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Tacitus

Cornelius Tacitus, (61/62–um 120 n. Chr.) war der letzte groЯe Geschichtsschreiber Roms. 98 verцffentlichte er seine Schrift ьber den Ursprung und die Sitten Germaniens, die spдter vor allem in der deutschen Historiographie umfassend rezipiert wurde. Seine zentralen Werke, die Historien und die Annalen beschreiben die rцmische Kaisergeschichte.

Von den Werken des Plinius blieb allein die Naturalis historia erhalten. Hier fasste er in 37 Büchern das naturkundliche Wissen seiner Zeit zusammen. Das Werk ist eine wohlgeordnete Anthologie des antiken Wissens über die Natur, in die zwar auch eigene Erfahrungen und Anschauungen einfließen, das aber im Wesentlichen die Informationen, die andere Autoren gegeben hatten, in einer neuen, literarisch geschlossenen Form zusammenstellt. Plinius selbst rühmt sich, hierzu 2000 Bücher von mindestens 100 verschiedenen Autoren durchforstet zu haben. Die ersten zehn Bände dieser Arbeit wurden im Jahr 77 veröffentlicht, die übrigen erst nach seinem Tod.

Die Darstellung des Plinius beginnt mit einer Kosmologie, in der er die Grundzüge der Vier-Elementelehre des Empedokles referiert. Er benennt das Feuer, das als höchstens Prinzip denn auch im Licht der Sterne erscheint, die belebende alles durchdringende Luft und das Wasser, das die Erde schwebend in der Mitte des Weltraums im Gleichgewicht hält. [1] So wird durch das wechselseitige Umfassen des Verschiedenen eine Verknüpfung hergestellt, und das Leichte wird durch das Schwere verhindert zu entfliehen, und andererseits wird das Schwere, damit es nicht abstürzt, durch das Leichte, das in die Höhe strebt, in der Schwebe gehalten. [2] So steht die Erde im Mittelpunkt des Alls, sie hat die Form einer Kugel und ist unbewegt. Um sie kreisen Mond und Sonne und die Planeten. Dabei ist für Plinius die Sonne, als das alles belebende Prinzip, von besonderer Bedeutung: Ich halte es, so schreibt er nach der Darstellung der vorleuchtenden alles schauenden, alles hörenden Sonne, deshalb für ein Zeichen menschlicher Schwäche, nach dem Bild und der Gestalt der Gottheit zu suchen. Wer auch Gott sei, wenn es überhaupt einen anderen gibt (als die Sonne) und in welchem Teile (des Alls) er auch sein mag, er ist ganz Gefühl, ganz Gesicht ganz Gehör, ganz Seele, ganz Geist, ganz er selbst.[3] Plinius setzt hier – und das ist für die spätere Rezeption über die Spätantike hinaus bedeutsam – seine Kosmologie in einen theologischen Kontext. Wobei dieses Beispiel nur eines unter vielen ist, das aber exemplarisch zeigt, wie Plinius seine Geschichte der Naturgeschichte anlegt. Solche Exkurse, die Einzelheiten bewerten und in einen kulturellen Kontext stellen, sind kennzeichnend für dieses Werk, das gerade in diesen Exkursen originell ist, und eben durch diese Exkurse für einen nicht fachlich geschulten Leser interessant und rezipierbar wird. Im Weiteren beschreibt Plinius in diesem ersten Buch dann die Entstehung einer Sonnenfinsternis, die Bahnen der Planeten und äußert sich über Bahn und Ursprung der Kometen. Sukzessive entwirft er so ein Gesamtszenario der antiken Kosmologie, das zwar deskriptiv bleibt, aber doch die wesentlichen Momente der antiken Kosmologie nachzeichnet. Darauf folgt eine allgemeine Erdbeschreibung, Darstellungen des Menschen, der Tiere und der Pflanzen. Hieran an schließt sich eine Beschreibung der Heilmittel aus dem Pflanzenreich und aus dem Tierreich. Das Ganze schließt mit einer Darstellung der Mineralien und der bildenden Kunst, wobei hier dann auch detaillierte Angaben über Kunstwerke und Künstler zu finden sind.

Wissenschaftlich, im Sinne einer eigenständigen oder nach einem bestimmten naturphilosophischen System strukturierten Darstellung, ist diese Arbeit nicht. Sie ist in ihrem Referat tradierter Auffassungen, Meinungen und Berichte solide und zuverlässig und insofern eine für uns heute unschätzbare Quelle über das Naturwissen der Antike, wobei neben den exzerpierten Arbeiten antiker Autoren auch eigene Erfahrungen und auch mündlich tradierte Geschichte ihre Aufnahme in dieses Werk fanden. Charakteristisch für das resultierende Konglomerat genauer Beobachtungen, Mutmaßungen und Spekulationen ist die Darstellung des Chamäleons durch Plinius:

Afrika ist fast das einzige Land, das keine Hirsche hervorbringt, hingegen das Chamäleon, obgleich dieses in Indien häufiger war. Es hätte Gestalt und Größe einer Eidechse, wenn nicht seine Beine gerade und höher wären. Die Seiten sind mit dem Bauche verbunden wie bei den Fischen, und wie bei diesen ragt auch das Rückgrat hervor. Das Maul ist im Kleinen dem Rüssel eines Schweines nicht unähnlich, der Schwanz, der sehr lang ist, läuft in einer Spitze aus und wickelt sich wie bei den Schlangen kreisförmig zusammen. Die Krallen sind gekrümmt, die Bewegung ist träge wie bei der Schildkröte, der Körper rauh wie beim Krokodil. Die Augen liegen in einer Höhlung, nur wenig voneinander entfernt, sind sehr groß und haben die gleiche Farbe wie der Körper. Es schließt sie nie und bewegt beim Umsehen nicht die Pupillen, sondern dreht das ganze Auge. Es trägt den Kopf hoch mit stets offenem Munde und ist das einzige Tier, das nicht von Speise und Trank, sondern nur von der Luft lebt; durch seinen aufgesperrten Mund ist es Schrecken erregend, sonst aber unschädlich. Um so merkwürdiger ist besonders die Art seiner Färbung: denn es verändert diese zuweilen an den Augen, am Schwanz und am ganzen Körper und zeigt stehts die Farbe seiner jeweiligen nächsten Umgebung, ausgenommen rot und weiß; nach dem Tode ist es von blasser Farbe. Nur am Kopf, an den Kinnbacken und an der Schwanzwurzel hat es etwas Fleisch, am übrigen Körper aber keins; Blut hat es nur im Herzen und in den Augen; in den Eingeweiden fehlt die Milz. In den Wintermonaten lebt es im Versteck wie die Eidechsen._[4]

Schon in der Antike erlebte dieses Kompilat des Naturwissens große Bearbeitung. Im

4. Jahrhundert nach Chr. wurde aus den Teilen des Werkes, die die Heilmittel darstellen, ein überarbeiteter Auszug veröffentlicht, die Medicina Plinii. Im 6. oder 7. Jahrhundert folgte darauf ein zweiter solcher Versuch. Boëthius übernimmt die Naturgeschichte des Plinius in seine Liste der zentralen Werke antiker Autoren. Und so gerät nicht nur im Weströmischen Reich, sondern über das Mittelalter bis in die Renaissance dieses Werk des Plinius zu der zentralen Quelle über die Naturanschauungen der Antike. Dies zeigt auch der frühe erste Druck dieser Arbeit, der 1469 in Venedig erschien. Plinius blieb denn auch bis in das 16. Jahrhundert die zentrale Referenz für eine deskriptive Naturgeschichte.

  • [1] Plinius, Naturkunde. Ausgewählte Werke. Bd. 1. Düsseldorf 2008, S. 50
  • [2] Ebd
  • [3] Ebd., S. 52
  • [4] Plinius, Naturkunde. Ausgewählte Werke. Bd. 3. Düsseldorf 2008, S. 79 f
 
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