< Zurück   INHALT   Weiter >

4 Ergebnisse

4.1 Wahrnehmungen der Polizei in der Tatsituation

Im Folgenden werden die Ergebnisse der Studie dargestellt. Zunächst widmen wir uns der Frage, wie Betroffene das polizeiliche Handeln unmittelbar nach den rechten Gewalttaten erfahren und bewerten. Die entsprechenden Fragen beschäftigten sich mit der subjektiven Sicht der Betroffenen auf die Arbeit der Polizei während und direkt nach dem Vorfall. Diese Fragen wurden nur jenen 32 Personen gestellt, die vorher angegeben hatten, gleichzeitig mit der Polizei in der Tatsituation gewesen zu sein. Zusammenfassend sind die Ergebnisse in Abbildung 3 dargestellt, danach werden sie im Einzelnen detaillierter vorgestellt.

Abbildung 3 Wahrnehmungen der Polizei in der Tatsituation (N=32) in Prozent [1]

Die Aussage „Ich fühlte mich von der Polizei vor Ort als Betroffener ernst genommen.“ wurde von 13 Personen (41%) zustimmend, von 3 Personen (9%) mit „teils/teils“ und von 15 Personen (47%) ablehnend beantwortet. Das heißt, weniger als die Hälfte der befragten Personen fühlte sich nach dem Vorfall von den am Einsatzort aktiven Polizisten und Polizistinnen ernst genommen.

Die Aussage „Die Polizeibeamten hörten mir kaum zu.“ beantworteten 9 Personen (28%) mit Zustimmung, 3 Personen (9%) mit „teils/teils“ und 18 Personen (56%) mit Ablehnung. Somit ist über ein Drittel der Befragten der Meinung, dass die Polizeibeamten und -beamtinnen ihnen kaum zugehört haben.

Der Aussage „Der Polizei war klar, dass ich der/die Betroffene der Gewalttat war.“ stimmten 16 Personen (50%) zu, 1 Person antwortete mit „teils/teils“ und 11 Personen (34%) lehnten sie ab. Folglich hatte die Hälfte der befragten Personen kurz nach der Tat nicht das Gefühl, dass die Polizei vor Ort sie als Betroffene der Gewalttat betrachtete.

Die Aussage „Insgesamt haben die Polizisten mich anständig behandelt.“ wurde von 17 Personen (53%) mit Zustimmung, von 5 Personen (16%) mit „teils/ teils“ und von 8 Personen (25%) mit Ablehnung beantwortet. Dementsprechend fühlte sich ein Viertel der Befragten durch die Polizei nicht anständig behandelt.

Die nächste Aussage „Die Polizeibeamten gingen ohne Vorurteile auf mich zu.“ wurde von 13 Personen (41%) mit Zustimmung, von 4 Personen (12%) mit „teils/teils“, und von 11 Personen (34%) mit Ablehnung beantwortet, wobei 3 Personen (9%) „weiß nicht“ angaben. Mehr als die Hälfte der Befragten hatte demnach teilweise oder vollständig das Gefühl, mit Vorurteilen seitens der Polizeibeamten und -beamtinnen konfrontiert zu sein.

Die Aussage „Alles in allem erfüllten die Polizisten ihre P.fticht, vor Ort Belastendes und Entlastendes für eine Tatbeteiligung zu finden.“ wurde von 17 Personen (53%) mit Zustimmung, von 1 Person mit „teils/teils“, und von 11 Personen (34%) mit Ablehnung beantwortet, wobei 2 Personen (6%) „weiß nicht“ angaben. Folglich war die Mehrzahl der Betroffenen der Meinung, die Polizei hat vor Ort ihre Pflicht erfüllt, während ein Drittel dem widersprach.

Insgesamt zeigt sich, dass ungefähr jeder Zweite sich in der Tatsituation durch die Polizei nicht ernst genommen fühlte und nicht das Gefühl hatte, die Polizei behandle ihn als Betroffenen der Gewalttat. Jeder Vierte fühlte sich durch die Polizei nicht anständig behandelt und jeder Zweite sah sich mit Vorurteilen seitens der Polizeibeamtinnen und -beamten konfrontiert. Zudem teilte jeder Dritte nicht die Ansicht, die Polizisten und Polizistinnen hätten vor Ort ihre Pflicht erfüllt, Beund Entlastendes für eine Tatbeteiligung zu finden.

Zwei weitere Fragen beschäftigten sich mit Wahrnehmungen der Betroffenen bzgl. der Anerkennung des politischen Tatmotivs durch die Polizei. Diese Ergebnisse sind zusammenfassend in Abbildung 4 dargestellt und werden nun im Einzelnen kurz beschrieben. Die Aussage „Den Polizisten war wichtig, den politischen Hintergrund der Tat aufzuklären.“ wurde von 9 Personen (28%) zustimmend, von 3 Personen (9%) mit „teils/teils“, und von 18 Personen (56%) ablehnend beantwortet. Das heißt, nur weniger als ein Drittel war der Meinung, die Polizei sei am politischen Hintergrund der Tat interessiert gewesen.

Diese Sichtweise bestätigen auch die Reaktionen der Befragten auf die Aussage „Die Polizeibeamten ignorierten das politische Motiv der Tat.“. 18 Personen (56%) wählten hier zustimmende Antworten, 12 Personen (38%) ablehnende. Folglich fand diese Aussage die Zustimmung von mehr als der Hälfte der Befragten. Zusammenfassend muss also diesbezüglich konstatiert werden, dass mehr als die Hälfte der Befragten bezweifelte, dass die Polizeibeamten und -beamtinnen in der Tatsituation wirklich an der Aufklärung der politischen Tathintergründe interessiert waren.

Abbildung 4 Einschätzung der Befragten bezüglich der Anerkennung des politischen Motivs der Tat durch die Polizei (N=32) in Prozent

  • [1] Durch Rundungsfehler ergeben die Prozentsummen auch in den folgenden Abbildungen manchmal 99 % oder 101 %.
 
< Zurück   INHALT   Weiter >