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3 Die Auswirkungen der Bundeswehr auf ländliche Räume

3.1 Entwicklung der Streitkräfte bis 1990

Die Bundeswehr wurde nur zehn Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches im Jahre 1955 gegründet. Diese Entscheidung ist vor allem vor dem Hintergrund des Kalten Krieges zu betrachten, in dem die Bundesrepublik Deutschland aufgrund ihrer geographischen Lage sowie der Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges eine Schlüsselrolle spielte. Gründe für die Aufstellung eines Heeres waren die mögliche Bildung einer Front innerhalb Deutschlands an der Grenze zur DDR im Falle einer Eskalation des Ost-West-Konfliktes sowie eine mit einer eigenen Armee einhergehende stärkere Position des jungen deutschen Staates innerhalb der internationalen Politik (Uzulis 2005: 10f.). Daher wurde die Aufstellung eigener Streitkräfte von Seiten deutscher Politik, insbesondere von Bundeskanzler Adenauer, bereits kurz nach der Gründung der Bundesrepublik gefordert (Bald 2005).

Da die NATO-Strategien der „Vorneverteidigung“ und später der so genannten „flexiblen Antwort“ im Angriffsfall eine rasche Gegenoffensive auf das Territorium des Gegners vorsahen, wurde eine hohe dauerhafte Präsenz der Bundeswehr sowie alliierter Soldaten in der Bundesrepublik benötigt. Auch sollte die Festlegung der Truppenstärke auf rund 500.000 Soldaten, die im Einsatzfall auf 1,3 Millionen Mann erweitert werden konnte, für eine Abschreckung im Konflikt mit der Sowjetunion sorgen (Uzulis 2005: 54f., 74). Diese, der NATO zugesagte Zahl, wurde bereits rund zehn Jahre nach der Gründung erreicht, was vor allem damit zusammenhing, dass zahlreiche ehemalige Wehrmachtsangehörige in der Bundeswehr beschäftigt wurden (Nägler 2007: 122). Weiterhin wurde im Jahr 1956 eine allgemeine Wehrpflicht für alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren eingeführt, was eine stetige Nachwuchsgewinnung gewährleistete (Uzulis 2005: 27) und im Einsatzfall eine ausreichende Streitkraft bereitstellen sollte (ebd.: 74). Primäre Aufgabe der Bundeswehr war bis zur Wende die Sicherung der Landesgrenzen sowie die Abwehr möglicher Gefahren im Inland, während Auslandseinsätze kaum durchgeführt wurden. Diese Rahmenbedingungen beeinflussten entscheidend die Stationierung der einzelnen Truppenteile, worauf im Folgenden genauer eingegangen werden soll.

3.1.1 Stationierung der Bundeswehr

Militärische Einrichtungen beanspruchen auf unterschiedliche Art und Weise Grund und Boden der Bundesrepublik, beispielsweise durch Liegenschaften wie Kasernen oder Truppenübungsplätze, aber auch durch Schutzgebiete (Biehler et al. 1990: 456). Biehler et al. (1990: 457) gingen vor der Wende von insgesamt rund 7.000 Liegenschaften der Bundeswehr und NATO-Truppen mit insgesamt rund 250.000 ha Fläche aus (Stand 1985, alte Bundesländer), während es 1967 nur rund 2.900 Liegenschaften waren (hierzu zählen jegliche Gebäude, auch Depots und Lager). Aufgeschlüsselt ergab dies insgesamt 431 Truppenunterkünfte der Bundeswehr mit einer Fläche von 14.500ha und weitere 293 KaL. Müller, Bundeswehrreform und Konversion, BestMasters, DOI 10.1007/978-3-658-04530-2_3, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014 sernen der Alliierten mit 8.200 ha Fläche. Hinzu kamen 199 Standortübungsplätze, 45 Wasser- und Landübungsplätze, 13 Truppenübungsplätze sowie 1316 Depots und mehrere Flugplätze der Bundeswehr. In ca. 350 Städten der alten Bundesrepublik waren damit vor dem Mauerfall Soldaten mindestens in Bataillonsstärke (d.h. der kleinsten Verbandseinheit – zwischen 300 und 1000 Soldaten) stationiert (Biehler et al. 1990: 454ff.). Dies zeigt also die – bis zur Wiedervereinigung – extrem ausgeprägte Präsenz militärischer Truppen sowie ihren Folgeeinrichtungen in der Bundesrepublik und den daraus resultierenden immensen Flächenbedarf. In der ehemaligen DDR war die Militärdichte durch die Stationierung sowjetischer Soldaten sogar noch höher.

Für die verschiedenen Abteilungen der Bundeswehr ergab sich aus dem 2. Weltkrieg eine Besonderheit für die Stationierung: Zahlreiche Kasernenanlagen aus der Zeit des Dritten Reichs konnten weiter genutzt werden. Zum anderen wurden ab Ende der 1950er-Jahre viele Standorte neu erbaut, da die vorhandenen Flächen nicht mehr ausreichend waren (Grave 1995a: 52). Das Weißbuch der Bundeswehr aus dem Jahr 1970 beschreibt die Aufteilung der damals insgesamt 420 Kasernen in 221 Stützpunkte der ehemaligen Wehrmacht und 201 Standorte, die nach 1956 neu gegründet wurden (Jurczek 1977: 5f.). Zu diesem Zeitpunkt wurde noch über weitere Expansionen nachgedacht, da zahlreiche Kasernen überbelegt waren (BMVg 1970: 160f.). Eine detaillierte Übersicht über die genaue Anzahl der Bundeswehrstandorte für einen längeren Zeitraum gibt es jedoch nicht, da zahlreiche Entscheidungen der militärischen Geheimhaltung unterlagen.

Wie der Vergleich zu 1985 zeigt, wurden in den folgenden 15 Jahren aber nur noch wenige weitere Kasernen gegründet (s.o.). Nach dem Fall der Mauer nahm die Anzahl an Kasernen durch die Integration von NVA-Stützpunkten zunächst leicht zu, bis im Zuge erster Reformmaßnahmen Schließungen durchgeführt wurden (vgl. Kapitel 3.2). Es zeigt sich also, dass durch die hohe militärische Präsenz zahlreiche Flächen nach der Wiedervereinigung nicht mehr benötigt und umgenutzt wurden. Darauf soll in Kapitel 4.4 genauer eingegangen werden. Zunächst folgt eine Darstellung der Stationierung der Bundeswehr in ländlichen Räumen. Da die Arbeit die Konversion von Bundeswehrarealen thematisiert, wird in diesem Zusammenhang nicht auf die Präsenz ausländischer Truppen eingegangen.

 
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