Selektive Kodierung

Die selektive Kodierung dient der Zusammenführung der einzelnen Kategorien, der Erstellung eines roten Fadens oder einer story line, wie Strauss/Corbin

(1990: 143f.) schreiben. Die Fülle an Daten und Kategorien, die im Laufe des Forschungsprozesses entstanden sind, soll auf diese Weise in eine für andere lesbare und nachvollziehbare Form überführt werden. Strauss/Corbin geben für diesen Prozess hilfreiche Arbeitsanweisungen. Zunächst geht es also darum, den eigenen Forschungsprozess zu beschreiben und zu reflektieren. Was ist besonders aufgefallen, welches Phänomen scheint von besonderer Bedeutung, welche Kategorien lassen sich als die wichtigsten bezeichnen und warum?

Zentrales Anliegen ist es nun, aus den zahlreichen Kategorien eine oder wenige Hauptkategorien zu bilden, das heißt, den Forschungsprozess schrittweise zu theoretisieren. Auch hier soll das Restaurant Beispiel noch einmal bemüht werden. Strauss/Corbin haben eine ganze Reihe von Kategorien aus diesem Beispiel abgeleitet, wobei hier lediglich drei genannt wurden: Beobachtung, Weitergabe von Informationen und Koordination. Der Einfachheit wegen soll aus diesen drei Kategorien eine Hauptkategorie gebildet werden. Obwohl lediglich die Weitergabe von Information als Kategorie durch axiales Kodieren präzisiert wurde, scheint allen drei Kategorien eine Gemeinsamkeit inne zu wohnen, die hinsichtlich der Frage nach der Rolle der Dame im roten Kleid im sozialen Gefüge des Restaurants von besonderer Relevanz ist. In allen drei Kategorien geht es um Status. Sowohl in der Beobachtung der Küchentätigkeit, als auch in der Weitergabe von Informationen sowie der Koordination von Arbeitsabläufen wird Status als ein Strukturmerkmal sozialer Beziehungen ausgehandelt. Status ist folglich ein zentrales Merkmal, um die Rolle der Dame im roten Kleid im sozialen Kontext des Restaurants zu verstehen.

An dieser Stelle mag man einwenden, dass dies auch hätte vorher gesagt oder festgelegt werden können. Die Methode der Grounded Theory zeigt jedoch, wie diese Kategorie aus der Beobachtung heraus durch die Kodierung gewonnen werden konnte. Somit wird eine nachvollziehbare und transparente Erklärung geliefert, weshalb Status eine zentrale Kategorie ist, um nicht nur die Rolle der Dame im roten Kleid, sondern möglicherweise auch eines jeden anderen Akteures innerhalb eines sozialen Gefüges zu verstehen.

 
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