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2 Raumentwicklung in Deutschland

2.1 Regionale Disparitäten

Das Territorium der Bundesrepublik ist von unterschiedlich hoch verdichteten Agglomerationen einerseits und von ländlich-peripheren, eher dünn besiedelten Gebieten andererseits, geprägt. Großräumig wurde seit Kriegsende von einem Nord-Süd-Gefälle zwischen den Metropolregionen Rhein-Ruhr und Rhein-Main und dem wirtschaftlich schwächeren Süddeutschland ausgegangen. Ab den 1980erJahren scheint sich dieser Trend aufgrund des Aufstiegs von Regionen in Süddeutschland umzukehren, während sich seit der Wiedervereinigung eher ein West-Ost-Gefälle ergibt. Aber auch altindustrielle urbanisierte Räume gelten heute als strukturschwach, während einige ländliche Regionen hohe Wachstumsraten aufweisen (Müller & Sträter 2008: 251). Diese regionalen Disparitäten sind typisch für kapitalistische Wirtschaftssysteme. Unternehmen siedeln sich seit der Industrialisierung an Orten mit Rohstoffvorkommen oder begünstigter Verkehrslage an. Arbeitskräfte wandern wiederum zu den Zentren, an denen sich viele Betriebe befinden. Aufgrund geringer Transaktionskosten wird die Bildung urbaner Räume begünstigt (ebd.). Bis heute gelten diese städtischen Regionen als Motoren von Innovation und Wirtschaftsentwicklung. Im Gegensatz dazu fällt die Abgrenzung „ländlicher Räume“ schwer, da unter diesem Begriff meist alle Gebiete außerhalb der Verdichtungsräume zusammengefasst werden. Als Indikatoren werden vor allem die Siedlungsdichte und -struktur, Zentralität und Erreichbarkeit herangezogen. Gemeinden des ländlichen Raumes gelten durch ihren hohen Anteil von land- und forstwirtschaftlicher Flächennutzung häufig als wirtschaftlich „benachteiligt“ und strukturschwach (Henckel et al. 2010: 284). Sie zeichnen sich vor allem durch eine geringe Besiedlungsdichte, eine niedrige Ausstattung im Bereich der Daseinsvorsorge und wenige Arbeitsplätze aus. Insgesamt kann das Arbeitsplatzangebot nicht die Nachfrage nach Stellen decken, sodass häufig Pendlerströme in größere Agglomerationen stattfinden (Winkel & Lüdigk 2010: 237f.). Nach Angaben des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung aus dem Jahr 2005 macht der so genannte „Peripherieraum“ rund 58 Prozent der Fläche Deutschlands aus, in ihm lebt jedoch nur rund ein Viertel der Bevölkerung (Henckel et al. 2010: 285)[1].

Diese kurz skizzierten Raumstrukturen wurden seit Gründung der Bundesrepublik als „gesellschaftliche Funktionsstörung“ wahrgenommen und bedürfen nach Ansicht der Raumplanung einer Änderung. Diese hat daher die Aufgabe, unterschiedliche Interessen und Anforderungen an den Raum aufeinander abzustimmen und bewegt sich in einem Zielsystem zwischen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Eckpfeilern mit der Förderung von gleichzeitigem Wachstum und Ausgleich zwischen den Regionen (Müller & Sträter 2008: 277). Grundlage der Raumordnung ist das 1965 verabschiedete Raumordnungsgesetz, das dem Bund eine rahmensetzende Kompetenz für die territoriale Gestaltung des Landes und dem Ausgleich zwischen den Teilregionen des Bundesgebietes zugestehen soll. Das Leitbild des Gesetzes ist die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse.

„Leitvorstellung (…) ist eine nachhaltige Raumentwicklung, die die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang bringt und zu einer dauerhaften, großräumig ausgewogenen Ordnung mit gleichwertigen Lebensverhältnissen in den Teilräumen führt.“ (Raumordnungsgesetz, §1, Abs. 2).

Dieses sozialpolitische Ausgleichsziel ist auch im Grundgesetz festgelegt („Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse“, Art. 72, Abs. 2), wobei hier von einer räumlichen Herstellung gleichwertiger Bedingungen nicht die Rede ist (Müller & Sträter 2008: 253).

  • [1] Hierbei ist aber anzumerken, dass die Kategorie „Peripherie“ längst nicht für alle ländlichen Regionen gilt, da zahlreiche Räume, vor allem in Süddeutschland Wachstum aufweisen (Henckel et al. 2010: 284ff.)
 
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