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4.5.2.1 Straßenbau und Aquädukte

Welche Dimensionen diese Art des Ingenieurwissens angenommen hatte, zeigt exemplarisch der römische Straßenbau. Nicht nur dass die jeweilige Trasse sorgsam geplant ist, der Aufbau der Straße selbst sehr sorgfältig und nach Kenntnis des Materials und bestimmter physikalischer Grundtatsachen erfolgt. Planung und Ausrichtung der Straßen folgen einer genauen Vermessung und erlauben es so, das Gebiet des Römischen Reiches für das Militär, aber eben auch für den Handel und die Verwaltung handhabbar zu machen. Allein ein Blick auf die Kartierung der Hauptstraßenbereiche (Abb. 4.64) zeigt die Dimensionen und die Konsequenz einer übergreifenden Planung, die dann durch die Qualität von deren jeweiligen lokalen Realisierung unterfangen ist.

Dies trifft auch für die Wasserversorgung zu, die jeweils nach den lokalen Gegebenheiten mittels der möglichen Techniken und Verfahren des Wassertransportes einzustellen und auszuführen war. Beispiele für die Art dieser Versorgung geben etwa die bis in die Eifel führenden Wasserversorgungslinien der Römer für die Stadt Köln (Abb. 4.65), das vormalige Colonia Claudia Ara Agrippinensium, sowie auch – in einer noch ganz anderen Dimension – die Wasserversorgungssysteme der Stadt Rom (Abb. 4.66). Dabei zeigt sich dann gerade hier das Selbstverständnis der Ingenieure, die in ihrer Zeit explizit machen, was eingangs in Bezug auf die Bedeutung der praktischen Verfahren für das römische Wissen- und Wissenschaftsverständnis formuliert wurde. Frontinus, der 97 n. Chr. zum Leiter der städtischen Wasserversorgung in Rom ernannt wurde, macht dies deutlich:[1] Mit einer solchen Vielzahl von unentbehrlichen und gewaltigen Wasserleitungsbauten, schreibt er, vergleicht man die ganz offensichtlich nutzlosen Pyramiden und andere unnütze, von den Griechen errichtete Bauwerke, und mögen die Leute noch soviel davon reden.

Dazu kommt, zum Dritten, die mathematisch-physikalische Qualität der römischen Bauten. Die gilt schon für die Anlage der Städte, die Straßensysteme und die verwandten Materialien, etwa der Druckwasserleitungen oder der Schachtauskleidungen, ebenso wie der Dachkonstruktionen. Bekannt ist uns dies aus archäologischen Funden, die eben diese Praktiken rekonstruieren lassen und uns so zeigen, was an handlungsbezogenen Wissenssystemen in Rom tradiert wurde. Immerhin ist Frontinus hier mit seiner Karriere selbst auch Zeuge dafür, welche Wertschätzung derartige technische Systeme und die mit ihnen verfügbare Infrastruktur besaßen.

S. Julius Frontinus (etwa 40–103 n. Chr.) war 70 Prätor, 73, 98 und 100 Konsul und zwischenzeitlich, von 74–77, Roms Statthalter in Britannien. 97 wurde er dann – wie benannt – curator aquarum in Rom und besetzte damit eine, eben keineswegs nachrangige Funktion. Neben seinem Werk über die Wasserleitungen und die Wasserversorgung Roms sind von ihm Fragmente eines Traktates über die Feldmesskunst erhalten. Weiter verfertigte er zwei Werke über die Kriegskunst respektive die Kriegslisten, die uns allerdings verloren sind.

  • [1] S. J. Frontinus, Über die Wasserversorgung der Stadt Rom; S. Julius Frontinus, De aquaeductu urbis Romae, zitiert nach B. Cech, Technik in der Antike. Darmstadt 2011, S. 111
 
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