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4.2.4 Astrologie

So war neben der Astronomie eben auch eine eigenständige Tradition der Astrologie zu verfolgen, die erwachsen aus den Traditionen speziell der babylonischen Sternbeobachtungen und Sterndeutungen dann insbesondere mit der Stoa wieder größeren Einfluss gewonnen hatte. Die Stoa sieht – wie dies Poseidonios in seinem Erneuerungsversuch noch einmal forcierte – All und eigene Existenz in einer umfassenden Abstimmung. Zentraler Begriff für die Beschreibung dieser Zuordnung ist der Begriff der Sympathie. Demnach stehen wir in einem Wirkgefüge mit der Natur und müssen uns so dann auch in dieser und auf diese hin ausrichten. Sternkonstellationen fanden demnach im einzelnen Organismus ihre Entspre-chung, und so waren – ganz der alten vorgriechischen Tradition entsprechend – Therapien nach Sterndeutungen hin abzustimmen. Selbst in der Folge des noch eingehender darzustellenden Mediziners Hippokrates gewann in der medizinischen Schule in Kos diese Zuordnung von Sterndeutung und Therapie Bedeutung. Es galt Mondphasen und Sternkonstellationen zu nutzen, um Heilpraktiken zu optimieren. Die Schule des Hippokrates suchte hier die Einzelbeobachtungen der vorgriechischen Medizin für eine phänomenologisch ausgerichtete Medizin nutzbar zu machen. Dort auf Kos, aber völlig unabhängig von der Medizinischen Schule, gründete Berossos – ein Bel-Priester aus Babylon – um 270 vor Chr. dann aber auch eine eigene Astrologen-Schule. In dieser Phase war die hippokratische Schule der Medizin schon längst etabliert und befand sich – wie noch zu berichten sein wird – in Auseinandersetzung mit einer physiologisch-funktionsmorphologisch ausgerichteten Medizin, die sich am Museum in Alexandria etabliert hatte. Im zweiten Jahrhundert vor Christus erscheinen dann mit dem Nechepso-Petosiris und Teilen des Hermes Trismegistos mythische naturphilosophische Texte, die die Idee der Analogie des Mikro- und Makrokosmos aus verschiedenen Perspektiven bis in das Detail naturforscherischer Praktiken hin auszuformulieren suchten. Diese Astrologen wurden derart bedeutsam, oder zumindest gesellschaftlich derart umfassend rezipiert, dass die Astrologen in Rom 139 v. Chr. durch Edikt ausgewiesen wurden. Gegen Ende der römischen Republik unter Varro werden sie dann aber wieder mit in der römischen Kultur wirksam, zumal dann über die Einbindung der Provinz Ägypten Wahrsagerei und kultische Praktiken des Orients in zunehmendem Maße nach Rom einströmten. Die Kaiser Augustus und Tiberius förderten dann sogar ganz explizit astrologische Studien.

 
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