< Zurück   INHALT   Weiter >

5.2 Gesprächsführung mittels leitfadengestützter Interviews

Die empirische Forschung wurde anhand qualitativer Methoden erarbeitet. Diese erweisen sich aus zwei Gründen als geeignet: Sie zielen erstens auf das Verstehen komplexer Zusammenhänge ab, im Falle des Projektes also den Nutzungsplanungen und -auswahl der Gemeinden. Weiterhin können unterschiedliche Perspektiven, Wahrnehmungen und Meinungen der Gesprächspartner in die Forschung mit einbezogen werden (Flick et al. 2000: 23). Dementsprechend wird der Forschungsgegenstand nicht als sozialer Tatbestand, sondern die soziale Realität als durch Interpretationshandlungen hergestellte Konstruktion angesehen (Bogner & Menz 2005: 35). Die Datenerhebung erfolgte primär anhand von Experteninterviews mit relevanten Akteuren, die eine zentrale Rolle im Nachnutzungsprozess der beiden Standorte spielen. Sie wurden danach ausgewählt, welchen Beitrag sie zur Beantwortung der Forschungsfrage leisten konnten. Als Experten im Falle der Untersuchung galten Personen, die Einblick in den Konversionsprozess bzw. einen privilegierten Zugang zu Informationen haben (Meuser & Nagel 2005: 73). Im Gegensatz zu standardisierten oder offenen Befragungen bietet das Experteninterview die Möglichkeit für den Interviewten, seine eigenen thematischen Schwerpunkte einzubringen, es ist also fokussiert auf das Sonderwissen der Befragten (Pfadenhauer 2009: 451). Es geht dabei vor allem um die Perspektiven der Experten auf den Sachverhalt (ebd.: 459).

Zur Beantwortung der Fragestellung wurden die Gespräche mit relevanten Akteuren vor Ort geführt. Zusätzlich wurden Verantwortliche in den Gemeinden sowie den zuständigen Landesbehörden befragt. Hier sind häufig Konversionsbüros eingerichtet worden, um die Kommunen zu unterstützen. Folgende Interviewpartner wurden befragt:

- Dirk Sohn, Bürgermeister der Stadt Lütjenburg (Kennung G1)

- Rüdiger Balduhn (Kennung G2) und Birgit Kemter (Kennung G3), Konversionsbüro Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein

- Bürgermeister der Gemeinde Hohentengen (Kennung G4)

- Stefan Bubeck, Bürgermeister der Stadt Hohentengen (Kennung G5)

- Mitarbeiter des Ministeriums für ländlichen Raum Baden-Württemberg (telefonisch) (Kennung G6)

Die Gespräche wurden mittels eines Leitfadens geführt. Damit wurde gezielt das Vorwissen des Interviewers genutzt, um das Gespräch zu strukturieren. Gegenüber offenen Interviews bietet dieses Vorgehen den Vorteil, dass die Interviewten zu allen für sie relevanten Aspekten Auskunft geben und verschiedene Themen angesprochen werden können. Durch offen gestaltete Frageformulierungen können spezifische Sichtweisen und Bewertungen der Gesprächspartner aufgenommen werden (Gläser & Laudel 2009: 43, 111). Die Leitfäden (siehe Anhang) umfassen Schlüsselfragen mit eher offenem Charakter und ergänzende Zusatzfragen. Sie wurden für die einzelnen Gesprächspartner auf den Kontext angepasst, ermöglichen aber aufgrund der einheitlichen Schlüsselfragen eine Vergleichbarkeit der Interviewergebnisse. Die Konzeption der Leitfäden orientierte sich weitgehend an den theoretischen Vorüberlegungen und an der Forschungsagenda. Die Fragen mussten nicht nach einer festgelegten Reihenfolge abgefragt werden, es wurde stattdessen eine relativ freie Gesprächsführung angestrebt, sodass der Befragte das Gespräch mitgestalten und für ihn besonders relevante Themen ausführlicher ansprechen kann (ebd.: 42, 142). Die Interviews wurden mittels eines Aufnahmegeräts aufgezeichnet, das Telefongespräch wurde durch ein Gedächtnisprotokoll festgehalten.

Für die Auswertung wurden ferner weitere, von den Gesprächspartnern zur Verfügung gestellte Unterlagen analysiert. Hierzu zählen unter anderem Ausschreibungstexte, Landtagsdrucksachen oder Broschüren. Sie sind jeweils mit ihrer Quellenangabe angegeben, nicht öffentlich zugängliche Dokumente wurden eingescannt und sind im Anhang zu finden.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >