.3 Himmelsscheibe von Nebra

Positionen von Sonne und Mond für die entsprechenden Riten von Bedeutung waren. Dass unsere Vorfahren ihr Interesse in der Tat auf diese beiden Himmelskörper konzentrierten, zeigt der Fund der Himmelsscheibe von Nebra in Sachsen-Anhalt, die auf etwa 1600 v. Chr. datiert wird. Diese Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern ist mit Goldapplikationen geschmückt, die astronomische Objekte darstellen.

  • [1] F. Bertemes, A. Northe, Der Kreisgraben von Goseck. Ein Beitrag zum Verständnis früher Monumentaler Kultbauten Mitteleuropas. In: K. Schmotz, Hg., Vorträge des 25. Niederbayerischen Archäologentages. Rahden/Westf. 2007, S. 137–168
 
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