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Medienkonvergente Interaktionen – Jugendliche im medialen Netz

1. Einführung

Eine Frage, die sich in der jüngsten Zeit immer wieder stellt, ist die, ob wir vor einem erneuten Paradigmenwechsel der Mediennutzung vor dem Hintergrund sich wandelnder medialer Systeme und Technologien stehen. Dies bedeutet, Mediennutzung aus einer veränderten Perspektive zu betrachten und eine kritische Sichtweise auf die aktive Mediennutzerin bzw. den aktiven Mediennutzer zu werfen. Doch ist hiermit nicht die Zuwendung zu behavioristischen Ansätzen gemeint, sondern eher die Frage danach, inwiefern der Medienumgang der heutigen Nutzerschaft als aktiv, produzierend, konsumierend oder einfach unterhaltend zu betrachten ist. In dieser Hinsicht wird häufig gefragt, ob die Verhaltensweisen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als reflektiert, kritisch und (medien-) mündig zu begreifen sind. Doch was heißt das für den Mediengebrauch und die Nutzerschaft selbst? Wie lassen sich die Umgangsweisen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen charakterisieren, wenn ihr konkreter Umgang mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Medienangebot sowie ihre Verhaltensweisen und Postulate ernst genommen werden?

Mit den folgenden Ausführungen möchte ich eine Perspektive auf die Mediennutzenden eröffnen, die eine Bandbreite differenzierter medienkonvergenter Gebrauchsweisen aufzeigt. Dies offenbart einen aktiven, reflektierten Umgang mit Medien, dem jedoch zugleich eine Konsumhaltung und Berieselung immanent sein kann. Denn, dieses Zusammenkommen verschiedener Verwendungsweisen findet seinen Ausdruck in der medienkonvergenten Interaktion.

2. Medien – Nutzung – Konvergenz

Insbesondere vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse und den damit einhergehenden technologischen Entwicklungen sowie des Medienwandels stellen sich Fragen nach der Form des konkreten Umgangs mit Medien und nach Auswirkungen auf den Lebensalltag der Mediennutzenden. Vor allem die jüngere Mediennutzerschaft zeigt immer wieder ein reges Interesse an technischen Innovationen, wie beispielsweise der verbreitete Besitz von Handys (vgl. Feierabend/Kutteroff 2007) und von immer wieder neuen Musikabspiel- und Musikspeichermedien beweist. Solche steten Neuerungen technischer Möglichkeiten und die damit verbundenen Auswirkungen auf die medialen Umgebungen evozieren auch Veränderungen im Umgang und in der Alltagspraxis mit Medien. Vielfältige Kombinationen und Nutzungsformen werden denk- und durchführbar, wobei die alten, klassischen Medien davon genauso betroffen sind wie die so genannten Neuen Medien. Zudem verwischen hinsichtlich der Nutzung die Grenzen ehemals getrennter Medien(-bereiche)[1]. Dies führt nach Uwe Hasebrink zu einer "Entkopplung von technischen Geräten und kommunikativen Anwendungen" (Hasebrink 2004: 67).

Bewegt man sich im Feld "Jugendkultur" und widmet sich den Interessen Jugendlicher und junger Erwachsener, zeigt sich, dass Musik und Medien eine große Rolle spielen. Dies offenbart sich in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Gerade der Besitz von Handys lässt auf technischer Ebene eine Vielzahl von Möglichkeiten zu, zu denen neben dem Telefonieren und SMS-Schreiben ebenso das Radio(musik)hören, MP3-Files-Hören wie auch der Einsatz als Kurzfilm- und Fotokamera sowie als Spielekonsole gehört. Zudem ist Musik auch nicht zwingend ortsgebunden (wie die beschriebenen Handyfunktionen zeigen oder auch der iPod und andere tragbare Player), sondern kann unterwegs, an unterschiedlichen Orten bspw. über Internet und über verschiedene Hardware (Computer, CD-Player, Fernseher bei Musiksendungen/-sendern etc.) empfangen, gespielt und gehört werden.

Dass Musik und Bands eine wesentliche Bedeutung im Leben Jugendlicher und junger Erwachsener einnehmen, ist durch zahlreiche Studien belegt worden. Im anglo-amerikanischen Raum führte beispielsweise Simon Frith zur Rezeption von Musik, aber auch konkret zu Musikfernsehen und Videos Studien durch (siehe u.a. Frith 1988, 1988a). Im deutschsprachigen Raum ist es u.a. Bettina Fritzsche (2003), die eine Studie zum Thema Popfans vorlegte und am Beispiel von weiblichen Fans die Bedeutung von Teeniestars rekonstruierte. Wie bereits angesprochen spielen im Verbund mit Musik ebenso Medien eine herausragende Rolle, die dabei verschiedene Funktionen erfüllen und Möglichkeiten bereitstellen. Auch dies ist bereits in vielfältiger Weise untersucht worden, u.a. von Waldemar Vogelgesang (1994), der das Internet als jugendkulturellen Erlebnisraum beschreibt, oder Ute Bechdolf (1999), die eine umfangreiche Studie zur Rezeption Jugendlicher von Musikvideoclips durchführte und dabei Gendereffekte in den Blickpunkt rückte. So ist auch das Internet ein Medium, das für Jugendliche und junge Erwachsene von besonderem Interesse ist. Denn mittels seiner vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten wie E-Mail, Chat, Foren etc. stellt es verschiedene Dimensionen der Partizipation und Einflussnahme zur Verfügung, wie dies bereits Winfried Marotzki in Bezug auf den Bildungswert des Internets dargestellt hat (siehe Marotzki 2000; Marotzki/Nohl 2004). Somit können Musik und (digitale) Medien als bedeutender Bestandteil einer Jugend- und Medienkultur begriffen werden, über die auch Jugendkulturen ihren Ausdruck finden können (u.a. Richard 2000; Tully 2000; Vogelgesang 2000).

In diesem Zusammenhang nehmen jedoch ebenso Bands und Künstlerinnen sowie Künstler eine wichtige Funktion im Leben Jugendlicher ein. Dies arbeiten auch einige der oben angesprochenen Studien heraus. An Stars oder Celebritys arbeiten sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab, orientieren sich an ihnen, zollen ihnen Anerkennung oder lehnen sie ab und holen immer wieder die unterschiedlichsten Informationen über sie mittels der ihnen zur Verfügung stehenden Medien ein. Medien berichten über Celebritys und sorgen für eine (stete) Präsenz dieser Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit, sei es zu ihrem künstlerischen Schaffen, zu humanitären, ökologischen, sozialen etc. Engagements oder auch zu sonstigen Auftritten und Erscheinen. Jugendliche und junge Erwachsene nutzen das vielfältige mediale Angebot, um sich ihren Interessen, Themen und Vorlieben entsprechend Informationen zu suchen, in Austausch mit anderen zu treten oder selbst Materialien bereitstellen. Das bedeutet, sie konvergieren die ihnen zur Verfügung stehenden Medien im Hinblick auf präsentierte Inhalte und Möglichkeiten der Anwendung. Denn das Fernsehen bietet andere Funktionen als das Internet oder das Buch. Somit können sie sich bspw. im Fernsehen ein Feature zu einer Künstlerin ansehen, tiefer gehende Informationen erhalten sie in einer Biografie in Buchform und Informationen zu Konzerten, Platten etc. im Internet. Über Letzteres können sie sich auch mit anderen Fans austauschen. Zudem ist das Internet eine Plattform, auf der sie in Angeboten wie YouTube u.ä. eigene Zusammenschnitte zu diesen Künstlerinnen einstellen oder Material von anderen Fans ansehen können. Dies deutet darauf hin, dass die Medien ihren unterschiedlichen Funktionen und Bereitstellungen entsprechend konvergiert und die Inhalte bzw. das gewünschte Thema gemäß den Möglichkeiten auf der Suche nach Information, Kommunikation und Partizipation stets erweitert (vgl. Schuegraf 2006) und angereichert werden.

  • [1] Dies zeigt sich z.B. auch in der Beschreibung, die Nutzende von ihrem Umgang mit Medien geben. Hierzu lässt sich sehr anschaulich das Musikfernsehen anführen, wenn Videoclips als eine Konvergenz bzw. Verschmelzung aus musikalischem (auditivem) und Bilder-Angebot (visuellem) betrachtet werden. Denn die Rezeptionstätigkeit von Musikfernsehen wird von den Interviewten aus meiner Untersuchung zu "Medienkonvergenz und Subjektbildung" (2008) auf der Ebene der Sinneswahrnehmung unterschiedlich beschrieben: Die einen reden davon, dass sie Musikfernsehen hören, die anderen sehen Musikfernsehen oder es wechselt gar die Wahrnehmung im selben Interview.
 
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