< Zurück   INHALT   Weiter >

Die Vцlkerwanderung

Zwischen 375 und 568 wird der westrцmische Herrschaftsbereich durch immer wieder neu vorstoЯende Vцlker aus dem Bereich des nцrdlichen und цstlichen Europas nahezu in Gдnze umgeworfen. Nach der Aufgabe des rдtoromanischen Limes und der Provinz Dakien wird die Donaugrenze des rцmischen Reiches instabil. Zwar gelingt es zunдchst,Germanen als sogenannte Fцderaten gegen einen Jahreslohn an den Grenzen anzusiedeln,mit derMaЯgabe, hier den Grenzschutz zu ьbernehmen, doch werden die germanischen Vцlker schlieЯlich durch den Hunneneinfall von 375 nach Westen gedrдngt. Die erste groЯe durch die Hunnen abgedrдngte Gruppe, die Ostgoten, die nцrdlich des Schwarzen Meeres beheimatet waren, wird nach Pannonien abgeschoben. Parallel hierzu bewegt sich der Teil der Goten, die vorab als Pufferstaat nцrdlich der Grenze des Ostrцmischen Reiches angesiedelt worden waren, in Folge dieses AnstoЯes durch die Hunnen nach Sьden. Diese Goten schlagen die Rцmer in der Schlacht vonAdrianopel und siedeln sich dann inThrakien an.Nach einemPlьnderungszug durch die griechische Halbinsel und den Balkan unternehmen sie einen Angriff auf Italien. 408 belagern sie Rom und ziehen mit einer gewaltigen Kontribution ab, stehen dann allerdings 412 erneut vor Rom und nehmen die Stadt ein. Verdrдngt durch die Goten, wandern die Vandalen ьber Gallien und Spanien in den Raum des alten Puniens ein. Augustinus stirbt im Jahr der Belagerung seiner Bischofsstadt durch die Vandalen. Diese grьnden 442 nach der Eroberung von Karthago

eine eigenes Reich auf vormaligem rцmischem Reichsgebiet. Die Vandalische

Flotte beherrscht darauf das westliche Mittelmeer und kann so Rom, das auf nordafrikanische Getreidelieferungen angewiesen ist, in Bedrдngnis bringen. 455 fallen die Vandalen in Italien ein und erobern Rom, das sie systematisch ausplьndern. Eine Generation spдter bewegen sich die von dem vormals in Byzanz als Geisel erzogenen Theoderich gefьhrten Ostgoten nach Italien.Theoderich ist als magister militum und patricius von Italien formal vom ostrцmischen Kaiser als Statthalter eingesetzt und so in seiner Eroberung legitimiert. Er erobert das Vandalenreich, dringt in Italien ein und besiegt den Odoaker, und grьndet dann sein eigenes Reich in Italien mit der Hauptstadt Ravenna. In seiner Verwaltung stьtzt er sich dabei auf die westrцmischen Fьhrungseliten. Theoderichs Ziel ist, ein gegen die Byzantiner gerichtetes germanisches Bьndnissystem aufzubauen. Hinsichtlich der Integration von Rцmern und Goten ist er vorsichtig. Ein Heiratsverbot trennt beider Vцlker inTheoderichs Reich. DieGoten erhalten hier einDrittel des gesamten Grundbesitzes fьr Ihre Kriegsdiens- te, allerdings bleiben die Zivilverwaltung und dieWirtschaft in rцmischerHand.Nur 10 Jahre nach dem Tod des Theoderich vermag es Justinian, die von den Ostgoten eroberten Bereiche zumindest fьr eine kurze Zeit wieder an sich zu bringen. Die neue Einigung westrцmischer und ostrцmischer Provinzen unter Justinian bleibt aber wenig stabil, 568 ziehen die Langobarden von Pannonien her in Italien ein und grьnden dort ein eigens Reich, das bis 774 Bestand hat, bis es durch Karl den GroЯen erobert wird. Ostrom ist hier schon lange als handelnde Kraft aus dem Bereich des Westrцmischen Reiches ausgeschieden.

Karte 4.11 Europa zur Zeit der Völkerwanderung

 
< Zurück   INHALT   Weiter >