Studien nach Einführung des BilReG

Darstellung der Lageberichtsstudien nach Einführung des BilReG

Für den Zeitraum nach Einführung des BilReG existieren die Gesamtanalysen von Schmidt/Wulbrand, Dietsche/Fink und Barenhoff. Vor dem Hintergrund der Bedeutung der Befunde für die Untersuchung im Rahmen dieser Arbeit werden die Ergebnisse, insbesondere im Hinblick auf die Berichterstattung zur Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage, detailliert herausgestellt.

Schmidt/Wulbrand untersuchen, inwieweit die Neuregelungen des BilReG und DRS 15 zur Verbesserung der Berichtsqualität und zur Weiterentwicklung des Lageberichts zu einem entscheidungsrelevanten und wertorientierten Berichtsinstrument beigetragen haben. Hierzu werden die Lageberichte von 28 der 30 DAX Unternehmen der Geschäftsjahre 2003 bzw. 2002/03 und nach den Änderungen durch das BilReG und DRS 15 (Geschäftsjahr 2005 bzw. 2005/06) anhand eines aus DRS 15 und der Literatur entwickelten, strukturierten Erhe-

bungsrasters zur formalen und inhaltlichen Analyse untersucht.

Die Autoren stellen fest, dass das BilReG und DRS 15 zur allgemeinen Verbesserung des Informationsgehalts und der Vergleichbarkeit der Lageberichterstattung beigetragen haben, allerdings nach wie vor noch Verbesserungsbedarf besteht, um dem Investor den seitens des Gesetzgebers beabsichtigten SollIst-Vergleichs zu ermöglichen.

Zum Geschäftsjahr 2005 bzw. 2005/06 wurde von allen Unternehmen eine Ausdehnung des Lageberichtsumfangs vorgenommen. Allerdings weisen die Autoren im Zusammenhang mit dem Anstieg des Berichtsumfangs auf die Gefahr eines Information-Overload hin und empfehlen eine gezielte Offenlegung wertrelevanter, quantifizierter bzw. quantifizierbarer Daten.

Die inhaltliche Analyse ergab, dass die Berichterstattung über die Geschäftstätigkeit und die Rahmenbedingungen nach Veröffentlichung der Konkretisierungen des DRS 15 mehrheitlich von den Unternehmen ausgeweitet worden ist. Die ausgedehnte Berichterstattung über Produkte, Absatzmärkte und relevanter Einflussfaktoren des Geschäfts werten die Autoren vor dem Hintergrund positiv, dass damit die Identifikation der wichtigsten Treibergrößen der künftigen Entwicklung des Konzerns erleichtert wird. Defizite bestehen allerdings hinsichtlich der Berichterstattung über Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten.

In Bezug auf die Ertragslage verzeichnen die Autoren eine Zunahme der Angaben, wobei das Ausmaß dieses Anstiegs gering ausfällt. Positiv werten die Autoren hierbei die differenzierte Betrachtung einzelner Segmente. Ebenso positiv sehen die Autoren die vermehrt um vergangenheitsorientierte Informationen zur Entwicklung und Herkunft der Umsatzerlöse ergänzte Darstellung sowie der Ausweis quantifizierter Sondereinflüsse, um die Ermittlung eines prognosefähigen Ergebnisses zu vereinfachen. Im Rahmen der Berichterstattung zur Finanzlage ist ein deutlicher Anstieg der Unternehmen zu verzeichnen, die Angaben über Grundsätze und Ziele des Finanzmanagements offenlegen. Allerdings bemängeln die Autoren in diesem Zusammenhang die überwiegend allgemeinen, nicht quantifizierbaren Aussagen. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Kapitalstruktur ist besonders herauszustellen, dass nahezu die Gesamtzahl der Unternehmen zur Erläuterung

der Kapitalstruktur auf Relationen aus dem Konzernabschluss zurückgreift, gängige Praxis sind Ausführungen anhand der Eigenkapitalquote und des Verschuldungsgrades. Ferner ist positiv zu werten, dass hinsichtlich der Durchführung einer Investitionsanalyse ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen ist und die Unternehmen mehrheitlich Angaben dazu machen. Im Gegensatz dazu haben sich bei der Erläuterung der Liquiditätssituation trotz konkretisierter Berichtspflichten nur geringe Veränderungen eingestellt. Eine deutliche Zunahme stellen die Autoren bei Angaben zur Einstufung der Kreditwürdigkeit durch Rating-Agenturen fest und zum Einsatz außerbilanzieller Finanzinstrumente.

Hinsichtlich der Vermögenslage erfolgte bei vielen Unternehmen eine Erweiterung der Berichterstattung um eine Vermögensstrukturanalyse und Erläuterung der Abweichungen.

Die empfohlenen Mehrperiodenübersichten zur Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage haben nur 20,8 % (gleichbleibend zu 2003) der Unternehmen umgesetzt. Allerdings enthalten diese (abweichend von DRS 15.27) keine Planwerte, sondern ausschließlich Kennzahlen der Berichtsperiode und der vorhergehenden vier Geschäftsjahre. Eine zusammenfassende Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage durch das Management wurde von 25 % der Unternehmen (2003: 0 %) in die Berichterstattung aufgenommen. Allerdings erfolgt ein zeitraumbezogenes Urteil über die vergangene Geschäftsentwicklung und eine gegenwartsorientierte Gesamtaussage zur wirtschaftlichen Lage des Konzerns lediglich von 20,8 % der Unternehmen.

Trotz einer Aufwertung des Prognoseberichts stellen die Autoren Mängel bei der Vermittlung zukunftsorientierter Informationen fest. So werden konkrete Plan- und Zielwerte für kommende Perioden mehrheitlich nicht angegeben, vielmehr überwiegen komparative Aussagen auf das Vergleichsjahr. Der Prognosezeitraum wird nach wie vor kurz gewählt und beschränkt sich überwiegend auf ein Jahr. Der zeitliche Betrachtungsrahmen wird von den meisten Unternehmen nicht angegeben, sodass eine Bestimmung des Zielerreichungsgrads der Prognosen und eine Beurteilung der Prognosesicherheit erschwert wird. Schmidt/Wulbrand sehen daher den mit dem BilReG angestrebten Soll-Ist-Vergleich als nur bedingt möglich an.

Das Untersuchungsziel der Studie von Dietsche/Fink besteht in der Beurteilung der Qualität der Lageberichte im Sinne der Normenkonformität der HDAX Unternehmen für das Geschäftsjahr 2005 insbesondere im Hinblick auf die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen nach Einführung des BilReG und der Anforderungen des DRS 15. Untersuchungsgrundlage bilden die Pflichtangaben von DRS 15 und DRS 5 (ohne freiwillige Kann-Angaben), deren Regelungsbestandteile in einzelne Anforderungen aufgespalten werden. Das Qualitätsniveau der Lageberichterstattung wird am (gewichteten) Erfüllungsgrad gemessen, mit dem Unternehmen den festgelegten (Qualitäts-)Kriterien für eine kapitalmarktorientierte Berichterstattung erfüllen.

Hinsichtlich des Umfangs stellten die Autoren ein Ungleichgewicht zwischen den für einen Teilbericht verwendeten Seitenzahlen und der Bedeutung der Teilbereiche aus Adressatensicht fest. So weist z.B. der Berichtsteil Geschäft und Rahmenbedingungen eine hohe Seitenzahl auf, während bedeutendere andere Berichtsteile kürzer gehalten werden.

Die Auswertung des Teilberichts Geschäft und Rahmenbedingungen ergab insgesamt einen Erfüllungsgrad von 46,4 %. Hierbei erreichen die Berichterstattung über Forschung und Entwicklung sowie die Darstellung des Konzerns die besten Werte (58,6 % bzw. 55,0 %).

Der Erfüllungsgrad des Berichts über die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage beträgt 49,5 %. Den höchsten Wert erzielte hierbei die Berichterstattung zur Ertragslage, was sich den Autoren zufolge damit begründen lässt, dass hierzu v.a. die von den meisten Gesellschaften vorgenommene Darstellung der wesentlichen Einflüsse des Umsatzes und der Auftragslage beiträgt. Allerdings wird seltener über Gründe für wesentliche Veränderungen der Ertragslage berichtet. Während die Berichterstattung über die Ertragslage bei den DAX und MDAX Unternehmen nur geringe Unterschiede aufweisen, stellen die Autoren einen deutlichen Abfall bei der Berichterstattung der TecDAX Unternehmen fest. Besonders deutlich wird dies bei der Erläuterung der Ergebnisentwicklung,

bei der zwischen den Unternehmen des MDAX und TecDAX ein Unterschied von ca. 30 Punkten besteht. Hinsichtlich der Berichterstattung über die Vermögenslage stellen die Autoren bei den Inflations- und Wechselkurseinflüssen besonders schlechte Ergebnisse fest, während über die Vermögenshöhe und über deren Abweichungen sehr gut berichtet wird. Die Autoren stellen bei der Finanzlage sehr stark schwankende Ergebnisse fest: Während Angaben zu Investitionsvorhaben und die Darstellung der Liquiditätsanalyse durchschnittliche Qualitäten von über 65 % aufweisen, ist die Berichterstattung über die Ziele des Finanzmanagement und Einflüsse von Änderungen der Kreditkonditionen unzureichend. Während die DAX Unternehmen bei der Darstellung des Finanzmanagement trotzdem einen Erfüllungsrad von über 40 % erreichen, unterlassen 17 der 27 der TecDAX Unternehmen diese Angaben, hinsichtlich der Erläuterung möglicher Einflüsse einer Änderung der Kreditkonditionen unterlassen sogar 85 % der TecDAX Unternehmen diese Berichterstattung.

Der Risikobericht weist mit einem Erfüllungsgrad von 68,9 % einen relativ hohen Wert auf. Hierbei stellen die Autoren einen besonders hohen Wert bei den Angaben zum Risikomanagement fest. Auch in diesem Teilbericht liegt die Qualität der DAX Unternehmen vor der der MDAX Unternehmen.

Der Erfüllungsgrad des Prognoseberichts beträgt 57,4 %. Hierzu stellen die Autoren fest, dass verstärkt umfeldbezogene Daten (wie konjunkturelle Entwicklung oder branchenspezifische Trends) aufgeführt werden, während unternehmensspezifische Entwicklungen, wie die der Finanz- und Ertragslage, deutlich dahinter bleiben. Erfreulich werten die Autoren die Darstellung des Prognosecharakters der Angaben, indem die zugrundliegenden Prämissen ausführlich beschrieben werden.

Im Ergebnis weisen die DAX Unternehmen (mit wenigen Ausnahmen) bei allen Teilbereichen die beste Qualität auf, gefolgt von den MDAX und TecDAX Unternehmen. Dies sehen die Autoren darin begründet, dass die DAX Unternehmen über ein gut ausgeprägtes Rechnungswesen verfügen und aufgrund der Unternehmensgröße sowie der personellen und finanziellen Kapazitäten eine qualitativ hochwertige Berichterstattung möglich ist und der damit verbundene Zeit- und Arbeitsaufwand bewältigt werden kann. Mögliche Gründe für die Qualitätsdefizite der TecDAX Unternehmen sehen die Autoren darin, dass in vielen, v.a. jungen Technologieunternehmen noch kein ausgeprägtes Rechnungswesen etabliert ist oder sich im Aufbau befindet und den Anforderungen an eine kapitalmarktorientierte Berichterstattung nicht umfassend entsprochen werden kann. Ferner werden diese Unternehmen aufgrund dynamischer und ungefestigter Strukturen die nötigen Kapazitäten hierfür nicht bereitstellen können. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass dem Lagebericht bei vielen Unternehmen eine bedeutende Stellung im Geschäftsbericht zuteilwird, allerdings in Bezug auf die Qualität und Ausgestaltung der Berichterstattung deutliche Unterschiede zwischen den betrachteten Unternehmen festzustellen sind.

Barenhoff untersucht in seiner Arbeit die Konzernlageberichte von DAXUnternehmen der Jahre 2003 und 2005 dahingehend, inwieweit die Unternehmen bereits vor Einführung des BilReG der geänderten Rechtslage entsprechend berichtet haben und ob die Unternehmen die Vorgaben durch die Gesetzesänderungen für das Jahr 2005 erfüllt haben. Die Bewertung erfolgt durch ein einfaches Scoring-Modell, im Ergebnis wird eine Aussage über die praktische Wirksamkeit der durch das BilReG initiierten gesetzgeberischen Maßnahmen angestrebt.

Für eine Aussage zur Auswirkung des BilReG wurden exemplarisch aus den insbesondere durch die von den Gesetzesänderungen betroffenen Berichtsfeldern „Finanzielle Leistungsindikatoren“, „Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren“, „Prognosebericht (Chancen)“ sowie dem „Risikobericht über Finanzinstrumente“

einzelne Berichtselemente ausgewählt. Als Ergebnis der Untersuchung der finanziellen Leistungsindikatoren stellt Barenhoff fest, „dass sich die untersuchten gesetzgeberischen Maßnahmen im Bereich der finanziellen Leistungsindikatoren lediglich anlässlich der Untersuchung der Kennziffer Verschuldungsquote merklich niedergeschlagen haben.“ Aufgrund der geringen Anzahl an berichtenden Unternehmen sowie der unterschiedlichen Berechnung innerhalb der einzelnen Unternehmen, sieht Barenhoff einen Beleg dafür, dass das Ziel des Gesetzgebers, Transparenz in der Konzernlageberichterstattung zu gewährleisten, nicht erreicht worden ist. Bei den nichtfinanziellen Leistungsindikatoren ist insgesamt eine Erhöhung der Berichtsqualität festzustellen, wobei die Gesetzesvorgaben in Bezug auf Umweltbelange und Patente/Produkteinführungen qualitativ hinnehmbar umgesetzt worden sind, während hinsichtlich der Angaben zur gesellschaftlichen Reputation deutliches Verbesserungspotential besteht. Im Bereich der Prognoseberichterstattung (Chancen) sieht Barenhoff eine deutlich nachvollziehbare Wirkung der gesetzgeberischen Änderungen, ebenso hat sich die Initiative des Gesetzgebers, ausdrücklich Ausführungen zum Liquiditätsrisiko zu verlangen, in der Bewertung niedergeschlagen. Allerdings sieht Barenhoff es in Bezug auf das Liquiditätsrisiko als unbefriedigend an, dass bei einigen Unternehmen eine Reduzierung der Berichterstattung lediglich auf das Vorhandensein oder die Funktion von Risikomanagementsystemen erfolgt.

Als Ergebnis der qualitativen Analyse ergibt sich eine Verbesserung der Berichtsqualität im Hinblick auf die untersuchten Berichtselemente um nahezu 74 %, welches nach Barenhoff in Bezug auf die Frage nach der Wirksamkeit des BilReG zunächst als Erfolg gewertet kann. Allerdings ist die Steigerung der Berichtsqualität vielmehr deshalb als nicht ausreichend zu bezeichnen, da die durchschnittlich erreichten Punkte nicht einmal der Hälfte der zu vergebenden Maximalpunktzahl entsprechen. So kann laut Barenhoff lediglich von einer Steigerung der Berichtsqualität von einem sehr niedrigen auf ein durchschnittliches Niveau gesprochen werden.

Die Umsetzung der durch das BilReG geänderten Vorschriften zur Chancen- und Risikoberichterstattung untersuchen die Partialanalysen von Kajüter/Esser, Thomas und Ewelt/Knauer/Sieweke. Ferner existiert sowohl zur Risikoals auch zur Chancenberichterstattung jeweils eine Partialanalyse von Eisenschmidt.

Das Untersuchungsziel der Studie von Kajüter/Esser liegt in der Analyse der erstmaligen Anwendung der neuen Vorschriften zur Risiko- und Chancenberichterstattung. Die Grundgesamtheit der Untersuchung umfasst die Unternehmen des HDAX, ausgewertet wurden die in den Geschäftsberichten veröffentlichten Konzernlageberichte der Geschäftsjahre 2005 bzw. 2005/2006.

In einer Gesamtschau bestätigen die Ergebnisse der Studie von Kajüter/Esser zur Risikoberichterstattung weitgehend die Ergebnisse vorangegangener Studien. So wurden beispielsweise der positive Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Umfang der Risikoberichterstattung sowie die branchenspezifischen Unterschiede ebenso bestätigt, wie die Tendenz, eher über externe als über interne Risiken zu berichten. Die Beschreibung der Risiken ist den Autoren zufolge nach wie vor als vage zu bezeichnen. Daneben werden mögliche negative Auswirkungen und Maßnahmen zur Risikosteuerung vielfach nicht genannt, wodurch die Bedeutung der einzelnen Risiken für den Adressaten unklar bleibt und insofern kritisch ist, als seitens des Gesetzgebers ausdrücklich eine Beurteilung und Erläuterung der Risiken gefordert wird. In Bezug auf die erstmalige Anwendung der Chancenberichterstattung stellen die Autoren eine eher zögerliche Erfüllung der Berichtspflicht fest, wodurch der Anforderung einer ausgewogenen Berichterstattung über Chancen und Risiken nicht nachgekommen wird. Ferner kritisieren die Autoren, dass kein einheitliches Begriffsverständnis über die Chancen besteht und dementsprechend neben der (gesetzeskonformen) Berichterstattung über positive Abweichungen von der voraussichtlichen Entwicklung auch über allgemeine Potentiale des Unternehmens für dessen Geschäftstätigkeit berichtet wird. Gründe für die unzureichende Berichterstattung sehen Kajüter/Esser in der erstmaligen Anwendung der neuen Vorschriften, der Problematik, dass weder DRS 5 noch DRS 15 konkrete Regeln für die Ausgestaltung der Chancenberichterstattung beinhalten sowie der „Natur“ des Berichtsgegenstands, die vor dem Hintergrund, dass sie ex ante nicht verifizierbar sind, Anlass für allgemeine und wenig konkrete Aus sagen bieten. Ferner könnten auch die intern implementierten Risikomanagementsysteme als Ursache angesehen werden, da empirische Befunde anderer Studien zeigen, dass nur in Einzelfällen die Chancen systematisch im Risikomanagement erfasst sind. Im Ergebnis kommen Kajüter/Esser zu dem Schluss, „dass die Berichterstattung über Chancen eher stiefmütterlich behandelt wurde.“

Thomas analysiert in seiner Studie die Risiko- und Chancenberichterstattung der DAX- und MDAX-Unternehmen für die Geschäftsjahre 2003 bis 2005 mit dem Ziel, den aktuellen Stand der Berichterstattung und die Entwicklung in einem dynamischen Umfeld darzustellen. Die Auswertung erfolgte anhand einer um qualitative Aspekte ergänzte quantitativen Inhaltsanalyse, deren hierfür entwickeltes Erhebungsraster sich an den für die Berichterstattung bestehenden gesetzlichen und berufsständischen Anforderungen, an den Interpretationen und Ausführungen des Schrifttums sowie an bisherigen empirischen Befunden orientiert. Im Ergebnis stellt Thomas besonders bezüglich der in der Literatur vielfach diskutierten Darstellungsform und der Strukturierung der Lageberichterstattung noch erhebliche Variationsvielfalt in der Berichtspraxis fest. So wurde die Trennung zwischen Risiko- und Prognosebericht weiter

fortgeführt Auch Thomas stellt wie Kajüter/Esser eine deutliche Übergewich-

tung der Risiken gegenüber den Chancen im Umfang und Detaillierungsgrad fest, sodass die Berichterstattung nicht als ausgewogen bezeichnet werden kann. Ferner weisen Risiko- und Prognoseberichte einen Anstieg des Berichtsumfangs auf, „was Brisanz und Aktualität der Neuerungen für die Unternehmen unterstreicht.“ Die Befürchtung, dass eine Ausweitung der Berichterstattung eine sinkende Informationsqualität zur Folge hat und hiermit die Intention des Gesetzgebers konterkariert würde, kann laut Thomas nicht grundsätzlich bestätigt werden. Defizite stellt Thomas hinsichtlich des Detaillierungsgrads des Prognoseberichts fest, ebenso bezüglich der Nichteinhaltung des geforderten zweijährigen Prognosezeitraums. Bei der Risikoberichterstattung sind Defizite hinsichtlich der Beschreibung und der Quantifizierung der genannten Einzelrisiken feststellbar, ebenso ermöglichen die Ausführungen nicht, auf die Bedeutung der Risiken schließen zu können.

Ewelt/Knauer/Sieweke untersuchen in ihrer Studie das Verhältnis von Umfang und Qualität der risikoorientierten Berichterstattung in den Geschäftsberichten des Jahres 2007 der im HDAX notierten Unternehmen und hinterfragen die implizite Prämisse, dass eine umfangreichere Unternehmenspublizität mit einer steigenden Informationsqualität verbunden ist. Die Ermittlung der Qualität erfolgt mit einem auf dem DRS 5 basierenden Scoringmodell mit vier Teilbereichen (Form, Gesamtrisiko, Risikomanagement und Einzelrisiken), denen jeweils entsprechend der Vorgaben des DRS 5 Kriterien zugeordnet werden. Im Ergebnis bescheinigen die Autoren der Risikoberichterstattung weiterhin eine unzureichende Qualität und bestätigen die Ergebnisse vorangegangener Untersuchungen, die nur eine bedingte Umsetzung von DRS 5 festgestellt haben. Hierbei weisen die Unternehmen des DAX beste Ergebnis auf, gefolgt von MDAX und TecDAX. Die Berichterstattung der DAX Unternehmen ist deutlich umfangreicher als die der MDAX und TecDAX Unternehmen (ca. 40 % mehr Umfang). Demzufolge geht die leicht bessere Qualität der DAX Unternehmen zu Lasten einer weitaus umfangreicheren Berichterstattung, was die Autoren kritisch vor dem Hintergrund sehen, dass dadurch den Adressaten das Filtern der wichtigsten Informationen erschwert wird. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen nicht den Anspruch erfüllen ein durchgängiges Verhältnis von Berichtsumfang und –qualität zur Vermeidung eines information overload anstreben. Vielmehr gelangen die Autoren zur Schlussfolgerung, dass der Grenznutzen der Risikoberichterstattung mit zunehmendem Berichtsumfang abnimmt und somit eine Ausweitung des Berichtsumfangs einen abnehmenden Qualitätszuwachs zur Folge hat.

Eisenschmidt untersucht in seiner Studie die aktuelle Umsetzung der Risikoberichterstattung deutscher Konzerne und legt für einen umfassenden Überblick einen erweiterten Untersuchungsumfang der Unternehmen des HDAX und SDAX zugrunde. Daneben wird die Frage fokussiert, inwieweit die Wirtschaftskrise einen Einfluss auf Umfang und Qualität der Berichterstattung hatte und zudem der Zusammenhang zwischen Berichtsumfang und Qualität der Risikoberichterstattung untersucht. Um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise berücksichtigten zu können, wurde ein Zeitfenster der Geschäftsjahre 20072009 festgelegt, wobei das Jahr 2007 als Referenzjahr für die Risikopublizität vor der Krise fungiert. Der Soll-Maßstab ergibt sich neben den gesetzlichen Anforderungen aus Befragungen zu den Anforderungen zur Risikoberichterstattung, die inhaltsanalytische Auswertung erfolgte unter Verwendung eines Scoring-Modells.

Hinsichtlich der quantitativen Auswertung stellt Eisenschmidt eine Erhöhung des Berichtsumfangs fest, mit welchem ebenfalls eine Erhöhung der durchschnittlichen Berichtsqualität einherging, die durchschnittlichen Qualitätszuwächse jedoch abnahmen. „Der Grenznutzen der Risikopublizität sank mit Bereitstellung zusätzlicher Informationen und ist somit im Hinblick auf einen potenziellen informationen overload kritisch zu hinterfragen.“ Bei der Qualität der Risikoberichte war im Zeitablauf ein Anstieg zu verzeichnen, allerdings waren gravierende Mängel in der Berichterstattung zu verzeichnen, sodass lediglich von einem vergleichsweise niedrigen Niveau gesprochen werden kann und ein hohes Verbesserungspotential in der praktischen Umsetzung der Berichterstattung besteht. Damit bestätigt die Studie, dass die qualitativen Mängel in der Berichterstattung weiterhin bestehen. Die Schwachpunkte liegen nach wie vor auf einer unzureichenden Präzision der Angaben, in Form von überwiegend qualitativen Angaben und hinsichtlich des Zeithorizonts. Bei letzterem wirkt sich besonders gravierend aus, dass oftmals kein Prognosezeitraum veröffentlicht wurde und somit eine Erhöhung der Unsicherheit für den Adressaten auslöst, anstatt Informationsasymmetrien abzubauen. Der Einfluss der Wirtschaftskrise spiegelte sich sowohl in einer Erhöhung der Berichtsqualität als auch im Berichtsumfang wider.

In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2011 untersucht Eisenschmidt die Umsetzung der Chancenberichterstattung im Lagebericht. Die Grundgesamtheit besteht auch bei dieser Studie aus den Unternehmen des HDAX und SDAX im Zeitraum 2007-2009. Vor dem Hintergrund, dass für den Prognose- und Risikobericht mit DRS 15 und DRS 5 inhaltliche Konkretisierungen vorliegen, für die Chancenberichterstattung aber lediglich allgemeine Vorgaben existieren, resultiert hieraus ein erheblicher Ermessenspielraum für die Unternehmen zur Ausgestaltung der individuellen Publizität. Somit untersucht Eisenschmidt, inwieweit die fehlenden gesetzlichen Konkretisierungen einen Einfluss auf den Umfang und die Qualität der Berichterstattung hatten. Ferner wird auf den Zusammenhang zwischen Berichtsumfang und –qualität Bezug genommen. Für die Qualitätsbeurteilung wurde ein Scoring-Modell verwendet; der SollMaßstab wurde aufgrund fehlender Bezugsobjekte von den Anforderungen der Risikoberichterstattung abgeleitet. Im Ergebnis stellt Eisenschmidt sowohl hinsichtlich des Berichtsumfangs als auch der Berichtsqualität erhebliche Mängel fest. Hinsichtlich der Berichtsqualität ergibt sich im Zeitablauf zwar eine leichte Verbesserung, allerdings befindet sich die Qualität auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Schwachpunkte stellten, wie bei der Risikoberichterstattung, die Präzision der Daten und der Zeithorizont dar. Die vorgefundenen Aussagen waren überwiegend vage und wenig konkret. Ein mangelhafter Präzisionsgrad ist insofern kritisch zu sehen, als die Adressaten über die Potentiale des Unternehmens im Unklaren gelassen werden. Vielfach erfolgt eine reine Darstellung der Chancen ohne entsprechende Würdigung, welche allerdings zum Abbau von Informationsasymmetrien unabdingbar ist.

Zur Untersuchung der Prognoseberichterstattung existieren die Studien von Pellens/Nölte/Berger, Krüger/Schneider-Piotrowsky und

Quick/Reus, ferner die Studien von Barth/Beyhs, Pellens/Lehmann und Eisenschmidt/Schmidt.

Die Studie von Quick/Reus dient der Feststellung, inwieweit die DAX 30Unternehmen die gesetzlichen Anforderungen in ihrer Prognoseberichterstattung umgesetzt und die seitens des Gesetzgebers eingeräumten Spielräume gestaltet haben. Für die Untersuchung entwickeln die Autoren ein idealtypisches Prognose-Berichts-Modell mit den Elementen Prognoseprämissen, Prognoseverfahren, Prognosehorizont und Prognoseaussage, um ferner festzustellen, inwieweit es in der Berichterstattung wiederzufinden ist. Untersuchungsgegenstand sind die Prognoseberichte des Geschäftsjahres 2005 der im DAX30 notierten Unternehmen.

Im Ergebnis stellen Quick/Reus fest, dass die vorgefundene Qualität der Prognoseberichte nicht überzeugt. Die im Schrifttum ermittelten Kriterien einer guten Prognose werden nicht durchgehend umgesetzt, womit einerseits kein Verstoß gegen gesetzliche Vorschriften resultiert, andererseits allerdings der

Nutzen der Prognoseberichterstattung als Entscheidungsgrundlage für die Adressaten gemindert wird.

Die Studie zeigt, dass zwar mehrheitlich die Forderung des Gesetzgebers erfüllt wird, die den Prognosen zugrundeliegenden Annahmen anzugeben. Die zwar gesetzlich nicht kodifizierte, aber in DRS 15.17 enthaltende Forderung, das Prognoseverfahren anzugeben, wird allerdings grundsätzlich nicht erfüllt. Werden fremde Prognosen verwendet, geschieht dies den Autoren zufolge mit auffällig neutralen Formulierungen, die somit nicht erkennen lassen, inwieweit die Unternehmen diese Prognosen teilen. Dem von der Literatur als angemessen angesehene und in DRS 15.15 geforderte Prognosehorizont von mindestens zwei Jahren wird mehrheitlich nicht entsprochen, vielmehr betreffen die meisten Prognosen das folgende Geschäftsjahr. Darüber hinaus enthält knapp jede zweite Prognose keine Zeitangabe. Prognosen ohne Horizont sind weder transparent noch nachprüfbar und stellen Verstöße gegen die Grundsätze der Klarheit, Vollständigkeit und Verlässlichkeit dar. Bei den Prognosgegenständen berichtet die überwiegende Zahl der Unternehmen eher pauschal über gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Daten, ohne dass der Bezug zum Unternehmen oder der Grund, wieso dies in diesem hohen Ausmaß stattfindet, ersichtlich wird. Unternehmensbezogene Aussagen stellen eher die Minderheit in der Prognoseberichterstattung dar. Ferner stellen die Autoren zahlreiche Aussagen zu Chancen und Risiken in der Berichterstattung fest in Form von faktischen, exemplarischen oder konjunktiven Informationen, allerdings erfüllen hierbei nur wenige die Eigenschaften einer Prognose. Hinsichtlich der Prognosegenauigkeit dominieren mit 70 % die qualitativen Prognosen. Auffällig ist hierbei, dass quantitative Prognosen überwiegend im Bereich der Gesamtwirtschaft/Branche erfolgen. Demzufolge wird (mit Ausnahme der Finanzmarktdaten) für die quantitativen Prognosen häufig auf Daten von Wirtschaftsforschungsinstituten zurückgegriffen, die grundsätzlich auch dem Adressaten zur Verfügung stehen, während die Daten, die der Adressat nicht auf anderem Wege beziehen kann, aber für ihn von Entscheidungsrelevanz sein könnten (insbesondere unternehmensspezifische Daten) nur von 12 der DAX 30-Unternehmen überdurchschnittlich quantifiziert werden und sogar 9 Unternehmen keine unternehmensbezogenen Prognosen veröffentlichen. Ferner stellen die Autoren fest, dass keines der DAX 30-Unternehmen über Eintrittswahrscheinlichkeiten oder Mindestgenauigkeiten berichtet, womit sowohl relativierende als auch präzisierende Angaben fehlen.

Die Studie von Pellens/Nölte/Berger beschäftigt sich mit den Fragen, welche finanziellen Kennzahlen Gegenstand der Prognosen sind, ob Prognosen tendenziell zu pessimistisch formuliert werden und ob Prognosen über die künftige Entwicklung, die im Lagebericht gemacht werden, präziser oder unpräziser formuliert werden als dies in freiwilligen Aussagen des Management (z.B. in Pressekonferenzen oder Interviews) erfolgt. Der letztgenannten Forschungsfrage liegt die Vermutung zugrunde, dass die im Lagebericht offengelegten Prognosen tendenziell weniger präzisiert werden, um mögliche Beanstandungen des Abschlussprüfers oder spätere Haftungsfragen vermeiden zu können. Der Untersuchungsumfang beschränkt sich auf die DAX 30 Unternehmen für den Zeitraum der Jahre 2002 bis 2005. Hinsichtlich der prognostizierten Kennzahlen stellen die Autoren eine starke Heterogenität fest. Der Jahresüberschuss stellt hierbei die häufigste verwendete Kennzahl dar, ebenfalls sehr häufig werden interne Erfolgsgrößen (operatives Ergebnis, Betriebsergebnis und operative Marge) für die Kapitalmarktkommunikation verwendet, während selten die von Aktienanalysten nachgefragte Kennzahl EPS angegeben wurde. Ferner stellen die Autoren eine Neigung des Management zur Kommunikation weniger präziser Minimumprognosen anstatt konkreter Intervalloder Punktprognosen fest, die sich mit der leichteren Einhaltung dieser Prognosen begründen lassen. Daneben gehen die Autoren davon aus, dass das Management zu pessimistischen Prognosen neigt, was sich dahingehend erklären lässt, dass die Erwartungen eher niedrig gehalten werden sollen, um bei Bekanntgabe von tatsächlich negativen Ergebnissen eine negative Kapitalmarktreaktion zu vermeiden. Hinsichtlich des Vergleichs der Prognosepräzision zwischen Lagebericht und freiwilligen Angaben zeigte die Studie, dass die Präzision der Prognosen im Lagebericht meistens mit denen der freiwilligen Berichterstattung übereinstimmt. Jedoch zeigt sich im Zeitverlauf generell eine größere Häufung von präziseren Prognosen bei den freiwilligen Pressemitteilungen als im Lagebericht. Mit diesen Ergebnissen widerlegen die Autoren zudem die in der Diskussion zur Ausgestaltung des § 315 Abs. 1 HGB entstandene Vermutung, dass Unternehmen u.U. im Lagebericht keine konkreten Angaben zu Zukunftserwartungen machen könnten.

Krüger/Schneider-Piotrowsky untersuchen in ihrer Studie, ob die Kombination des handelsrechtlichen Konzernlageberichts und des IFRSKonzernabschlusses Redundanzen in der Berichterstattung nach sich zieht. In die Untersuchung einbezogen werden die Geschäftsberichte des Geschäftsjahres 2006 von HDAX-Unternehmen, wobei hierbei nur die Berichterstattung in Bezug auf die Goodwillwertminderung nach IAS 36 i.V.m. IFRS 3 und die Aussagen desselben Inhalts im Prognosebericht einbezogen werden. Im Ergebnis stellen die Autoren prinzipiell eine mangelnde Abstimmung der beiden Informationsinstrumente fest. Die größte Gefahr zeigte sich hinsichtlich der Doppelberücksichtigung der Risiken durch den verminderten Vermögensausweis in der IFRS-Bilanz und der Ergebniskorrektur im Prognosebericht, die eine falsche Ergebniserwartung bei den Adressaten bewirken können. Da somit unberücksichtigt bleibt, dass mit der Goodwillabschreibung die Revidierung der Ertrags-

erwartungen aus dem Unternehmenszusammenschluss bereits bilanziell berücksichtigt wurde, ist eine Wiederholung dieser Information im Prognosebericht vor dem Hintergrund der Informationsfunktion überflüssig. Insofern führt dies zu einer Inkompatibilität zwischen IFRS-Konzernabschluss und HGBKonzernlagebericht.

Die Studie von Barth/Beyhs verfolgt die Zielsetzung, eine Aussage zur Qualität der Prognoseberichterstattung im Lagebericht im Zeitablauf zu treffen. Die Untersuchung zur Entwicklung und Ausgestaltung der Prognoseberichte berücksichtigt alle zum 31.12.2009 im DAX30, MDAX, TecDAX und SDAX gelisteten Unternehmen und erstreckt sich über einen Zeitraum von 6 Jahren, beginnend mit dem Jahr vor Einführung des DRS 15 (2004) bis zum Jahr 2009, um sowohl Aussagen zur Entwicklung im Zeitablauf als auch zur inhaltlichen Qualität der Berichterstattung zu treffen. Die Auswertung erfolgt anhand eines Disclosure-Index Verfahrens, wobei die Anforderungen nach HGB und DRS 15 zugrundegelegt werden. Ferner untersuchen die Autoren, inwieweit die Unternehmen die Erleichterungen des seitens des DSR im März 2009 veröffentlichten Hinweis zum Prognosebericht in Anspruch nehmen und inwiefern Informationswünsche der Adressaten im Prognosebericht berücksichtigt werden. Im Ergebnis stellen die Autoren im Zeitablauf eine verbesserte Prognoseberichterstattung bis zum Jahr 2007 fest, die jedoch von einer rückläufigen Berichtsqualität im Jahre 2008, bedingt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise, unterbrochen wird. Für das Jahr 2009 stellen die Autoren hingegen

wieder einen quantitativen und qualitativen Anstieg des Berichtsniveaus fest.

Hinsichtlich der Berichterstattung differenziert nach Börsenindex verzeichnen die im DAX30 gelisteten Unternehmen im Zeitablauf das höchste Qualitätsniveau, die schlechteste Berichtsqualität ist bei den Gesellschaften im SDAX und TecDAX festzustellen. Die Einführung des DRS 15 werten die Autoren positiv in Bezug auf die Berichterstattung: So wird das relativ schlechte Berichtsniveau vor Einführung des DRS 15 im Jahre 2004 und selbst im Jahr der Erstanwendung in 2005 trotz des Einflusses der Finanz- und Wirtschaftskrise im Zeitablauf nicht wieder erreicht. Dennoch weisen die teilweise sehr niedrigen Index-Punktwerte darauf hin, dass die Anforderungen des Standards in vielen Fällen nicht erfüllt werden. Hinsichtlich der Prognosegenauigkeit findet sich in keinem der Berichte der explizite Hinweis, dass die genannten Erleichterungen des DSR im Zuge der Weltwirtschaftskrise in Anspruch genommen wurden. Allerdings ist eine in Krisenzeiten ansteigende Verwendung von komparativen und qualitativen Prognoseaussagen feststellbar, sowie ein deutlicher Anstieg der qualitativen Aussagen und allgemeinen Angaben ohne Informationsgehalt im Jahr 2008.

Ferner liefert die Studie von Eisenschmidt/Schmidt Befunde zur Prognosepublizität im Zeitablauf. Für die Jahre 2007-2009 erfolgt eine Untersuchung der Berichtsqualität der HDAX und SDAX Unternehmen anhand eines disclosure index, dem neben den gesetzlichen Publizitätspflichten und den Konkretisierungen des DRS 15 empirische Erhebungen zu den Informationspräferenzen der Adressaten zugrundegelegt wurde. In die Untersuchung einbezogen wurde zum einen der Einfluss der Finanzkrise auf die Berichterstattung und zum anderen der Zusammenhang zwischen Berichtsumfang und Informationsqualität. Hinsichtlich des Berichtsumfangs lässt sich eine Erhöhung feststellen, die Finanzkrise und die damit verbundene Prognoseunsicherheit hatten keinen negativen Einfluss auf den Umfang der Berichterstattung. Bei der Berichtsqualität stellen die Autoren ebenfalls eine Verbesserung im Zeitablauf fest, allerdings ist von 2007 auf 2008 ein Qualitäts-

rückgang zu verzeichnen, welcher sich auf die krisenbedingte erhöhte Prognoseunsicherheit zurückführen lässt. Die Studien bestätigen die bereits vorliegenden empirischen Befunde, dass Schwachpunkte vermehrt hinsichtlich des Präzisionsgrades vorliegen. Qualitative und komparative Prognosen überwiegen in eindeutigem Maße die quantitativen Prognosen, wobei die Ergebnisse zeigen, dass sich gerade dann quantitative Prognosen finden, wenn es sich um Angaben in Bezug auf die Gesamtwirtschaft, Branchenentwicklung, Umsatz und Ergebnis handelt. Ein weiterer Schwachpunkt stellt der Zeithorizont der Prognosen dar: So enthalten die Prognosen entweder keinen konkreten Zeitbezug oder einen Prognosezeitraum von nur einem Jahr. Ferner zeigen die Ergebnisse, dass ein Anstieg des Berichtsumfangs auch einen Qualitätsanstieg zur Folge hat, allerdings nehmen die durchschnittlichen Qualitätszuwächse hierbei jedoch zeitgleich ab. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund eines information overload kritisch zu sehen, da mit steigendem Berichtsumfang die Informationsverarbeitung für die Adressaten erschwert wird. Im Ergebnis stellen die Autoren hinsichtlich der Ermessensspielräume innerhalb der Normen zur Prognoseberichterstattung regelmäßig eine Ausnutzung zu Lasten der Informationsqualität fest. Die Qualitätsmängel der Prognoseberichterstattung sind nach wie vor vorhanden, insbesondere betrifft dies die allgemein und unpräzise formulierten Angaben. Ferner ist zu bemängeln, dass (unter Einfluss der Wirtschaftskrise und der damit verbundenen Prognoseunsicherheit) eine Verringerung des Präzisionsgrades oder des Zeithorizontes vorgenommen wird, bis hin zu einem gänzlichen Unterlassen einer Prognoseberichterstattung.

Die Studie von Pellens/Lehmann beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Managementprognosen und den Schätzungen von Finanzanalysten. Hierbei wird untersucht, inwiefern Finanzanalysten den Managementprognosen unterjährig folgen und die Prognosequalität der beiden Gruppen bezüglich der Schätzungen wesentlicher Erfolgsgrößen korreliert. Hierfür werden die Prognoseberichte aus den Quartals- und Geschäftsberichten der HDAXUnternehmen im Zeitraum vom vierten Quartal 2005 bis zum dritten Quartal 2010 untersucht, retrospektiv auf ihre Treffgenauigkeit hin überprüft und mit den entsprechenden Konsensusschätzungen der Finanzanalysten gespiegelt. Hinsichtlich der Ausgestaltung der Managementprognose bestätigt die Studie von Pellens/Lehman die Befunde der vorangegangenen Untersuchungen: Die Prognoseberichterstattung kann hinsichtlich der untersuchten Merkmale gemessen an den Vorgaben des DRS 15 nicht überzeugen. Einer Ausweitung des Berichtsumfangs stehen Mängel bezüglich der Ex-ante-Prognosepräzision sowie der transparenten Darstellung von Prognoseprämissen und Sensitivitäten gegenüber.

Im Ergebnis zeigt die Studie, dass der Verlauf der vier Prognosequartale über den gesamten Betrachtungszeitraum eine parallele Entwicklung aufweist, d.h. präzise (unpräzise) Managementprognosen gehen tendenziell auch mit präzisen (unpräzisen) Analystenschätzungen einher. Jedoch zeigt die Analyse, dass sowohl Managementprognosen als auch die Analystenschätzungen tendenziell zu pessimistisch ausfallen. Eine wesentliche Rolle bei der Treffsicherheit kommt der jeweiligen wirtschaftlichen Entwicklung zu: „So sind die pessimistischen Verzerrungen sowohl von Managementprognosen als auch Analystenschätzungen in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität größer als in Krisenzeiten.“

Vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise befassen sich die Studien von Ruhwedel/Sellhorn/Lerchenmüller und Hofmann/Lorson/Melcher mit den Auswirkungen der Krise auf die Berichterstattung. Ferner untersucht die Studie von Lenz/Diehm den Einfluss der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Risikoberichterstattung.

Untersuchungsziel der Studie von Ruhwedel/Sellhorn/Lerchenmüller besteht in der Analyse von Umfang und Präzision der Prognoseberichterstattung der DAX30-Unternehmen in den Geschäftsjahren 2006-2008 sowie die Analyse des Prognosehorizonts und der Transparenz (Angabe der zugrundeliegenden Prämissen und der Prognoseverfahren), wobei besonders im Fokus steht, inwieweit sich die Präzision der Berichterstattung in Zeiten abnehmenden Wirtschaftswachstums ändert. Die Autoren stellen im Zeitablauf eine drastische Abnahme von Prognoseumfang und Prognosepräzision von 2006 und 2007 und auf 2008 für nahezu alle prognostizierten Größen und Prognosezeiträume fest. Die Autoren vermuten in dieser Verschlechterung eine bewusste Ent-

scheidung der Unternehmensleitung, die Prognosequalität herabzusetzen.

Vor dem Hintergrund, dass in vergangenen Studien eine insgesamt unzureichende Prognosebericherstattung nachgewiesen wurde, deuten die Autoren die Ergebnisse dahingehend, dass die schwierige wirtschaftliche Situation einigen Unternehmen möglicherweise die Gelegenheit bietet, „ohnehin als lästig empfundene Offenlegungspflichten unter Verweis auf die stark gestiegene Unsicherheit zusätzlich zu vernachlässigen, während wenige andere Unternehmen versuchen, auch in turbulenten Zeiten offen und transparent aufzutreten.“ Demzufolge erfolgen in Krisenzeiten relativ exakte Vorhersagen der wesentlichen Erfolgsgrößen, während die Prognosen in gesamtwirtschaftlichen Aufschwungsphasen eher vorsichtig ausfallen.

Die Studie von Hofmann/Lorson/Melcher untersucht die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise auf die Lageberichterstattung ausgewählter DAX Unternehmen für die Geschäftsjahre 2006-2008 auf Basis der Regelungen des DRS 15.

Im Berichtsteil Geschäft und Rahmenbedingungen stellen die Autoren größtenteils Übereinstimmung mit den Anforderungen des DRS 15 fest, die allerdings dadurch eingeschränkt wird, dass die meisten Unternehmen bei der Beurteilung des Verlaufs des Geschäftsergebnisses und der Abweichungen von früheren berichteten Erwartungen nicht auf das Verfehlen der genannten Ziele eingehen. Hinsichtlich der Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage ergeben sich im Rahmen der Berichterstattung über die Vermögenslage die nach DRS 15.77 geforderte Angabe und Erläuterung wesentlicher Abweichungen im Vergleich zum Vorjahr insbesondere in Form von Wertberichtigungen bzw. Abschreibungen auf Finanzanlagen. Ferner lassen sich die Wertberichtigungen auf den Geschäftsoder Firmenwert in Verbindung mit der Finanzkrise bringen. Die Darstellung der Grundsätze und Ziele des Finanzmanagements im Rahmen der Berichterstattung über die Finanzlage fällt den Autoren zufolge detaillierter und umfangreicher als in den Vorjahren aus. In Bezug auf die Angaben zur Kapitalstruktur erkennen die Autoren vereinzelt Kapitalmarktaktivitäten, die verdeutlichen, dass Unternehmen zum einen ihre risikobehafteten Kapitalmarktaktivitäten reduzieren und zum anderen bemüht sind, den Zugang zum Kapitalmarkt weiter auszubauen. Die Berichterstattung über die Ertragslage ist im Zusammenhang mit der Finanzkrise geprägt von Nachfragerückgängen und gestiegenen Risikokosten, die sich in gesunkenen Ertragszahlen widerspie-

geln.

Hinsichtlich des Risikoberichts stellen die Autoren eine Zunahme der Berichterstattung über wesentliche Chancen und Risiken im Zeitablauf fest, was sich den Autoren zufolge damit begründen lässt, den Adressaten signalisieren zu wollen, dass das Unternehmen in der Lage ist, auf das volatile Marktumfeld in angemessener Weise zu reagieren.

Im Prognosebericht wird aufgrund des unsicheren Marktumfelds eine Verkürzung des geforderten zweijährigen Prognosezeitraums bis hin zu einem Unterlassen der Veröffentlichung einzelner Ziele für 2009 vorgenommen. Ferner stellen die Autoren weniger quantitative und mehr qualitative Aussagen als vor der Finanzkrise sowie die Zunahme allgemeinerer und weniger konkreter Formulierungen fest.

Lenz/Diehm analysieren, inwieweit sich die Änderung der Wirtschaftslage vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Risikoberichten von SDAX Unternehmen außerhalb des Banken- und Versicherungssektors niederschlägt. Der Untersuchung liegen zwei Hypothesen zugrunde: Nach der ersten Hypothese (H1) hat die Risikoberichterstattung nur einen geringen prognostischen Wert, weil überwiegend schon bekannte Risikofaktoren benannt werden; nach der zweiten Hypothese (H2) führt die erstmalige Anwendung der Vorschriften über den sog. „Bilanzeid“ im Geschäftsjahr 2007 zu einem Anstieg des Umfangs und der Anzahl an berichteten Risikofaktoren in den Risikoberichten im Vergleich zum Vorjahr. Für eine Aussage über die Geltung der Hypothesen untersuchen die Autoren drei Sachverhalte der Risikoberichterstattung im Hinblick auf die Finanzmarktkrise: Den Einfluss der Krise auf den Umfang der Risikopublizität, die Darstellung der im Zusammenhang mit der Finanzkrise genannten Risikokategorien sowie den Vergleich der Risikoberichte aus dem Jahr 2008 mit den entsprechenden Vorjahresberichten, um eine mögliche Veränderung hinsichtlich der Anzahl der berichteten Risiken und der Verteilung der ein zelnen Risiken auf die ihnen zugeordneten Risikokategorien feststellen zu können.1699

Der quantitative Umfang der Risikoberichterstattung (gemessen an der Anzahl der Worte) hat sich den Autoren zufolge sowohl von 2006 auf 2007 als auch von 2007 auf 2008 signifikant erhöht. Die Autoren führen dies sowohl auf ein durch ein konjunkturabhängiges erhöhtes Publizitätsverhalten, angestoßen durch die Änderung der Gesetzesvorschriften, als auch auf die Finanz- und Wirtschaftskrise zurück. So lässt sich der Anstieg im Jahre 2007 im Vergleich zum Vorjahr eher unter Bezugnahme der Hypothese H2 begründen, d.h.aufgrund der regulatorischen Änderungen. Im Jahr 2007 finden sich bereits bei 18 der 48 untersuchten Unternehmen Angaben in Bezug auf die sich abzeichnende Finanzkrise, die jedoch kurz gehalten und zumeist auf die Aussage beschränkt waren, dass die Folgen der Krise weitestgehend unvorhersehbar seien. Den weiteren Anstieg des Berichtsumfangs im Jahr 2008 führen die Autoren jedoch zum Großteil auf die Finanzkrise zurück; die überwiegende Mehrheit der Unternehmen gingen auf die Gefährdungspotentiale im Zusammenhang mit der Krise ein.

Hinsichtlich der Anzahl der in den Risikoberichten genannten Risikofaktoren (nach Risikokategorien gruppiert) ergab sich, dass schon im Jahre 2007 über alle Risikokategorien hinweg ein statistisch signifikanter Anstieg der Risikofaktoren zu verzeichnen war. Die Autoren werten dies als möglichen Hinweis darauf, „dass Risikoberichte in der Summe über mehrere Unternehmen einen gewissen prognostischen Wert haben, weil sie schon frühzeitig auf eine sich verschärfende Risikosituation und damit auf zukünftige konjunkturelle Risiken hindeuten.“ Insofern wäre die Hypothese H1 abzulehnen und die Risikoberichte wären als informativ anzusehen. Einschränkungen liegen allerdings darin,dass eine Ursache für den Anstieg im Jahr 2007 auch in den verschärften gesetzlichen Anforderungen liegen könnte. Hinsichtlich der Darstellung der Risikosituation in Bezug auf die berichteten Einzelrisiken ergab sich für die Risikokategorie „Umfeld- und Branchenrisiken“ ein Schwerpunkt bei den Absatzrisiken (deutlicher Anstieg in 2007 und 2008 im Vergleich zum Vorjahr), innerhalb der signifikant angestiegenen finanzwirtschaftlichen Risiken dominieren die Liquiditäts- und Kreditrisiken (signifikanter Anstieg in 2008 im Vergleich zum Vorjahr). Im Ergebnis liegen nach Ansicht der Autoren gewisse Indizien vor, die entgegen der ersten Hypothese (H1) und im Sinne der zweiten Hypothese (H2) gewürdigt werden können und so den Risikoberichten ein prognostischer Wert zukommt bzw. eine Wirkung der erhöhten gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf ein geändertes Publizitätsverhalten feststellbar ist.

Die Studie von Weißenberger/Franzen/Bremer/Pelster untersucht, ob sich die Qualität der Segmentberichterstattung in Bezug auf die Konsistenz zwischen Segmentbericht und Lagebericht beim Übergang von IAS 14 auf IFRS 8 verbessert hat. Hierzu werden die Geschäftsberichte des Jahres 2009 (d.h. dem ersten verpflichtendem Anwendungsjahr von IFRS 8) und 2008 (d.h. das letztmalige Anwendungsjahr) von allen zum 31.08.2010 im HDAX und SDAX gelisteten Unternehmen auf folgende vier Konsistenzdimensionen untersucht: Die Konsistenz der Anzahl der ausgewiesenen Segmente, der Bezeichnung der ausgewiesenen Segmente, der ausgewiesenen Segmentinformationen sowie der ausgewiesenen segmentbezogenen Steuerungsgrößen. Die Konsistenz der Informationen von Segment- und Lagebericht ist insofern wichtig, als ein enger Zusammenhang der beiden Berichte per se die Prognosekraft und die Entscheidungsnützlichkeit der Finanzberichterstattung insgesamt verbessert. Inkonsistenzen könnten ein Hinweis darauf sein, dass einer der beiden Berichte bilanzpolitisch gestaltet sein könnte. Die Ergebnisse zeigen, dass nur bei einem geringen Prozentsatz der Unternehmen überhaupt Inkonsistenzen vorliegen und die Fälle, in denen Konsistenzverbesserungen vorlagen, sind als nicht statistisch signifikant einzustufen, was somit nicht

auf eine systematische Verbesserung im Zuge der Umstellung auf IFRS 8 hindeutet.

 
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