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7 Resümee

Mit der Enttarnung des rechtsterroristischen NSU und der gesellschaftspolitischen, öffentlichen und juristischen Aufarbeitung der Faktoren, die zu der über ein Jahrzehnt hinweg nicht erkannten rechtsextremen Mordund Raubserie geführt haben, hat die Debatte um rechte Gewalt und die Rolle der Ermittlungsbehörden an Fahrt gewonnen. Parlamentarische Untersuchungsgremien im Bund und in mehreren Bundesländern haben ausführliche Dokumentationen, Problembeschreibungen und Empfehlungen für Reformen des Sicherheitsapparates vorgelegt – mit dem Ziel, die Effektivität der Verfassungsschutzämter und der Polizei zu verbessern und somit die Kontrollfähigkeit über Täter und Täterinnen zu erhöhen. Während in anderen westlichen Staaten unabhängige Kommissionen, Medien, Zivilgesellschaft und Wissenschaft die Debatte über polizeilichen Rassismus zu den Ursachen führen, werden hierzulande die strukturellen und inneren Gründe polizeilichen Fehlverhaltens noch immer in erschreckendem Maße bagatellisiert, ignoriert oder als „Einzelfälle“ abgetan. Die Perspektive der davon betroffenen Personen und Gruppen nimmt – trotz der aufrüttelnden Erfahrungsberichte und Erkenntnisse im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur NSU-Mordserie – keine zentrale Rolle ein. Die nun vorliegende Studie leistet Pionierarbeit in der Darstellung davon, wie sich Betroffene rechter Gewalt fühlen und welche Erfahrungen sie mit der Polizei machen. Auf den vorherigen Seiten ist eines evident geworden: Negative Erfahrungen derjenigen, die als Opfer rechter Gewalt Hilfe suchen, sind keine Einzelfälle.

8 Ausblick für die Forschung

Die vorliegende Pilotstudie zeigt die Potenziale für die Erforschung der Erfahrungen der von Diskriminierung und Gewalt Betroffenen, indem sie denen, die häufig nicht gehört werden, durch empirische Forschung eine Stimme gibt. Künftige Forschungen sollten auf die Dynamiken der Viktimisierung fokussieren sowie die Genese von Ungleichwertigkeitsvorstellungen aufhellen. So könnten bisher kaum genutzte Werkzeuge und Zugänge für die Präventionsund Interventionspraxis (weiter-)entwickelt werden. Für die Forschung sind interessante Befunde über das Mitund Gegeneinander sozialer Gruppen in der Gesellschaft zu erwarten. Tiefer gehende Untersuchungen müssten größere, überregionale Stichproben von durch rechte Gewalt betroffenen Personen erheben. Dazu ist eine enge Zusammenarbeit mit den Opferberatungen und (migrantischen) Selbstorganisationen nötig. Zu berücksichtigen sind dabei auch die besonderen Herausforderungen bei der Befragung von nicht deutschsprachigen Menschen und die daraus folgende Notwendigkeit, kohärente Messinstrumente in unterschiedlichen Sprachen zu entwickeln.

 
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