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3 Untersuchungsdesign und -methode

3.1 Datenerhebung

Die Daten der vorliegenden Studie wurden mithilfe von standardisierten Telefoninterviews erhoben, welche vom Frühling bis Frühsommer 2014 geführt wurden. Die Interviewer und Interviewerinnen waren ausführlich geschulte, auf Honorarbasis entlohnte Studierende der Sozialwissenschaften mit thematischem Interesse am Arbeitsfeld. Die Telefoninterviews dauerten im Durchschnitt 35 Minuten (20 bis 75 Minuten) und die Erfassung der Daten verlief computergestützt. Die Antworten der Befragten wurden anschließend mittels des Statistik-Software-Programms SPSS 21.0 analysiert.

3.2 Aufbau des Fragebogens

Der Fragebogen umfasste insgesamt 131 Fragen, von denen im Folgenden nur ein Teil genauer betrachtet wird. Unter anderem wurden Wahrnehmungen des polizeilichen Handelns in und direkt nach der Tatsituation erfragt. Als Antwortformate wurde je nach Frage oder Aussage meist der Grad der Zustimmung auf einer 5-stufigen Skala mit „stimme völlig zu“ „stimme eher zu“, „teils/teils“, „lehne eher ab“ und „lehne völlig ab“ vorgegeben, zusätzlich gab es die Option „weiß nicht“ und die Möglichkeit, gar nicht zu antworten. [1] Abschließend wurden im Fragebogen einige soziodemografische Daten (zum Beispiel Alter, Staatsangehörigkeit, Migrationsstatus) erhoben.

3.3 Akquise der Stichprobe

Der Zugang zu den Interviewpartnern und -partnerinnen erfolgte über die Thüringer Opferberatungsstelle ezra [2]. Ursprünglich wurden 107 Betroffene, Zeugen und Zeuginnen telefonisch kontaktiert. Darunter gab es 5 Personen, die auch nach mehrmaligen Versuchen telefonisch nicht erreicht werden konnten. In insgesamt 8 Fällen wären die Interviews nicht in deutscher Sprache möglich gewesen, wobei die Übersetzung des Interviewinstrumentes im Rahmen der Untersuchung nicht zu finanzieren war. Zudem gab es mehrere Personen, die aus verschiedenen persönlichen Gründen nicht zur Teilnahme an der Studie bereit waren. So nannten die Befragten unter anderem, dass sie befürchteten, durch die Befragung wieder an die traumatischen Erlebnisse erinnert zu werden; sie gaben an, aktuell zu vielen psychischen Belastungen unterworfen zu sein; dass sie keine Zeit hätten oder sie waren in Einzelfällen bereits ins Herkunftsland zurückgezogen, wie über Dritte (Freunde oder Freundinnen der Betroffenen oder Kooperationspartner von ezra) zu erfahren war. Insgesamt bilden N=44 vollständige Interviews die Grundlage der folgenden statistischen Auswertungen.

3.4 Beschreibung der Stichprobe

Von den 44 Befragten waren 33 Personen männlich (das entspricht 75% der Stichprobe) und 11 Personen weiblich (25%). Das Alter der Befragten lag zwischen 15 und 60 Jahren mit einem Mittelwert bei 33 Jahren (wobei von einer Person keine Angaben vorlagen). Die meisten Betroffenen waren zwischen 22 und 28 Jahre alt. 41 der Befragten (also 93%) hatten die deutsche Staatsangehörigkeit, 3 weitere gaben russische, türkische oder sudanesische Staatsangehörigkeit an. Auf die Frage „Sind Sie oder Ihre Eltern (oder Großeltern) im Ausland geboren?“ antworteten 10 der Befragten mit „ja“ (23%), 34 Personen mit „nein“ (77%). Die Frage nach der „derzeitigen beru.ftichen Situation“ ergab 22 „Angestellte“ (50%), 7 „Arbeiter/Arbeiterinnen“ (16%), 6 „Arbeitslose“ (14%), 5 „Studierende“ (11%) sowie 1 „Auszubildende“, 1 „Freiberu.fter“, 1 „Schüler“ und 1 „Unternehmer“.

  • [1] In den entsprechenden folgenden Textabschnitten sind die gestellten Fragen bzw. Aussagen jeweils ausformuliert und "kursiv" dargestellt.
  • [2] ezra (ezra.de) ist die mobile Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen. Beraten, begleitet und unterstützt werden von ezra Menschen, die aus Motiven gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit angegriffen werden – also deshalb, weil die Täter und Täterinnen sie einer von ihnen abgelehnten Personengruppe zuordnen.
 
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