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Poseidonios

Poseidonios (etwa 135–51 vor Chr.) ist vor allem als Erneuerer der Stoa bekannt, er steht dabei zwischen dem Logiker Chrysipp und dem spekulativ ausgreifenden Plotin. Er stammt aus Apameia in Syrien, erlebte dort in seiner Jugend den Zerfall des Seleukidenreiches, begab sich dann nach Rhodos, wo er nach der Umsiedlung seines dortigen Lehrers Panaitios nach Athen eine eigene Schule gründete und auch in die Verwaltung der Insel eingebunden wird. Ab etwa 105 v. Christus unternahm er – teilweise von Amts wegen – ausgedehnte Reisen nach Spanien, Südgallien, Italien und Sizilien. Rom hat er mehrmals besucht. Er stand unter anderem in Kontakt mit Cicero, Pompeius Magnus und Qunitus Hortensius Hortalus. Von seinen zahlreichen Werken ist keines erhalten. Bekannt ist ein Geschichtswerk, das die Zeit von etwa 149–79 vor Chr. behandelte. Sodann schrieb er ein kosmologisch-geographisches Werk Über den Okeanos und seine Probleme. Seine Schriften zur Meteorologie und Astronomie werden unter anderem von Seneca zitiert. Außerdem schrieb er über die Götter, über die Seherkunst und die Psychologie. Für ihn ist der Kosmos als geschlossener lebendiger Organismus zu verstehen, dessen Herz die Sonne darstellt, das das Licht und die belebende Wärme spendet. Der Mond entspricht der Leber des Kosmos; die meteorologischen Erscheinungen entsprechen der Ernährung und dem Verdauen, die Flüsse sind die Adern in der Gestalt des Kosmos. Da alles mit allem verbunden ist, wirken insbesondere Sonne und Mond bis in die Details des physischen und psychischen Habitus des Menschen ein. So erhalten Seherkunst und Astrologie ihre naturphilosophische Begründung.

Als erste bekannte komplexe Rechenmaschine ist der hier zu rekonstruierende Mechanismus überraschend kompliziert und, was Präzision und Aufbau anbelangt, mit keinem uns bekannten Gerät des folgenden Jahrtausends vergleichbar. Legen wir dieses Räderwerk als Maßstab zur Bewertung des technisch-wissenschaftlichen Standards zugrunde, so muss das technische Verständnis und die technologische Umsetzung der mathematischen Verfahren im antiken Griechenland um ein Vielfaches bedeutender gewesen sein, als dies aus den Textdarstellungen auch eines Heron zu erschließen ist. Hier zeigt sich – und darauf werden wir noch einmal zurückkommen – dass die Texte eines Euklid und eines Heron Lehrbücher, und – den Aussagen der beiden Autoren folgend – eben Elementarlehrbücher gewesen sind. Funde wie das Räderwerk von Antikythera lassen nunmehr aber zumindest erahnen, auf welchem Niveau die Forschungsfront sich im hier betrachteten Zeitraum befand. Mit den Arbeiten des Apollonius und den Verbesserungen des Hipparchos war die Kosmologie des geozentrischen Weltbildes in ihren wesentlichen Zügen beschrieben.

 
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