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2.6 Wirkungsweisen der Opferunterstützung

Abbildung 2 zeigt als idealtypisches Modell Wirkungsweisen der Opferunterstützung bei rechter Gewalt in der Gesellschaft. Erfahren viktimisierte Individuen und Kollektive unmittelbar nach der primären Opfer-Werdung gelungene Unterstützung durch Behörden, ihr soziales Umfeld und ggf. professionelle Beratungsdienste, kann es gelingen, darauf aufbauende Viktimisierungsstufen zu vermeiden.

Abbildung 2 Idealtypisches Prozessmodell rechtsmotivierter Viktimisierung mit Opferberatung

Betroffenen wird dann – neben der Einschüchterung durch den Täter bzw. die Täterin – auch vermittelt, nicht verantwortlich für die Viktimisierung zu sein und Folgen nicht allein tragen zu müssen. Die soziale Ächtung der Tat und ihrer weltanschaulichen Motive stärkt die Betroffenen, ihre soziale Integration und delegitimiert die Gewalt der Täter und Täterinnen. Den Gewaltopfern fällt es auf diese Weise leichter, die Tat zu verarbeiten, ohne dass eine Distanz zur Gesellschaft entsteht. Durch die öffentliche Vertretung der Opferinteressen können zudem verdrängte Ungleichwertigkeitszuschreibungen und Ungleichbehandlungen mit dem Ziel problematisiert werden, schwache Gruppen gesellschaftlich gleichzustellen. Mit der sozialen Macht von abgewerteten Gruppen steigt für potenzielle Gewalttäter und -täterinnen das Risiko, während ihre subjektive Überlegenheit und die imaginierte Legitimität der Diskriminierung schwacher Gruppen abnehmen. In der gesellschaftlichen Debatte, der behördlichen Praxis und bei der Konzeption von Maßnahmen zur Prävention von rechter Gewalt und der Unterstützung von Betroffenen ist daher von herausragender Wichtigkeit, die Viktimisierungsfolgen für die Betroffenen zu minimieren, deren Wahrnehmungen ernst zu nehmen sowie die Bedeutung der Tat für das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft zu thematisieren: Denn rechte Gewalt vermittelt „sowohl dem Opfer als auch dessen Gruppe, dass sie nicht willkommen sind, dass sie kein Recht auf volle Partizipation am Leben in der Gesellschaft haben sollen“ (OSCE/ODIHR, 2008, zitiert in: Finke, 2010, S. 207).

 
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