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3.1.1.3 Babylonische Medizin

Aus Mari bekannt sind Tonmodelle von Organen von Opfertieren, die ausweisen, was an Besonderheiten bei der Tierbeschau zu registrieren war. Sie stellen demnach eine Art von Datenbank für die entsprechend operierenden Auguren oder Priester dar. Diese Naturdarstellungen zeigen, dass, wie wir dies auch in der kurzen Bewertung des Naturwissens der Schamanen beschreiben konnten, Wissen um naturgeschichtliche Zusammenhänge auch in diesem Kulturkreis gesammelt wurde. Wie auch die Darstellungen der periodischen Erscheinungen des Himmels stehen diese Beobachtungen aber in einem religiösen Zusammenhang und zeigen noch einmal die problematische Situation auf, nach der dann etwa auch die für Mesopotamien allerdings kaum rekonstruierbaren medizinischen Kenntnisse dieser frühen Zeit zu bewerten sind. Im Wesentlichen kennen wir hier kasuistische Beschreibungen von Symptomen und etwaigen Heilmitteln. Ein eigenes Konzept von Krankheit und damit einhergehend eine umfassendere Bestimmung des Pathologischen fehlen. Therapien stehen in der Zeit vor 1500 in einem magisch-religiösen Kontext. Darüber hinaus gibt es aber Verhaltensbeschreibungen, die etwa einzelne Heilmittel oder bestimmte Heilpraktiken, die bei bestimmten Symptomen Heilung versprechen, aufzählen. Dabei wird deutlich, dass ein ganzes Spektrum wirksamer Substanzen zur Krankheitsbekämpfung genutzt wurde. So werden über 250 Heilpflanzen, 120 Mineralien und über 100 tierische Produkte als Heilmittel erwähnt. Insgesamt bleibt aber die hier greifbare medizinische Praxis in einem magisch-religiösen Weltverständnis verankert.

3.1.1.4 Weiterführende Literatur

A. Aboe, On Babylonian Planetary Theories. Centaurus 5 (1958), 209–277

R. Biggs, Medicine in Ancient Mesopotamia. History of Science 8 (1969), S. 94–105.

H. Gericke, Mathematik in Antike und Orient. Berlin, Heidelberg 1984.

H. Haarmann, Universalgeschichte der Schrift. Frankfurt am Main, New York 1990.

R. Kaplan, Die Geschichte der Null. Frankfurt/M. 2000.

K.-H. Leven, Hg., Antike Medizin. Ein Lexikon. Beck, München 2005.

J. Ritter, Jedem seine Wahrheit. Die Mathematiken in Ägypten und Mesopotamien. In: M. Serres,

Elemente einer Geschichte der Wissenschaften. Frankfurt 1994, S. 73–108.

H. E. Sigerist, Anfänge der Medizin. Von der primitiven und archaischen Medizin bis zum Goldenen Zeitalter in Griechenland. Europa Verlag, Zürich 1963.

H. Thurston, Early Astronomy. New York 1994

K. Vogel, Vorgriechische Mathematik, 1: Vorgeschichte und Ägypten. Paderborn 1958.

B. L. van der Waerden, Science Awakening: Egyptian, Babylonian and Greek Mathematics. New York 1963.

B. L. van der Waerden, P. Huber, Science Awakening II: The Birth of Astronomy. Leyden 1974.

H. Wußing, 6000 Jahre Mathematik. Eine kulturgeschichtliche Zeitreise. Bd. 1 Von den Anfängen bis Leibniz und Newton. Berlin, Heidelberg 2008.

J. R. Zaragoza, Die Medizin in Mesopotamien. In: R. Toellner, Hg., Illustrierte Geschichte der Medizin. Bd. 1, Erlangen 1992, S. 91–108

 
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