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Plotin

Plotin (205–270 n. Chr.) erfuhr in Alexandria seine Ausbildung, grьndete dann nach

seiner Teilnahme am persischen Feldzug des Kaisers Giordan unter dem Kaiser Gallienus eine eigene Schule in Rom, in der er den Neuplatonismus systematisierte. Die platonische Ideenlehre wurde von ihmgleichsam substanziiert. Plotin zufolge gab es ein All-Eines, das das Ur-Gute darstellt, was mehr ist als Vernunft oder etwa auch nur Gegenstand der Vernunft hдtte sein kцnnen. Dieses All-Eine entlдsst aus sich den Welt-Geist, der in sich die wahre Welt, die Welt der Ideen, umgreift, wдhrend die sinnlich erfahrbare Welt nur ein trьgerisches Abbild dieser eigentlichen Wirklichkeit darstellt. Die Weltseele selbst nun formiert sich in Einzelseelen, womit sie in deren Auffдcherung zunдchst zerrissen erscheint. So wird sie denn auch in der einfachsten der so gewonnenen Formen ihrer Darstellung zu einem bloЯ Materiellen. Dieses negiert zwar schon in seiner bloЯen Existenz (an sich) das umfassende Prinzip einer ideell zu begreifenden Wirklichkeit, erweist sich aber als bloЯer Gegensatz auf das, zu dem es sich derart abgrenzend verhдlt, angewiesen. Es grьndet sich demnach in dem, gegen das es sich absetzt. So erfдhrt sich denn auch in dieserAbstimmung der zunдchst gegeneinander abgesetzten Formationen derWeltseele deren eigentlicheWirklichkeit – als ein sich in sich ьberfьhrendes einendes Prinzip, aus dem heraus dieseWirklichkeit in ihre Einzelheiten finden kann. So werden diese als die aus dem Einen entlassenen Formen alsMomente des Ganzen verstanden und derart in ihren Bestimmungen wieder auf dieses Prinzip zurьckgefьhrt. So wird in der Vielfalt dieWelt als Einheit erfahren und in sich erfasst.Demnach ist die Vielfalt des Wirklichen in der Abstimmung auf das Ganze einer derart in sich bestimmten Welt erfahren. Folglich ist denn auch die Dynamik der konkret erfahrenden Wirklichkeit begriffen und in ihrer bloЯ vordergrьndige Existenz, als bloЯes Erscheinen der hinter ihr liegenden Einheitlichkeit und Bestimmtheit beschrieben.

In dieser Zeit erscheint dann auch ein erstes für uns greifbares astrologisches Lehrbuch, die Astronomia des Manilius. Noch im ersten Jahrhundert nach Chr. werden dann mit Balbillus, Teukros von Babylon und Dorotheos von Sidon weitere astrologische Autoren greifbar, die zum Teil umfassende Verbreitung erfuhren. So ist bekannt, dass das astrologische Lehrgedicht des Dorotheos bis in den indischen Raum hin ausstrahlte. Im zweiten Jahrhundert nach Chr. erscheint dann die Anthologie des Vettius Valens, in der auch einzelne Horoskope beschrieben sind. Zentrale Referenz auch in der Antike gewannen schließlich die schon kurz besprochenen Tetrabiblos des Ptolemaios. Dabei geht diese Entwicklung einher mit einer zunehmenden Ausstrahlung der mythisch-mythologischen Vorstellungswelt Ägyptens, die nun aber, im zweiten Jahrhundert nach Chr., christlich umgedeutet und dann zu einer neuen Form mythologischer Naturbilder führt. Bekannt ist der um 200 nach Chr. verfertigte Physiologus, der eine christologisch eingefärbte Natursicht formulierte, der zufolge alle Natur nur mehr als Gleichnis für die Präsenz Gottes und dessen Attribuierungen zu verstehen sei. Weitere Autoren sind der noch in anderen Zusammenhängen zu besprechende Neuplatoniker Plotin und Porphyrios mit seinem Werk Isagoge. Um 378 nach Chr. schließlich erscheint die Einführung in die Astrologie von Paulus Alexandrinus. Die Astrologie, und nur diese und nicht die Details ihrer Aussagen, kann uns hier interessieren, ist also keineswegs eine esoterische, fern der Entwicklung der Astronomie stehende Praxis. Spätestens seit Hipparchos bleibt sie mit der mathematischen Astronomie verwoben, nutzt diese, und strahlt auch in der Person der Astronomen in deren Überlegungen zur Organisation des Kosmos und zum Verständnis der Himmelsmechanik aus. Poseidonius ist hier neu ein Beispiel. Dabei konturiert diese Astrologie auch ein eigenes methodisches Raster und unterscheidet gute und schlechte Verfahren. Sie wird Teil eines Naturwissens und wird auch als solches rezipiert, und so eben auch als Wissenspraxis gelehrt und als Wissenschaft formuliert.

 
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