< Zurück   INHALT   Weiter >

II.4.7.2 Risikoberichterstattung über Finanzrisiken nach § 289 Abs. 2 Nr. 2 a und b HGB

§ 289 Abs. 2 Nr. 2 a und b HGB schreiben vor, dass in Bezug auf die Verwendung von Finanzinstrumenten auf Risikomanagementziele und -methoden sowie die Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken sowie die Risiken aus Zahlungsstromschwankungen einzugehen ist, sofern dies für die Beurteilung der Lage oder der voraussichtlichen Entwicklung von Belang ist. Die Vorschriften gehen zurück auf die durch das BilReG umgesetzte Fair-Value-Richtlinie, bei deren Verabschiedung in den EU-Vorschriften zur Lageberichterstattung noch keine Verpflichtung zur Risikoberichterstattung vorgesehen war. Die Berichtspflichten nach § 289 Abs. 2 Nr. 2 HGB stehen in engen Zusammenhang mit bestimmten Anhangangaben.

Finanzinstrumente sind für die Risikosituation des Unternehmens von großer Bedeutung, da sie sich entweder risikominimierend auswirken können, wenn sie zur Absicherung von Risiken aus bestimmten Grundgeschäften eingesetzt werden, oder aber auch eine Risikoerhöhung beim Kauf von Anlage-, Handelsoder Spekulationszwecken darstellen können.

Grundsätzlich ergeben sich aus der Einführung der Vorschriften des § 289 Abs. 2 Nr. 2a und b HGB keine neuen Berichtspflichten, da eine Lageberichterstattung ohne Angaben zu den wesentlichen Chancen und Risiken in Bezug auf Finanzinstrumente als unvollständig gelten würde.

Der Begriff „Finanzinstrument“ ist weder im HGB noch in der EU-Richtlinie definiert. In der Regierungsbegründung zum BilReG wird dazu ausgeführt, dass

der Begriff Finanzinstrument ähnlich wie im Kreditwesengesetz und in den International Accounting Standards als Oberbegriff verwendet wird und hierunter insbesondere alle Arten von Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten, Devisen, Rechnungseinheiten und Derivaten erfasst werden. Böcking sieht es daher als sachgerecht an, für die Berichterstattung im Lagebericht (und Anhang) auf die Definitionen gemäß IFRS abzustellen.

Als berichtspflichtig gelten nach Ellrott alle Finanzinstrumente, d.h. nicht nur Finanzanlagen, Wertpapiere, Derivate und Darlehensverbindlichkeiten, sondern auch Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, sofern sie von dem Unternehmen verwendet wurden, unabhängig von deren Bilanzierung, sowie schwebende Geschäfte.

Das Kriterium der Wesentlichkeit richtet sich hierbei auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage oder auf die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens.

Unter die Berichterstattung zu den Zielen des Risikomanagements fallen insbesondere die Grundeinstellung der Geschäftsführung zu Risiken (Risikoneigung) beim Einsatz von Finanzinstrumenten und dabei das Ziel der vollständigen Erfassung der Risiken oder die Bestimmung von Wesentlichkeitsgrenzen, um die angestrebte Risikoposition zu verdeutlichen. Bei den Methoden des Risikomanagements ist über das Vorgehen zur aktiven Beeinflussung der mit den Finanzinstrumenten verbundenen Risiken und über die Risikosteuerungsmaßnahmen einzugehen, worunter Angaben zum Verzicht auf risikobehaftete Finanzinstrumente, zur Vermeidung unangemessener Risikokonzentrationen, zur Überwälzung von Risiken auf Dritte und zu verbleibenden Restrisiken fallen. Nach § 289 Abs. 2 Nr.2 a HGB gehören zu den Risikomanagementmethoden die Methoden zur Absicherung aller wichtigen Arten von Transaktionen, die im Rahmen der Bilanzierung von Sicherungsgeschäften erfasst werden. Hierbei handelt es sich insbesondere um Hedge-Geschäfte in ihren verschiedenen Ausprägungen.

DRS 15 regelt die Vorschriften über die Risikoberichterstattung in Bezug auf die Verwendung von Finanzinstrumenten in Tz. 93-99. Nach DRS 15.94 sind Angaben über die aus der Verwendung von Finanzinstrumenten resultierenden Risiken jeweils nach Art und Ausmaß erforderlich, wobei sich diese Angabepflicht nur auf offene Risikopositionen erstreckt. Der Umfang und Detaillierungsgrad der Ausführungen zu Markt-, Ausfall und Liquiditätsrisiken richtet sich dabei nach dem Ausmaß der mit den Finanzinstrumenten verbundenen Risiken je nach Kategorie der risikoverursachenden Geschäfte oder der Bedeu-

tung der risikobehafteten Finanzinstrumente jeweils in Bezug auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage des Unternehmens.

Nach DRS 15.98 können die Angaben in den Tz. 93-97 im Konzernlagebericht unterbleiben, wenn diese Informationen bereits im Konzernanhang dargestellt wurden. In diesen Fällen ist ein Verweis auf die entsprechende Anhangangabe erforderlich.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >