Forschungsfrage

Die vorliegende Studie wird die Herausbildung des transatlantischen Machtverhältnisses eingehend analysieren und hierzu dezidiert das Jahr 1989 in den Blick nehmen. Die zentrale Frage lautet folglich: wie wurde das transatlantische Machtverhältnis im Krisenjahr 1989 in der sozialen Praxis konstituiert? Welche sozialen Praktiken lassen sich beobachten und wie können diese Praktiken bezüglich ihrer das Machtverhältnis konstituierenden Funktion gedeutet werden?

Der Machtbegriff, der dieser Fragestellung zugrunde liegt, erfährt eine praxistheoretische Aufladung, was sich in erheblicher Weise auf die empirische Untersuchung auswirkt. So wird gezeigt, wie die Repräsentanten der Staaten Konflikte und Streitthemen unterschiedlicher Art aushandeln und wie die beobachteten sozialen Praktiken hinsichtlich der Konstitution des Machtverhältnisses interpretiert und gedeutet werden können. Der analytische Blick richtet sich daher nicht auf die objektive Verteilung materieller Ressourcen, wie etwa die militärische oder wirtschaftliche Stärke einzelner Länder, um die Machtkonfiguration der transatlantischen Beziehungen zu bestimmten. Vielmehr wird gezeigt, wie sich Machtverhältnisse in Artikulations-, Kommunikations- und Interaktionsprozessen darstellen, in denen Status-, und Deutungsansprüche sowie Machtpositionen ausgehandelt und durchgesetzt werden. Der empirische Hauptfokus konzentriert sich auf die Endphase des Ost-West Konfliktes, da sich im Krisenjahr 1989 die Anzeichen für eine Neuaushandlung des Machtverhältnisses verdichten. Auf Basis der empirischen Analyse soll schließlich ein allgemein anwendbarer Untersuchungsrahmen entworfen werden, um die Konstitution von Machtverhältnissen in der sozialen Praxis erfassen zu können. Das Erkenntnisziel dieser Arbeit liegt somit primär auf der theoretisch-konzeptionellen Ebene. Methodisch wurde die empirische Untersuchung in Anlehnung an das Konzept der Grounded Theory umgesetzt, wobei betont werden sollte, dass die Untersuchung dem Konzept der Grounded Theory nicht in einem strengen Sinne folgt, jedoch mit der rekonstruktiven und explorativen Forschungshaltung sympathisiert und insbesondere die „Kodierung“ als Mittel nutzt, um die sozialen Praktiken der Macht systematisch aus den „Protokollen sozialen Handelns“ zu erschließen.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >