Wettbewerb „Der beste Geschäftsbericht“

Im Rahmen des Wettbewerbs „Der beste Geschäftsbericht“ werden seit 1982 Geschäftsberichte in den Kategorien Inhalt, Sprache und Gestaltung beurteilt. Erstmalig von der Zeitschrift „Industriemagazin“ ausgeschrieben, richtet das manager magazin seit 1995 den Wettbewerb aus. Hierzu werden die Geschäfts- und Zwischenberichte der Unternehmen der Indizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX in der Kategorie betriebswirtschaftlicher Inhalt seit Ende der

1980er Jahre vom Institut für Revisionswesen (IRW) bzw. seit 2002 vom „Forschungsteam Baetge“ ausgewertet. Hierbei wird in einem mehrstufigen Beurteilungsprozess die betriebswirtschaftlich-inhaltliche Qualität von Konzernlagebericht, Konzernanhang und sonstige Angaben im Geschäftsbericht ermittelt. Die Bewertung der Berichtsqualität erfolgt hierbei im Sinne des Informations- und Aussagegehalts der Angaben im Konzernlagebericht und Konzernanhang.

Die inhaltliche Gesamtanalyse der Geschäftsberichte basiert auf einem aus über 300 Kriterien bestehenden Katalog, der auch solche Angaben enthält, die vom Gesetzgeber nicht gefordert werden, aber seitens des Kapitalmarkts erwünscht sind. Der Kriterienkatalog wurde in unterschiedlichen Dissertationsprojekten auf Basis empirischer Befragungen von Finanzanalysten, Fondsmanagern und Wirtschaftprüfern entwickelt und „ermöglicht eine intersubjektiv nachprüfbare Bewertung der inhaltlichen Qualität der Geschäftsberichte.“

Die Entwicklung der Kriterienkataloge erfolgte in zwei Schritten: Zunächst wurde basierend auf den gesetzlich geforderten Angaben im Konzernlagebericht und Konzernanhang sowie ferner aus der Kommentarliteratur, den Stellungnahmen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), den Vorschriften des Regelwerks der Deutschen Börse AG, den Deutschen Rechnungslegungsstandards (DRS) und den IFRS und US-GAAP abgeleiteten Angaben eine Grobstruktur bzw. ein vorläufiger (inhaltlicher) Kriterienkatalog entwickelt. Darauf erfolgte im zweiten Schritt mithilfe der Nutzwertanalyse ein Modell zur Messung der qualitativen Angaben im Konzernlagebericht und Konzernanhang. Der Kriterienkatalog wurde im Rahmen einer empirischen Umfrage Kapitalmarktexperten vorgelegt, die Kriterien ergänzen, streichen oder modifizieren und darüber hinaus die Bedeutung der jeweiligen Teilberichte und Kriterien angeben konnten. Diese Einschätzung der Befragten in Bezug auf die Bedeutung der Kriterien dient als Maßstab für die Entscheidungsnützlichkeit der Informationen im Konzernlagebericht und im Konzernanhang.

Die Ermittlung des Gesamt-Qualitätswertes des Konzernlageberichts und -anhangs ergibt sich aus der Berichterstattungsqualität auf jeder Hierarchieebene und von dem relativen Gewicht jeder Hierarchieebene. Auf jeder Hierarchieebene beträgt der maximale Qualitätswert 100 %, wobei die Normierung auf 100 % einerseits dadurch gewährleistet wird, dass sich die Gewichte auf jeder Hierarchieebene zu 100 % summieren lassen, andererseits betragen der maximale Teil-Qualitätswert eines Teilberichts, Unterkriteriums sowie Oberkriteriums und Unterkriteriums jeweils 100 %.

Die Änderungen des regulatorischen Umfelds (KonTraG, BilReG und DRS 15) erforderten regelmäßige Anpassungen der Kriterienkataloge, ebenso unterliegen die Gewichtungen von Konzernlagebericht und Konzernanhang im Zeitablauf Verschiebungen aufgrund entsprechend geänderter Einschätzung durch die Befragten.

Oberdörster analysiert in ihrer Arbeit u.a. die Qualität der Berichterstattung im Konzernlagebericht sowie der Entwicklung im Zeitablauf auf Basis der untersuchten Geschäftsberichte im Rahmen des Wettbewerbs „Der beste Geschäftsbericht“ der Jahre 1997-2005. Das zugrundliegende Untersuchungssample von 2.996 Geschäftsberichten im Zeitraum 1997-2005 umfasste nach Abzug von ausländischen Unternehmen sowie Banken und Versicherungen und Abzug von Unternehmen mit unvollständigen Daten 1.883 Geschäftsberichte, die im Rahmen der deskriptiven Analyse auf den aggregierten Gesamtwert, den Qualitätswert des Konzernlageberichts und die Teilberichte des Konzernlageberichts über den Zeitraum 1997-2005 untersucht wurden. Die am Wettbewerb teilnehmenden Unternehmen erreichten für den Konzernlagebericht (Median 43,91 %) einen signifikant niedrigeren Wert als für den Konzernanhang (Median 58,69 %), was Oberdörster im Wesentlichen auf die geringe inhaltliche Aussagekraft der Informationen des Prognoseberichts (Median 23,67 %) und des Risikoberichts (Median 26,14 %) zurückführt. Der Nachtragsbericht erzielte den höchsten Qualitätswert (90, 00 %), Forschung und Entwicklung liegen bei einem Median-Qualitätswert von 42,50 %, der Zusatzbericht bei 43,33 %. Der Wirtschaftsbericht erreichte im Median einen Qualitätswert von 62,67 %, mit einer im Vergleich zu den anderen Teilbereichen relativ geringen Standardabweichung, was den Schluss zulässt, dass sich eine Tendenz zur qualitativ einheitlichen Berichterstattung herausgebildet hat. Insgesamt ist im Zeitablauf eine Verbesserung des Gesamtqualitätswerts (bezogen auf den Geschäftsbericht) von 43,47 % (1997) auf 60,54 % (2004) festzustellen, allerdings

mit Einbrüchen in 2001 auf 51,62 % (Vorjahr: 57,76 %) und 2005 auf 56,46 % (Vorjahr: 60,54 %). Dies lässt sich laut Oberdörster auf die Erweiterung des Kriterienkatalogs für den Konzernlagebericht aufgrund der gestiegenen Anforderungen erklären, denen die Unternehmen erst im Zeitablauf besser nachkommen können.Dies bestätigen auch die Qualitätswerte für den Konzernlagebericht, die in 2005 signifikant auf 41,02 % gefallen sind (2004: 53,13 %), ebenso wie in 1999 ein sinkender Qualitätswert von 42,33 % (1998) auf 38,97 % (1999) festzustellen war. So lässt sich letzteres mit der Einführung des KonTraG bzw. der damit verbundenen erstmaligen Bewertung des Risikoberichts begründen, wonach im Jahr 1999 50 % der Unternehmen hierbei einen Qualitätswert von weniger als 14,82 % erreichten. Baetge/Hippel/Sommerhoff stellen für den Wettbewerb 2010 einen Anstieg der durchschnittlichen Qualitätswerte aller Konzernlageberichtsteile fest, wobei allerdings ein zurückhaltendes Publizitätsverhalten der Unternehmen in Bezug auf Prognosen festzustellen war. So erreichte der Prognosebericht einen durchschnittlichen Qualitätswert von nur 39,40 % (Vorjahr 36,05 %) und bleibt deutlich hinter den Qualitätswerten der anderen Berichte zurück: Der Nachtragsbericht erreichte einen durchschnittlichen Qualitätswert von 84,21 %, die Berichterstattung über Geschäft und Rahmenbedingung 58,01 %, der Risikobericht 55,21 %, und der Bericht über die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage 52,93 %.

 
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