Empfehlungen des DSR

Neben den Pflichtvorschriften sind in den DRS regelmäßig Empfehlungen aufgeführt. So ist in DRS 15 von Tz. 144-180 ein Empfehlungsteil enthalten, der auf die Regelungen einzelner Berichtsbestandteile Bezug nimmt. Da diese Vorgaben als Empfehlungen deklariert sind, ist hierbei im Vergleich zu den vorhergehenden Regelungen von einem geringeren Verpflichtungsgrad auszugehen, wodurch sie somit auch nicht den rechtlichen Charakter von Grundsätzen ordnungsmäßiger Konzernlageberichterstattung annehmen. Allerdings sind im Empfehlungsteil viele Berichtsinhalte enthalten, die besonders von kapitalmarktorientierten Unternehmen erwartet werden, wie z.B. zu immateriellen Werten oder Kennzahlen, die jedoch aus Sicht mittelständischer Unternehmen nicht erforderlich sind.

Eine Erklärung zu Pflichtangaben ist bei den meisten Empfehlungen unterblieben, um die konzernspezifischen Sachverhalte sowie die Größe und Komplexität des Konzerns bei der Berichterstattung berücksichtigen zu können.

Freiwillige Informationen

Da die in § 289 HGB aufgeführten Berichtspflichten nur die Untergrenze des Berichtsumfangs darstellen, sind über die Mindestberichterstattung hinausgehende freiwillige Angaben zulässig. So kann es über die notwendigen Berichtsinhalte hinaus auch Informationen geben, „die zur Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes zwar nicht notwendig, aber förderlich erscheinen.“ In Einzelfällen können diese Informationen sogar unabdingbar sein, „um das wirtschaftliche Gesamtbild nicht zu verzerren.“ Da diese Angaben nicht im Lagebericht enthalten sein müssen, ergibt sich ein

„erheblicher Gestaltungsspielraum bei der Abfassung des Lageberichts.“

Der Lagebericht eignet sich trotz des vorhandenen gesetzlichen Rahmens auch als Investor-Relations-Instrument, da die gesetzlichen Vorschriften eine große Bandbreite für die vorteilhafte Unternehmensdarstellung im Sinne einer positiven Finanzmarktkommunikation eröffnen. So erstellen kapitalmarktorientierte Unternehmen oft sehr umfangreiche Konzernlageberichte, die als informationspolitische Instrumente dienen sollen, die sich zur Durchsetzung oder zumindest zur Förderung der eigenen Interessen eignen. Mit den Mitteln der Investor-Relations soll die Lücke zwischen der Realität der Buchführung und der positiveren Marktwahrnehmung des Unternehmens nachvollziehbar gemacht und erhalten werden.

Die Aufnahme der über den Mindestumfang hinausgehenden Informationen ist vor allem davon abhängig, „welche Entscheidungen die Unternehmensleitung bei den Empfängern des Lageberichts initiieren möchte.“ So werden bspw. bei einem beabsichtigten Börsengang vor allem Informationen über die Ertragslage anzugeben sein, um die Erwartung einer zumindest marktüblichen Rendite der Aktionäre zu vermitteln und Anreize zum Kauf der Aktie zu schaffen. In Zeiten, in denen hingegen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens gefährdet ist, sind dagegen Informationen zur Finanz- und Vermögenslage von Bedeutung, um ein positives Bild von der Kreditwürdigkeit zu vermitteln (bspw. über vorhandene stille Reserven, Finanzkraft eines Mutterunternehmens).Die Grenzen der freiwilligen Berichterstattung liegen darin, wenn die Klarheit des Lageberichts beeinträchtigt wird und durch eine auf Werbung ausgerichtete Aufmachung des Lageberichts dessen Kernaussage verändert, verzerrt oder gar verfälscht wird. So ist Schönfärberei durch Ausschmückung des Lageberichts mit direkten oder indirekten Werbebotschaften, wodurch die Verhältnisse der Gesellschaft nicht richtig wiedergegeben werden, nicht zulässig.1050

Vielmehr sollen die freiwilligen Angaben im Lagebericht dazu dienen, Informationsasymmetrien bezüglich der wirtschaftlichen Lage oder der voraussichtlichen Entwicklung zwischen Unternehmensleitung und Lageberichtsadressaten zu reduzieren.

 
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