Lageberichtsstudien von 1998 bis 2004

Darstellung der Lageberichtsstudien von 1998 bis 2004

Nach Inkrafttreten des KonTraG ergibt sich die Frage, inwiefern die Risikoberichterstattung von den berichteten Unternehmen umgesetzt wird. Hierbei lassen sich die Studien zunächst nach der Fragestellung unterscheiden, wie die Risikoberichterstattung im Geschäftsjahr 1999 umgesetzt wird (vor Veröffentlichung des DRS 5) und anschließend, inwiefern die Veröffentlichung des DRS 5 auf die Berichterstattung auswirkt.

Das Untersuchungsziel der Studie von Kajüter besteht darin, die Risikoberichterstattung der DAX100 Unternehmen nach Einführung des KonTraG zu analysieren und daraus Konsequenzen für die Ausgestaltung des DRS 5 abzuleiten. Der Beurteilungsmaßstab (Kategoriensystem) basiert auf den GoL, der IDW-Stellungnahme, dem Wortlaut und der Zielsetzung des KonTraG und dem einschlägigen Schrifttum. Der Untersuchungsumfang bezieht sich auf die Geschäftsberichte der 30 DAX und 70 MDAX Unternehmen für die Geschäftsjahre 1999 bzw. 1999/2000.

Kajüter stellt in seiner Untersuchung eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit fest und sieht die mit der Gesetzesänderung angestrebte Aufwertung des Lageberichts als (bislang) nicht gelungen an. Vielmehr wird nach Ansicht des Autors dem Lagebericht nach wie vor nur der Stellenwert eines relativ unwichtigen Anhängsels des Jahresabschlusses beigemessen.

Dies zeigt sich zum einen anhand der Analyse der formalen Anforderungen sowie anhand der zum Teil erheblichen Unterschiede im Gesamtumfang der Risikoberichterstattung, die sich nach Kajüter nicht auf eine Abhängigkeit von der Unternehmensgröße oder Branche zurückführen lassen, sondern vielmehr Ausdruck des Stellenwerts sei, den die Gesellschaften diesem Teilbericht beimessen.

Hinsichtlich der inhaltlichen Anforderungen stellt Kajüter fest, dass sich trotz deren Berichtspflicht in keinem der Lageberichte Hinweise zu bestandsgefährdenden Risiken finden lassen und dies nur bei 29 % durch eine Fehlanzeige gekennzeichnet ist. Der Begriff der „wesentlichen“ Risiken wird von den Unternehmen sehr unterschiedlich ausgelegt, sodass sich auch innerhalb einer Branche mit wohl weitgehend identischem Umfeld und ähnlicher Geschäftsprozesse entgegen der Annahme keine Vergleichbarkeit hinsichtlich der Berichterstattung

über externe und (mit Einschränkungen) interne Risiken feststellen lässt.

Ferner lässt sich eine Unausgewogenheit bei der Berichterstattung über externe und interne Risiken feststellen, bei der die externen Risiken überwiegen. Kajüter führt dies auf die Tendenz zurück, dass eher eine Neigung besteht, über vom Unternehmen nicht oder nur bedingt beeinflussbare Risiken zu berichten, die zudem für die gesamte Branche zutreffen und unternehmensspezifische, interne Risiken von den Unternehmen weniger gerne veröffentlicht werden, weil damit möglicherweise eigene Schwächen verbunden werden könnten. Daneben wird die Anforderung, berichtspflichtige Risiken nicht nur zu benennen, sondern auch deren Auswirkungen in Verbindung mit geplanten/eingeleiteten Maßnahmen zu beschreiben, nur unzureichend erfüllt. Ebenso werden nur in wenigen Einzelfällen verbale Ausführungen um quantitative An-

gaben ergänzt sowie weitgehend auf konkrete Angaben zur Eintrittswahrscheinlichkeit verzichtet.

Insgesamt bescheinigt Kajüter den Risikoberichten nur einen geringen Informationsgehalt. So lässt sich feststellen, dass zwar grundsätzlich über Risiken und häufig über das Risikomanagement berichtet wird, die Aussagen allerdings überwiegend derart vage sind, „dass erhebliche Zweifel bestehen, ob mit ihnen tatsächlich entscheidungsrelevante Informationen vermittelt werden.“

Die Berichterstattung bei Anwendung DRS 5 untersuchen die Studien von Küting/Heiden, Kajüter/Winkler aus dem Jahr 2003, Kajüter/Winkler aus dem Jahr 2004, Gleißner/Berger/Rinne/Schmidt.

Anknüpfend an die Studie von Kajüter untersuchen Kajüter/Winkler die Risikoberichterstattung der in den Geschäftsberichten der DAX100 Unternehmen Lageberichte und Bestätigungsvermerke (mit Ausnahme von Banken und Versicherungen) im Zeitvergleich von 1999-2001. Die Untersuchung basiert auf einem strukturierten Erhebungsraster, das sich an den Anforderungen des DRS 5 orientiert und von den Autoren um einige Aspekte erweitert wurde. Im Ergebnis stellen Kajüter/Winkler eine allgemeine Verbesserung der Risikoberichte fest.

Hinsichtlich der formalen Gestaltung führten in 2001 alle Unternehmen die Risikoberichterstattung in einem separaten Abschnitt, für dessen Bezeichnung sich der Begriff „Risikobericht“ weiter verbreitet, allerdings noch nicht als Standard durchgesetzt hat. Die Autoren kritisieren das beobachtete Vorgehen einzelner

Unternehmen, im Risikobericht auf Ausführungen des freien Teils des Geschäftsberichts zu verweisen, die sich somit der Prüfungspflicht entziehen. Der Umfang der Berichterstattung über die Risiken hat sich von 1999 bis 2001 mehr als verdoppelt.

Hinsichtlich der inhaltlichen Anforderungen beurteilen die Autoren die Ausführungen in vielen Fällen als „nach wie vor recht allgemein.“ Insbesondere die Berichterstattung über mögliche Auswirkungen und die Bedeutung der Risiken ist den Autoren zufolge unzureichend, wodurch Kajüter/Winkler Zweifel darin sehen, ob das in DRS 5 formulierte Ziel der Vermittlung entscheidungsrelevanter und verlässlicher Informationen zur Beurteilung der Risikolage bisher erreicht wurde. Im Ergebnis stellten Kajüter/Winkler vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Studie fest, dass sich der Ansatz des DSR bewährt hat und sprechen dem DRS 5 einen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der Risi-

koberichte zu, da durch diesen die durch das KonTraG eingeführte Berichtspflicht inhaltlich und formal konkretisiert wurde. Allerdings sehen die Autoren in den Studienergebnissen zur Umsetzung des DRS 5 auch eine Bestätigung hinsichtlich der unterschiedlichen Ermessensspielräume im Zusammenhang mit der Anwendung der Regeln. So bieten diese Freiräume zwar die Chance der Herausbildung einer Best-Practice, allerdings besteht auch die Gefahr, dass daraus wenig aussagekräftige Risikoberichte resultieren.

Untersuchungsziel der Studie von Gleißner/Berger/Rinne/Schmidt ist die Darstellung des Stands der Risikoberichterstattung, das Aufzeigen von Veränderungen im Zeitablauf und die zeitpunktbezogene bzw. einen längeren Zeitraum umfassende Analyse der Risikosituation der Unternehmen auf Grundlage der berichteten Risiken. Dabei soll gezeigt werden, welche Risiken in der Berichterstattung dominieren und der Stand der Risikomanagementsysteme herausgestellt werden. Hierzu wurden die Risikoberichterstattung in den Geschäftsberichten DAX100 ausgehend vom Jahr 2001 bis zum Jahr 2004 mit Ausnahme von Banken und Versicherungen untersucht. Die Untersuchung basiert auf Anforderungen des KonTraG, der Präzisierung im entsprechenden Prüfungsstandard des IDW (IDW PS 340) sowie den Regelungen des DRS 5. Hinsichtlich des methodischen Vorgehens wurde in einem ersten Schritt zunächst die Darstellung der Risikosituation anhand von fünf Kriterien aus DRS 5 allgemein analysiert und bewertet. Im zweiten Schritt erfolgte die Analyse und

Bewertung des Risikomanagementsystems anhand von fünf Kategorien aus DRS 5. In einem dritten Schritt wurden die Aussagen zu den Risiken sechs Risikokategorien bzw. den dazugehörigen Risikofeldern zugeordnet und mit einer Relevanzskala (mit 5 Relevanzen: Unbedeutendes, mittleres, bedeutendes, schwerwiegendes und bestandsgefährdendes Risiko) bewertet.

Für die Geschäftsberichte der Jahre 2003 bzw. 2003/04 ergeben sich hinsichtlich der Risikosituation nachfolgende Ergebnisse: Eine einheitliche Bezeichnung des Risikoberichts fehlt, zudem unterscheidet sich der Berichtsumfang der einzelnen Unternehmen deutlich voneinander. 78 % der Unternehmen nahmen eine umfangreiche und detaillierte Risikobeschreibung vor und Bewältigungs-

maßnahmen wurden ausführlich dargelegt. Defizite ergaben sich allerdings hinsichtlich der Risikoquantifizierung und der Gesamtrisikoposition. Hinsichtlich der Analyse des Risikomanagementsystems ergeben sich Defizite dahingehend, dass insbesondere Angaben zur Analyse und Bewertung von Risiken sowie einer evtl. vorhandenen Risikoaggregation weitgehend fehlen. Die Angaben zur Risikopolitik, Ablauf- und Aufbauorganisation sowie zur Dokumentation und Steuerung der Risiken wird von den Autoren als ausreichend beurteilt. Im dritten Teil der Untersuchung (Analyse der Unternehmensrisiken) stellen die Autoren fest, dass sich vor allem Risiken im Finanzbereich (34,5 % der Nennungen) und Markt (24,9 % der Nennungen) häufen. Hinsichtlich der Relevanz überwiegen mit 89,1 % die bedeutenden Risiken, mittlere und schwerwiegende Risiken wurden mit jeweils 5,8 % bzw. 4,7 % etwa gleichhäu-

fig genannt, während nur 2 Unternehmen (0,4 %) bestandsgefährdende Risiken angaben.

Hinsichtlich der Analyse des Informationsgehalts ergeben sich bei einem Vergleich der Jahre 2000 und 2003 deutliche Unterschiede. Auch wenn weiterhin deutliches Verbesserungspotential besteht, kann die Risikosituation des Unternehmens von den Berichtsadressaten im Jahr 2003 besser eingeschätzt werden als im Jahre 2000.

Im Ergebnis bescheinigen Gleißner/Berger/Rinne/Schmidt einigen Unternehmen eine vorbildliche Risikoberichterstattung, wobei die Autoren allerdings zwischen den Unternehmen große Unterschiede in der Risikoberichterstattung feststellen. Trotz dieser Unterschiede stellen die Autoren dennoch Defizite fest, die sich bei fast allen Unternehmen finden lassen: Dies betrifft die Risikoaggregation und die damit verbundene Gesamtrisikoposition sowie die Darstellung der Analyse und Bewertung von Risiken. Hierbei ist den Autoren zufolge allerdings ein Urteil dahingehend schwierig, ob diese Angaben bewusst unterlassen wurden oder die Berichte die tatsächliche Situation widerspiegeln.

Die Untersuchung von Küting/Heiden fokussiert die Entwicklung der Informationsqualität von Branchenangaben und Prognosebericht sowie die Auswirkungen des KonTraG und DRS 5 auf die Risikoberichterstattung. Hierzu untersuchen die Autoren die Lageberichte der Unternehmen des DAX, MDAX, NEMAX und SMAX der Geschäftsjahre 2000 und 2001. Zur Bewertung der Branchenangaben wird ein Punktebewertungsverfahren zugrundegelegt, mit der die Berichterstattungsqualität in Abstufungen unterteilt wird. Die Autoren stellen hierbei unverändert tendenziell oberflächliche Angaben fest, bei vielen Unternehmen sind der Detaillierungsgrad und die Quantifizierung der verbalen Angaben verbesserungswürdig. Die Unternehmen des DAX und des MDAX schneiden befriedigend ab, während die NEMAX- und SMAXUnternehmen unterdurchschnittliche Werte aufweisen. Die Untersuchung der Risikoberichterstattung erfolgte anhand eines theoretischen Anforderungsprofils, das auf den Anforderungen des DRS 5 und der theoretischen und empirischen Literatur zur Vermittlung risikorelevanter Informationen basiert. Die Autoren bescheinigen dem DRS 5, erste Impulse gesetzt zu haben und zur Verbesserung der Risikoberichterstattung beigetragen zu haben. Dennoch regen Küting/Heiden eine strengere Durchsetzung des DRS 5 sowie die unternehmensseitige Ausweitung der quantitativen Angaben an. Die Prognoseberichterstattung ist den Autoren zufolge geprägt von qualitativen Aussagen und weniger von verwertbaren quantitativen Intervalloder Punktaussagen, sodass die Autoren einen höheren Konkretisierungsgrad der Aussagen anregen.

In einer weiteren Studie aus dem Jahre 2004 untersuchen Kajüter/Winkler, inwieweit die Zielsetzung, den Lageberichtsadressaten entscheidungsrelevante und verlässliche Informationen zu vermitteln, bei der erstmaligen verpflichtenden Anwendung von DRS 5 erreicht wurde. Hierzu werden die Risikoberichte des Jahres 2001 aus einer Grundgesamtheit der DAX 100 Unternehmen anhand eines strukturierten Erhebungsrasters analysiert, das sich an den Anforderungen des DRS 5 unter Ergänzung einiger Aspekte orientiert. Die Ergebnisse bestätigen die Befunde der Studien aus den vorangegangenen Studien: So lassen sich nach wie vor recht allgemeine Ausführungen sowie vielfach ein Fehlen der Angaben zu möglichen Auswirkungen der Risiken feststellen, wodurch die Autoren die oben genannte Zielsetzung nur eingeschränkt als erreicht ansehen. Ferner lässt sich die Unternehmensgröße als zentrale Determinante für die formale und inhaltliche Ausgestaltung feststellen: So berichten die DAX30-Unternehmen umfassender über Risikolage und Risikomanagementsystem als die kleineren MDAX Unternehmen. Eine Erschwerung der Beurteilung der Risikopublizität sehen die Autoren in dem Umstand, dass die Vollständigkeit aus externer Sicht nicht überprüft werden kann. Dennoch lassen die Befunde den Schluss zu, dass die vorhandenen Ermessensspielräume von einigen Unternehmen zu einer oberflächlichen und vermutlich lückenhaften Risikoberichterstattung ausgenutzt werden. Dennoch stellen die Autoren im Ergebnis eine verbesserte Risikoberichterstattung im Vergleich zur erstmaligen Umsetzung im Jahr 1999 fest, wobei sie hierbei den Konkretisierungen des DRS 5 einen maßgeblichen Einfluss zubilligen.

Neben den genannten deskriptiven Studien existieren zwei erklärende Studien (Fischer/Vielmeier sowie Lück/Bungartz) zur Risikoberichterstattung nach Einführung des KonTraG, die sich hinsichtlich des Erklärungsansatzes dahingehend unterscheiden, dass dieser einerseits unter Verwendung eines theoretischen Bezugsrahmens und andererseits empirisch erfolgt.

Das Ziel der Studie von Fischer/Vielmeier besteht in der Untersuchung des Entwicklungsstands der risikoorientierten Unternehmenspublizität der DAX100Unternehmen für die Geschäftsjahre 1999-2002. Hierbei greifen die Autoren auf einen theoretischen Bezugsrahmen zurück, um die möglichen Risikopublizitätsstrategien der Ersteller nachvollziehen zu können. Die Ausgangsbasis bildet hierbei das unraveling-Prinzip, mit dem in einfacher Form die asymmetrische Informationsverteilung bei der risikoorientierten Unternehmenspublizität zwischen den Kapitalgebern/Adressaten und dem Unternehmen/Ersteller sowie deren darauffolgende Reaktionen analysiert werden kann.

Mit der Analyse von sog. Risk Disclosure Scores (RDScore) untersuchen die Autoren, ob eine unpräzise Ausgestaltung der risikoorientierten Unternehmenspublizität vorliegt. Bei Vorliegen einer entsprechenden unpräzisen Ausgestaltung können daraufhin Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit dieses Instruments seitens der Adressaten gezogen werden. Für die Analyse verwenden die Autoren ein Bewertungsschema, das auf den Regelungen des DRS 5 beruht, um den Umsetzungsstand der risikoorientierten Unternehmenspublizität zu bestimmen. Anhand eines Scoringmodells ermitteln die Autoren den Risk Disclosure Score, der als Indikator für die relative Qualität der risikoorientierten Unternehmenspublizität dient.

Im Ergebnis stellen die Autoren fest, dass der maßgebliche Einflussfaktor für die relative Qualität der risikoorientierten Unternehmenspublizität die Zugehörigkeit zum Börsenindex DAX30 oder MDAX ist. Die Anforderungen des DRS 5 werden nur ansatzweise in den Geschäftsberichten umgesetzt, die Autoren stellen zumeist unpräzise, nicht verifizierbare Informationen fest. Im Rahmen der Zeitreihenanalyse konnte eine statistisch signifikante Erhöhung der RDScores festgestellt werden, woraus die Autoren schließen, dass sich der Stand der Umsetzung der risikoorientierten Unternehmenspublizität in den Jahren 19992000 verbessert hat.

Während Fischer/Vielmeier in ihrer Untersuchung von der Annahme ausgehen, dass das Unternehmen einen besseren Informationsstand über die Risikosituation hat, wird dies in der erklärenden Studie von Lück/Bungartz in Frage gestellt. Der Untersuchung von Lück/Bungartz liegt die Frage zugrunde, ob in Anbetracht der wenig aussagekräftigen Risikoberichte die Vorstände deutscher Aktiengesellschaften nicht ausreichend über die Risiken ihres Unternehmens berichten können oder wollen.

Hierzu werden einerseits die DAX30-Unternehmen, MDAX und NEMAX Unternehmen zwischen Oktober und Dezember 2001 zur Risikokultur und Risikoberichterstattung befragt und andererseits die veröffentlichten Risikoberichte des Jahres 2000 mit einer Checkliste analysiert und bewertet. Die Checkliste basiert auf einem Scoring-Verfahren (Nutzwertanalyse), wofür zunächst die Anforderungen an die Risikoberichterstattung aus gesetzlichen Anforderungen sowie berufsständischen und betriebswirtschaftlichen Empfehlungen abgeleitet werden. Durch die schriftliche Befragung (Fragebogen) werden Informationen zur Risikokultur sowie der internen Risikoberichterstattung und die Einschätzungen der Unternehmen zur eigenen externen Risikoberichterstattung erhoben. Die empirische Untersuchung soll die vorherrschenden Methoden der Berichtspraxis aufzeigen, um sie mit den Anforderungen und Empfehlungen1498 vergleichen zu können. Mit der Gegenüberstellung von Anspruch und Wirklichkeit beurteilen die Autoren, „ob die deutschen Unternehmen mit ihrer Risikoberichterstattung im Geschäftsbericht dem gesetzlichen, dem berufsständischen und/oder dem betriebswirtschaftlichen Anspruch gerecht werden.“ Hinsichtlich der externen Risikoberichterstattung stellen die Autoren fest, dass diese nicht den an sich gestellten Anspruch erfüllt. Dennoch sind den Befragungsergebnissen zufolge 84 % der Unternehmen davon überzeugt, dass eine angemessene Risikoberichterstattung zu einer Erhöhung des Unternehmenswerts (Shareholder Value) beiträgt. Die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen

Risikopublizität und der Selbsteinschätzung der Unternehmen wird allerdings dadurch offensichtlich, dass trotz der festgestellten Mängel 98 % der Unternehmen davon ausgehen, dass sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen bzw. 60 % der Unternehmen waren der Ansicht, darüber hinaus noch die berufsständischen und die betriebswirtschaftlichen Empfehlungen zu erfüllen. Dies ist im deutlichen Widerspruch zu dem mithilfe des Scoring-Verfahrens ermittelten durchschnittlichen Qualitätswert von 40 von maximal 100 erzielbaren Punkten (das beste Unternehmen erreichte den Höchstwert von 75 Punkten).

Hinsichtlich der Risikokultur kommen die Autoren zum Schluss, dass die Unternehmen die Bedeutung der Risikokultur erkannt haben, die Umsetzung allerdings in den Unternehmen nicht konsequent vorangetrieben wird. In Bezug auf interne Risikoberichterstattung ist den Autoren zufolge der unternehmensinterne Prozess der Risikoberichterstattung verbesserungswürdig und sollte qualitativ und quantitativ ausgeweitet werden. Die Ergebnisse lassen den Autoren zufolge den Schluss zu, dass Anspruch und Wirklichkeit der Risikokultur sowie der internen und externen Risikoberichterstattung noch weit auseinanderklaffen und verdeutlichen die Notwendigkeit für die Entwicklung eines umfassenden Risikoberichtssystems.

 
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