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3.3.3 Das soziotechnische Konzept der Aufgabenorientierung

In soziotechnischen Systemen können Tätigkeitsmerkmale im Rahmen des Konzepts der Aufgabenorientierung betrachtet werden (vgl. Ulich 2011,

S. 203). Hierbei bestimmen die vorhandene Kontrolle über Arbeitsabläufe, individuelle Kompetenzen und Wissen, die in die Bearbeitung der Aufgabe eingebracht werden sowie strukturelle Merkmale der Aufgabe über Interesse und Engagement an einer Tätigkeit (vgl. ebenda, S. 204).

Hinsichtlich der Aufgabencharakteristika verweist Ulich (2011, S. 205) auf die Arbeiten von Emery et al. (1974), Cherns (1976) sowie Emery et al. (1976, 1982), die in ihren Ausführungen zum Konzept der Aufgabenorientierung die Merkmale Ganzheitlichkeit, Anforderungsvielfalt, Möglichkeiten der sozialen Interaktion, Autonomie sowie Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten benennen. Zu einem späteren Zeitpunkt wurden die Kriterien Zeitelastizität und Sinnhaftigkeit durch Ulich ergänzt. Diese Merkmale können folgendermaßen beschrieben werden (vgl. ebenda, S. 206):

• Ganzheitlichkeit: Dieses Kriterium umfasst Aufgaben mit planenden, kontrollierenden und ausführenden Elementen

• Anforderungsvielfalt: Damit ist gemeint das Tätigkeiten unterschiedliche Anforderungen an die Person stellen sollten

• Möglichkeiten der sozialen Interaktion: Dieses Merkmal ist dann erfüllt, wenn für die Ausführung der Aufgabe Zusammenarbeit möglich bzw. notwendig ist

• Autonomie: Mit diesem Merkmal sind Dispositions- und Entscheidungsmerkmale gemeint

• Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten: Damit ist gemeint, dass vorhandene und ggf. neu zu erlernende Qualifikationen in die Bewältigung einer Aufgabe einfließen

• Zeitelastizität: Umfasst die Existenz von Zeitpuffern bei der Festlegung von Vorgabezeiten

• Sinnhaftigkeit: Zielt darauf, dass die eigene Arbeit in Form von Produkten und Dienstleistungen für die Zielgruppe(n) nutzenbringend ist

Sind diese fundamentalen Gestaltungsprinzipien erfüllt, kann von vollständigen Aufgaben gesprochen werden. Nach Hacker (1998, S. 253) zeichnet sich Vollständigkeit durch ausreichende Tätigkeitserfordernisse, Kooperationsmöglichkeiten, selbstständige Zielfindungs- und Entscheidungsmöglichkeiten, kognitive Vorbereitungsschritte der Tätigkeiten sowie Lern- und Übertragungsmöglichkeiten auf andere Tätigkeiten aus und ist damit zum Teil identisch mit dem Merkmal der Ganzheitlichkeit.

 
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