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4.3 Operationalisierung der Dimensionen des psychologischen Vertrages

Das Berufsbeamtentum wird als Lebens- und Hauptberuf wahrgenommen und ist durch die sich aus Art. 33 Abs. 5 GG ergebenden besonderen Rechte und Pflichten gekennzeichnet. Aus dieser Konstellation ergeben sich für Beamte besondere Dienst- und Treuepflichten (Art. 33 Abs. 4), die als Grundlage für Motivations- und Leistungsaspekte angesehen werden können. Demnach wird von Beamten erwartet, dass sie, eingebettet in Gehorsamspflichten, Weisungsgebundenheit sowie Gesetzestreue, ein Höchstmaß an Leistungsmotivation in die Bewältigung ihrer Arbeitsaufgabe einbringen (vgl. Klages 1990,

S. 9). So konnte Klages (1990, S. 11) in einer bei Beamten der öffentlichen Verwaltung durchgeführten Studie eine hohe intrinsische Arbeitsmotivation nachweisen. Diese war umso höher, je besser die Beamten in der Lage waren ihre künftigen beruflichen Positionen langfristig vorausplanen zu können, je höher also die Arbeitsplatzsicherheit war. Kernelement dieses Beschäftigungsverhältnisses ist die starke Loyalität, die eine „[…] fürsorglich, paternalistische betriebliche Sozial- und Vertrauensbeziehungen markiert“ (aus Augustynek 2010, S. 93). Die Beschäftigten identifizieren sich in hohem Maße mit ihrem Arbeitgeber und „[…] schreiben sich die traditionellen Tugenden Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit, Loyalität und Kollegialität zu“ (aus ebenda,S. 93). In diesem Zusammenhang verweist Aichner (2009, S. 74) auf die hohe Bedeutung des Faktors Loyalität bei älteren Mitarbeitern.

Damit werden die Dimensionen Arbeitsplatzsicherheit sowie Loyalität als die für das Dienstverhältnis und damit als die für den traditionellen psychologischen Vertrag der Beamten zentralen Elemente identifiziert und nachfolgend operationalisiert.

Arbeitsplatzsicherheit

Entsprechend des psychologischen Vertrages wird Arbeitsplatzsicherheit zunächst als eine subjektive Größe verstanden, die nicht mit der tatsächlichen, objektiven Arbeitsplatzunsicherheit übereinstimmen muss, sondern als individuelle Wahrnehmung latenter Unsicherheit zu betrachten ist (vgl. Renz 2003, S. 18; Augustynek 2010, S. 137).

Das Beschäftigungsverhältnis der Beamten ist durch eine hohe materielle Beschäftigungssicherheit und einen sicheren sozialen Schutz gekennzeichnet. Verlieren die Beamten ihre bisherig ausgeübte Tätigkeit, wechseln sie auf theoretisch unbefristete Dauer in den Bestand der DB JobService GmbH und erhalten weiterhin ihre vollen Bezüge. Solange die Betroffenen nicht in den produktiven Bereichen des Konzerns eingesetzt werden, d. h. in Geschäftsfeldern, gelten sie als Mitarbeiter des JobService. Damit werden hier qualitative statt quantitative Dimensionen von Arbeitsplatzsicherheit relevant (vgl. Abbildung 4). Diese manifestieren sich in Elementen des Arbeitskontextes und beziehen sich in dieser Arbeit auf die Laufbahnentwicklung, Arbeitsbedingungen sowie Arbeitsinhalte und -aufgaben (vgl. Barghorn 2010, S. 63).

Kategorie

Indikatoren

Dimension

subjektive, qualitative Arbeitsplatzsicherheit

Laufbahnentwicklung

Arbeitsbedingungen

Arbeitsinhalte und aufgaben

lineare, vorhersehbare vs. unterbrochene Berufslaufbahn

patriarchalisches Karrieremanagement durch die DB gemäß §21 BBG vs. Eigeninitiative

räumliche und zeitliche Vorgaben: Einsatzort,

Schichtdienst, …

Übernahme von Verantwortung oder Leitungsfunktionen

Lernen am Berufsanfang vs. stetiges Lernen

standardisierte, vorhersehbare Aufgaben vs.

wechselnde Aufgaben

bahnspezifisches Wissen vs. allgemeines Fachwissen

Abb. 4: Operationalisierung der Dimension Arbeitsplatzsicherheit (eigene Darstellung)

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Ausgehend vom relationalen Vertrag ist die traditionelle Laufbahnentwicklung von Beamten durch lineare, vorhersehbare Berufsverläufe sowie durch ein patriarchalisches Karrieremanagement bestimmt. Letzteres bedeutet, dass die Bahn den Beamten berufliche Perspektiven aufzeigt und ihnen dadurch ein Maß an Sicherheit bietet. Die Arbeitsbedingungen sind gekennzeichnet durch räumliche und zeitliche Vorgaben, wie z. B. Schichtdienste oder feste Einsatzgebiete, Übernahme von Verantwortung für die eigenen Aufgabeninhalte und durch Leitungsfunktionen sowie durch aktives Lernen, insbesondere zum Berufsanfang. Im Rahmen ihrer Arbeitsinhalte sehen sich Beamte standardisierten und vorhersehbaren Aufgaben gegenüber für deren Bearbeitung sie zum Teil bahnspezifische Fähigkeiten und Kenntnisse einsetzen.

 
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