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4.2.5 Wissenschaftliche Geographie

Neben einer Darstellung der Zuordnung von Sternen und Sternkonstellationen gewann die mathematische Astronomie aber vor allem auch Bedeutung für die wissenschaftliche Geographie, die sich eben mit Hilfe der nunmehr möglichen exakten Vermessung der eigenen Positionen auf der Erdkugel in einer ganz neuen Weise zu etablieren vermochte. Aristarch, Eratosthenes und schließlich Ptolemaios schufen hiervon ausgehend einen ganz neuen Typ einer wissenschaftlichen Geographie. In seiner in acht Büchern vorgelegten Einführung in die Geographie (Geographike hyphegesis) steht Ptolemaios ebenso wie in seinem großen astronomisch mathematischem Werk, dem Almagest, in der Tradition des Hipparchos. Wie dieser und wie Eratosthenes beschreibt er eine mathematische Geographie und gibt hierzu etwa 8000 Ortsbestimmungen nach geographischer Breite und Länge an. [1] Dabei liegt für ihn, wie bei seinem Vorgänger Marinos von Tyros, der Null-Meridian bei den Kanarischen Inseln. Mittels dieser Positionsdaten erstellte er – gleich Eratosthenes – seine Karte, die so auch in ihren Details mittels dieser Daten zu rekonstruieren ist. Erhalten sind aus der Spätantike allerdings auch mehrere seiner Kartendarstellungen, so blieben eine allgemeine und 26 Einzelkarten erhalten. Die Darstellung der Erde erfolgt hiernach in einer Kegelprojektion. Den Erdumfang berechnete Ptolemaios dabei wie Poseidonios und Marinos von Tyros auf 180.000 Stadien, und unterschritt damit den weit besseren Wert des Eratosthenes. Entsprechend sind dann auch seine Positionsangaben und seine Aussagen über die relativen Größen der von ihm beschriebenen Erdteile verschoben. Seine Kartendarstellung war allerdings eine Innovation: Ptolemaios nutzte erstmals die Kegelprojektion, die gegenüber der stärker verzerrenden Zylinderprojektion seiner Vorgänger eine wesentliche Verbesserung darstellt (Abb. 4.57). Die Karte des Ptolemaios reicht von den Kanarischen Inseln und Island im Westen bis nach Ostasien. Dabei stehen China und Afrika über einen großen unbekannten Erdteil im Süden in Verbindung. Demnach wird der Indische Ozean seiner Auffassung nach zu einem Binnenmeer. Diese Vorstellung der Welt, in der noch das antike Wissen über den Osten der Welt einfloss, und auf Grund der Vermessungen der römischen Ingenieure auch aus dem Westen detaillierte Positionsdaten überlieferte und zudem auf Messungen aufbauen konnte, die noch in einer einheitlichen Metrik gehalten waren, wirkte bis in die frühe Neuzeit hinein (Abb. 4.58).[2] Das Weltbild des Ptolemaios zeigte eine Welt, die erst mit der beginnenden Renaissance wieder in dieser Dimension verfügbar wurde.

Der Entwurf einer kartographierenden Geographie, wie sie Eratosthenes und Ptolemaios vertraten, war nun aber nicht exklusiv für das Verständnis einer naturgeschichtlichen Geographie. In etwa parallel wirkte der aus vornehmer Familie in Amáseia, dem heutigen Amasya, stammende griechische Historiker und Geograph Strabon (63 v. Christus – et-

Abb. 4.57 Darstellung der Weltkarte des Ptolemaios, wie sie von Lienhart Holle 1482 in Ulm gedruckt wurde

wa 26 nach Chr.). Sein Bild der Geographie ist das einer narrativen Landeskunde, einer inhaltlichen Bestandsaufnahme, die herüberweist zu den naturgeschichtlichen Darstellungen, die wir im römischen Bereich selbst erwachsen finden. Die Möglichkeiten, die das Weltreich Roms für den Begüterten bot, in einem politisch gesicherten Bereich große Teile des von Eratosthenes beschriebenen Bereiches der Welt in eigener Anschauung kennenzulernen, nutzte Strabon. Diese Erfahrungen arbeitete er zu einem umfassenden Reise- und Kulturführer um. Seine Studienreisen führten ihn nach Armenien, Syrien, Ägypten, ans Rote Meer und bis an die Grenze Äthiopiens. In den Jahren zwischen 27 v. Chr. und 7 n. Chr. schrieb er dann eine historische Arbeit, seine sogenannten Historischen Kommentare, die aber uns nur in wenigen Bruchstücken erhalten sind. Dagegen ist seine Darstellung der Geographika zu großen Teilen überliefert. Aus dieser Darstellung schöpfen wir weitergehende Kenntnisse der antiken Geographie und auch der seinerzeitigen Darstellungspraxis für eine wissenschaftliche Länderkunde, die eben weit über die bloß kartographische Erfassung von Topographien hinausging. In 17 Büchern behandelt Strabon in diesem Werk die Grundlagen der wissenschaftlichen Geographie und gibt historische, ethnographische und mythologische Beschreibungen der damals bekannten Länder. Neben eigenen Beob-

Abb. 4.58 Rekonstruktion des Mainzer Himmelsglobus – Fund aus dem Zeitraum zwischen 150– 220 nach Chr., wahrscheinlich aus dem kleinasiatischen Raum. Dieser vergleichsweise kleine Globus zeigt nördliche und südliche Sternbilder, neben dem Atlas Farnese in Neapel (der um Christi Geburt datiert) ist dies der einzige erhaltene Himmelsglobus mit erwähnenswerten Sterndarstellungen aus der Antike. Er zeigt 48 Sternbilder, die allerdings nicht völlig mit dem Katalog des Ptolemaios übereinstimmen. Zudem zeigt er die bisher erste Darstellung der Milchstraße. Dabei ist er keine wissenschaftliche Arbeit, sondern diente wohl der Bekrönung des Gnomons einer Sonnenuhr. Insoweit ist die relative Genauigkeit der Positionen der Sternbilder besonders bemerkenswert

achtungen nutzte er dazu auch ältere geographische Werke und Berichte von Zeitgenossen, wobei er betonte, dass diese von ihm aufgenommenen Angaben durchaus ungenau, veraltet und von den seinerzeitigen Einstellungen der Berichtenden geprägt seien. Dennoch aber listete er auch für ihn zweifelhafte Angaben mit auf, wenn er sie auch als solche vermerkte. Da sich hier exemplarisch die Art der Darstellung der Welt und die Art und Weise ei nes antiken Naturberichtes fassen lässt, und somit auch deutlich wird, wie Informationen gehandelt, bewertet und tradiert wurden, möchte ich hier ohne umfassende Kommentierung eine Passage aus dem 17. Buch des Strabon wiedergeben. Das Buch erschien in drei Abschnitten. Der erste behandelt Ägypten und beginnt mit einer kurzen Übersicht Ägyptens und Äthiopiens. Daran an schließt sich eine Darstellung des Nil mit seinem Einzugsbereich sowie die Beschreibung der Hauptstadt Alexandria und einiger benachbarter Orte. Es folgen Kapitel über die Geschichte der Ptolemäer, die jetzige Verwaltung Ägyptens, das Küstenland und das Delta mit seinen Seen, Kanälen und wichtigsten Städten, Ägypten oberhalb des Delta von Memphis und den Pyramiden bis zu dem Bereich Syene und Philä, mit dem See Möris und den Bereichen des Niltals, sowie eine Darstellung der politischen Verhältnisse gegen andere Völker. Das Buch schließt mit einer Darstellung der Kriege der Römer in Ägypten und Äthiopien.

Der Paragraph 1 beginnt wie folgt:

Übergang auf Ägypten und Libyen. Nachdem wir Arabia durchwandernd auch die dasselbe einschließenden und zur Halbinsel machenden Meerbusen, den Persischen und Arabischen, mitgenommen, und beim letzten zugleich Einiges von Aigyptos, und von Aithiopia, die Troglodyten und folgenden Länder bis zu des Zimmtlandes Enden umwandert haben, müssen wir noch die übrigen und diesen Völkern anliegenden Länder, ich meine jene um den Neilos, darstellen; nach diesen durchreisen wir dann Libye, unserer ganzen Erdbeschreibung letzten Theil. Auch hier müssen wir des Eratosthenes Angaben voranstellen.

Des Eratosthenes Nachrichten vom Laufe des Nils, von seinen Quellenflüssen in Aethiopien, von der Insel und Stadt Meroe und den benachbarten Völkern, den Sembriten, Megabarern, Blemmyern, Troglodyten und Nubiern.

Dieser sagt, der Neilos sei vom Arabischen Busen neunhundert oder tausend Stadien gegen Westen entfernt, und gegen die Mündung dem umgekehrt liegenden N (y) ähnlich. Denn, sagt er, von Meroe etwa zweitausend und siebenhundert Stadien gegen Norden hinabgeflossen wendet er sich wieder gegen Süden und den winterlichen Untergang auf dreitausend und siebenhundert Stadien; so beinahe gegen die Orte um Meroe gelangt, und weit in Libye vorgedrungen, macht er eine zweite Wendung, und strömt wieder gegen Norden, und zwar fünftausend und dreihundert Stadien bis zum grossen Wassersturze, zugleich wenig ausbeugend gegen Morgen; dann tausend und zweihundert zum kleineren bei Syene, und andere fünftausend und dreihundert zum Meere. In ihn ergiessen zwei aus einigen Seen von Morgen her strömende Flüsse, welche die sehr grosse Insel Meroe umschliessen; der eine, auf der östlichen Seite strömende, heisst Astaboras, der andere Astapus; einige aber nennen ihn Astasobas; denn der Astapus sei ein anderer, welcher aus einigen Seen von Süden strömend fast auf gerader Linie des Neilos Körpermasse bilde; seine Anschwellung aber bewirken die sommerlichen Regengüsse. Siebenhundert Stadien oberhalb der Vereinigung des Astaboras und Neilos liege die der Insel gleichnamige Stadt Meroe. Ueber der Insel Meroe aber sei noch eine andere Insel, welche die von Psammetichos abgefallenen Flüchtlinge der Aegyptier bewohnen. Diese heissen Sembriten, gleichsam Ankömmlinge; sie haben eine Frau zur Königin, gehorchen aber dem Könige in Meroe. Die Länder beiderseits unterhalb Meroe bewohnen längs dem Neilos gegen das Rothe Meer die Megabarer und Blemmyer, den Aithiopen gehorchend, aber schon den Aigyptiern begrenzt; am Meere die Troglodyten oder Höhlenbewohner. Jene Troglodyten aber seitwärts Meroe's sind vom Neilos zehn oder zwölf Tagesreisen entfernt. Dem Strombette des Neilos zur Linken wohnen in Libye die Nuben, ein grosses Volk, von Meroe anbeginnend bis zu den Umbeugungen, nicht den Aithiopen untergeordnet, sondern für sich in mehre Königreiche vertheilt. Die Seite Aigyptens längs dem Meere von der Pelosischen Mündung zur Kanobischen hält tausend und dreihundert Stadien. Dieses also berichtet Eratosthenes.

Ausführliche Beschreibung Aegyptens; zuerst Vergleichung mit Aethiopien hinsichtlich des Nils, des Bodens und der Lebensweise der Menschen. Aegyptens Verfassung und mehrfache Eintheilung und sorgfältige Vermessung des Landes. Natürliche und künstliche Bewässerung durch den Nil, wovon die grössere oder geringere Ergiebigkeit abhängt.

Aber wir müssen ausführlicher reden, und zuvörderst über Aigyptos, um vom Bekannteren zum Entfernteren fortzuschreiten. Der Neilos demnach verschafft sowohl diesem als dem zunächst und über ihm folgenden Lande der Aethiopen einige gemeinschaftliche Vortheile, indem er Beide tränkt während der Anschwellungen, und eben diesen in den Ueberschwemmungen bedeckten Theil bewohnbar zurücklässt, hingegen alles höhere und beiderseits über das Strombette sich erhebende und eben wegen des Wassermangels wüste und unbewohnte Land nur durchströmt. Aber weder das ganze Aithiopia durchströmt der Neilos, noch er allein, noch in gerader Richtung, noch ein schön bewohntes Land; Aigyptos hingegen er allein, und das ganze, und in gerader Richtung, vom kleinen Wassersturze über Syene und Elefantine beginnend, wo Aigyptens und Aithiopiens Grenzen sind, bis zu den Ergiessungen des Neilos ins Meer. Ferner leben die Aithiopen, wenigstens jetzt, grössten Theils als Wanderhirten und in Armuth wegen des Landes Unfruchtbarkeit und der ungemässigten Lufthitze und Entlegenheit von uns; den Aigyptiern hingegen ist von Allem das Gegentheil geworden. Denn sie leben von jeher staatsbürgerlich und gesittet, und wohnen in bekanntem Lande, so dass auch ihre Einrichtungen kundig werden; sogar rühmt man sie, weil sie des Landes Trefflichkeit durch weise Eintheilung und Sorgfalt vortheilhaft zu benutzen scheinen. Denn nachdem sie einen König erwählt, und das Volk dreifach abgeschieden hatten, bestimmten sie die Einen zu Kriegern, die Andern zu Feldbauern, zu Priestern die Uebrigen; Diese zu Besorgern der heiligen, Jene hingegen der menschlichen Dinge, und zwar so, dass Einige des Krieges, Andere alle Geschäfte des Friedens, sowohl Feld als Künste, übernahmen; von Diesen wurden auch die Einkünfte aufgebracht für den König. Die Priester aber übten auch Weltweisheit und Sternkunde, und waren Gesellschafter der Könige. Des Landes erste Eintheilung war jene in Nomen oder Landgaue; zehn enthielt Thebais, zehn das Land im Delta, sechzehn das Zwischenland; nach Einigen aber waren der sämmtlichen Landgaue so viele, als Palasthallen im Labyrinthos; dieser aber sind weniger als sechs und dreissig.

Wiederum enthielten die Landgaue andere Abschnitte; denn die meisten waren in Ortskreise abgetheilt, und auch Diese wieder in andere Abschnitte; die kleinsten Teile waren die Felder. Es bedurfte aber dieser genauen und ins Kleine gehenden Abtheilung wegen der beständigen Verwirrung der Grenzen, welche der Neilos während seiner Anschwellungen bewirkt, indem er wegnimmt und zusetzt, und die Gestalten verändert und die übrigen Zeichen vernichtet, wodurch Fremdes vom Eigenen unterschieden wird; es muss also wieder und wieder gemessen werden. Daher soll dort auch die Messkunst entstanden sein, wie die Rechenkunst und Zahlenlehre bei den Phoiniken wegen des Handels. Dreifach aber war, wie das ganze, so auch jedes Landgaues Volk abgetheilt, weil auch das Land in drei gleiche Theile gesondert war. Die Arbeiten hingegen um den Strom sind so verschieden, als die Besiegung der Natur durch Bemühung erfordert. Denn schon von Natur bringt das Land viele Frucht, getränkt aber mehr; von Natur tränkt auch die grössere Anschwellung mehr Land, aber Bemühung ersetzte oft, was die Natur versagte, so dass auch bei geringeren Anschwellungen durch die Kanäle und Eindeichungen eben soviel Land getränkt wird, als bei grösseren. So war vor Petronius Zeiten die grösste Ergiebigkeit und Anschwellung, wenn der Neilos auf vierzehn Ellen stieg; wenn aber auf acht, erfolgte Hungersnoth. Als aber jener das Land verwaltete, und des Neilos Maass nur zehn Ellen füllte, war die grösste Ergiebigkeit; und als es nur acht füllte, bemerkte Niemand Hungersnoth. So beschaffen ist Aigyptens Anordnung; jetzt wollen wir das Uebrige beschreiben.

§ 4

Ausführliche Beschreibung des Nils, seines Laufs, seiner Mündungsarme im Delta, und seiner Bewässerung des beiderseitigen Flachlandes, welches durch Berge eingefasst einem Bandstreifen gleicht.

Der Neilos nämlich strömt von den Aithiopischen Grenzen auf gerader Linie gegen Norden bis zur so genannten Landschaft Delta; dann gegen eine Scheitelspitze gespalten, wie Platon sagt, bildet er diese Gegend gleichsam zur Spitze eines Dreiecks; zu Seiten des Dreiecks aber die gegen beide Seiten gespaltenen zum Meere hinabgehenden Stromarme, den einen zur Rechten gegen Pelusion, den andern zur Linken gegen Kanubon und das nahe so genannte Herakleion; zur Grundlinie aber die Küste zwischen Pelusion und dem Herakleion. So wird durch das Meer und des Stromes beide Arme eine Insel abgeschnitten, und wegen der Aehnlichkeit ihrer Gestaltung Delta genannt; aber auch die Gegend an der Spitze ist gleichnamig benannt, weil sie der erwähnten Gestaltung Anfang ist. Auch der dort liegende Flecken heisst Delta. Dies sind also jene zwei Mündungen des Neilos, deren eine die Pelusische, die andere die Kanobische und Herakleiotische heisst. Zwischen Diesen aber sind fünf andere Ergiessungen, und zwar beträchtliche, aber auch mehre schwächere; denn viele schon von den ersten Theilen ausgehende und durch die ganze Insel vertheilte Nebenarme bildeten viele Flussbetten und Inseln, so dass das ganze Delta beschiffbar wurde, weil Kanäle aus Kanälen gezogen waren, welche mit solcher Leichtheit befahren werden, dass Einige sich sogar thönerner Fahrzeuge bedienen. Uebrigens hält die ganze Insel im Umfange ungefähr dreitausend Stadien; man nennt sie auch nebst den gegenüber liegenden Uferflächen des Delta das Niederland. Durch die Anschwellungen des Neilos wird sie ganz überdeckt; dass sie versumpft, ausser den Wohnorten; denn diese sind entweder auf natürlichen Anhöhen oder auf Schutthügeln erbaut, sowohl beträchtliche Städte als Flecken, welche von fern gesehen Inseln gleichen. Nachdem das Wasser über vierzig Tage im Sommer gestanden hat, nimmt es eben so mälig Abzug, als es die Anschwellung machte; innerhalb sechzig Tagen aber wird das Flachland völlig entblösst und abgetrocknet. Je schneller die Abtrocknung, desto schneller das Pflügen und Säen, und schneller da, wo die Hitze grösser ist. In gleicher Weise wird auch das Land über dem Delta getränkt, ausser dass der Strom auf gerader Linie von etwa viertausend Stadien in Einem Bette hinabströmt, es sei denn, dass hier und dort eine Insel begegne, unter welchen die den Herakleotischen Landgau umfassende die beträchtlichste ist; oder hier und dort eine stärkere Ableitung durch einen Kanal zu einem grossen See und einer grossen Landschaft, welche er tränken kann, wie bei dem den Arsinoitischen Landgau und See Moiris machenden Kanale, und den in die Mareotis einströmenden. Um kurz zu reden, nur das von Aithiopiens Grenzen bis zu des Delta Spitze herabreichende, dem Neilos beiderseits erreichbare, aber selten in ununterbrochen bewohnlicher Breite dreihundert Stadien haltende Flussland ist Aigyptos. Es gleicht also, mit Ausnahme der stärkeren Ausbeugungen, einem auf der Länge zunehmenden Gurtbande. Diese Gestalt des Flussthals, welche ich bezeichne, und des Landes überhaupt, bewirken die beiderseits von den Orten um Syene bis zum Aigyptischen Meere hinablaufenden Berge. Denn wie weit Diese sich hinabziehen und von einander abstehen, so weit beschränkt und ergiesst sich auch der Fluss, und gestaltet das bewohnbare Land verschiedentlich. Jenes aber jenseits der Berge ist auf weithin unbewohnt . . . [3]

Dargestellt ist somit eine Landeskunde, teilweise im Verweis auf ältere Autoren, immer aber orientiert an einer geographischen Feingliederung, die landeskundlich historisch und politisch untersetzt ist. Insoweit zeigt Strabon, wie sich das kartographische Skelett der Topographie in den Jahren um Christi Geburt auch hinsichtlich der inhaltlichen Groborientierung füllen und in einem Wissenschaftsbereich der Geographie vermitteln ließ.

  • [1] Vgl. hierzu: A. Kleineberg, C. Marx, E. Knobloch, D. Lelgemann, Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios' „Atlas der Oikumene“. Darmstadt 2010
  • [2] Als Text in neuerer Übersetzung verfügbar ist: A. Stückelberger, G. Grasshoff, Hg., Klaudios Ptolemaios. Handbuch der Geographie. 2 Bde. Basel 2006
  • [3] Strabo, Geographica, 17. Buch, 1. Abschnitt, zit. nach: manfredhiebl.de/Strabon/Siebzehntes_Buch_Erster_Abschnitt.html
 
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