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Teil VIII

Segen und Fluch der Apple-Aktie

10.000 % Plus – das größte Investment aller Zeiten

Die Börse ist schon ein seltsamer Ort. Seit Jahrhunderten kommen Menschen hier zusammen, um ihren Traum vom Wohlstand zu verwirklichen. „Die Börse ist der Umschlagplatz für Hoffnungen“, lautet nicht umsonst eine viel zitierte Börsenweisheit. Am Ende ist der Aktienkauf nichts anderes als eine Wette auf die Zukunft.

Die ist jedoch „niemals klar“, wusste schon Investmentlegende Warren Buffett einst zu berichten. „Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen.“ Im Umkehrschluss bedeutet das nichts anderes als: Eine völlig unklare Zukunft bekommt man oft zu einem Discountpreis.

So auch geschehen bei Apple in den Wirren der Fast-Pleite 1997. Als Steve Jobs zum Unternehmen, das er gegründet hatte, zurückkehrte, waren Anteilsscheine zu Kursen um die 3,25 $ zu haben – das waren gerade mal 100 % mehr als zum Börsengang 1980. Steve Jobs verkündete einen Monat später sein Comeback als „iCEO“ und die Kooperation mit Microsoft, die das Überleben sicherten – und Apple das Vertrauen der Anleger schenkte, noch ehe neue Produkte auf den Markt kamen. Ganze dreieinhalb Jahre später hatte sich das Investment nach dem erfolgreichen Start des iMacs im Zuge der Internet-Euphorie verzehnfacht.

Doch manchmal gibt einem der Markt eine zweite Chance. Die Internet-Blase platzte – und Apples Comeback geriet ins Stocken. Die unerwartete Rückkehr in die Verlustzone ließ die Aktie im dreijährigen Bärenmarkt von 2000 bis 2003 noch einmal von 35 $ zurück auf 7 $ taumeln, obwohl Apple mit dem iPod bereits seinen zweiten großen Wachstumstreiber auf den Weg gebracht hatte.

Einer der findigen Investoren, der das ermäßigte Kursniveau nutzte, war der Vermögensverwalter Cody Willard, der seinerzeit gerade einen Hedgefonds aufgelegt hatte und auf der viel gelesenen Finanzwebseite TheStreet.com über seine Investments schrieb. Bei splittbereinigten 7 $ war für Willard der ultimative Kaufzeitpunkt gekommen, wie er seinen Lesern erläuterte: „Nachdem ich Jahre damit verbracht habe, Aktien zu analysieren, habe ich mir Geschäftsbilanzen und Unternehmensbewertungen besonders eingeprägt. Ich wusste, dass Apple auf einem ganzen Batzen Geld sitzt, 8 $ je Aktie, um genau zu sein. Die Aktie verlor 10 % in zwei oder drei Tagen wegen Gerüchten, dass Apple Warner Music kaufen könnte, was mir damals komplett absurd vorkam. Als Apple dann 7 $ je Aktie kostete und das Unternehmen praktisch kostenlos an der Börse gehandelt wurde, kaufte ich.“

Willards Begründung: Apple war weit davon entfernt, nur noch den Bargeldteil wert zu sein. „Apple hatte gerade den iPod veröffentlicht, und ich sah das Potenzial, dass Apple die Art, wie wir Musik konsumieren, grundlegend veränderte und in einigen Jahren der größe Musikvertrieb der Welt werden könnte.“

Tatsächlich war dies der Beginn der einzigartigen Erfolgsstory an der Börse. Ende 2003 hatte sich das Investment bereits verdreifacht – die Apple-Aktie notierte bei 21 $. 2004 begann der Halo-Effekt zu greifen und die Gewinne zu sprudeln. Im Sommer 2003 ging noch der einmillionste iPod über die Ladentische – 18 Monate später konnte Apple schon 10 Mio. MP3-Player absetzen und die Aktie weiter steil nach oben katapultieren. Bei 65 $ ging Apple 2004 aus dem Handel.

In den kommenden zwei Jahren mussten sich Aktionäre wieder etwas mehr in Geduld üben, als Steve Jobs die iPod- und Mac-Sparte mit iPod Shuffle und Mac mini weiter diversifizierte und im folgenden Jahr auf Intel-Chips umstieg. Doch der Aufwärtstrend hielt an: Bei 72 bzw. 85 $ beendete die Apple-Aktie das Börsenjahr 2005 und 2006. Im Verborgenen arbeitete Jobs aber längst am eigentlichen Urknall seiner zweiten Amtszeit bei Apple – dem iPhone. Im Jahr der Einführung katapultierte es die Apple-Aktie schließlich schnell über die 100 und dann sogar zweitweise über die 200-Dollarmarke – bei 198 $ gingen die Anteilsscheine schließlich aus dem Börsenjahr 2007.

2008 dann folgte für Apple-Aktionäre nach vier Jahren der exorbitanten Zuwächse schließlich der zweite harte Rückschlag der zweiten Steve Jobs-Ära: Im Zuge der globalen Finanzkrise nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers stürzten die Anteilsscheine von Apple in der Spitze um 60 % ab, um wieder auf dem Niveau von 2006 aus dem Handel zu gehen – bei 85 $. Das Comeback im Folgejahr sollte trotz der halbjährigen Auszeit von Steve Jobs umso heftiger ausfallen: Bis auf 210 $ schoss die Apple-Aktie bis Jahresende empor. Der Absturz des Vorjahres wurde vollends wieder wettgemacht und sogar neue Allzeithochs nur zwei Jahre nach dem erstmaligen Durchbruch durch die 200-Dollarmarke aufgestellt.

Damit jedoch hatte die dritte Phase von Apples Traumlauf an der Börse erst begonnen, die im Januar 2010 mit einem neuen magischen Produkt weiteren Treibstoff erhielt: Das iPad traf den Nerv der Anleger, die Apple bis Jahresende auf Kurse von 322 $ schickten. Während die beiden jüngsten Konzernsparten iPad und iPhone Apple auch im Folgejahr immer üppigere Milliardengewinne bescherten, überschattete der sich abzeichnende Abschied von Apple-Gründer Steve Jobs das Börsenjahr 2011. Die Aktie ging bei nur 405 $ aus dem Handel, obwohl die Gewinne explosiv wuchsen.

Der Nachholeffekt griff im ersten Halbjahr des Börsenjahres 2012, als die enorm starken Verkaufszahlen des iPhone 4S die Aktie erst im Februar über die 500- und dann bereits im März über die 600-Dollarmarke schießen ließ. Die Aussicht auf die nächste iPhone-Generation verleitete Anleger im Sommer 2012 trotz bereits deutlich verebbender Wachstumsdynamik zum finalen Kursschub für wenige Tage auf die 700-Dollarmarke im September 2012.

Ausgerechnet am Erstverkaufstag des iPhone 5 am 21. September sollte die Erfolgsaktie einer ganzen Anlegergeneration symbolischerweise bei 705 auf einem Rekordstand notieren, der inzwischen nach einem Allzeithoch aussieht. Was für ein Traumlauf für Aktionäre wie Cody Willard, die seit Kursen um 7 $ investiert waren: Die exzeptionelle Wertsteigerung von 10.000 % Plus wäre für Anleger binnen nicht mal einem Jahrzehnt drin gewesen, während die Aktienmärkte in der Breite stagnierten. Wer seit der Rückkehr von Steve Jobs im Juli 1997 Apple-Aktien kaufte und 15 Jahre daran festhielt, hätte sich gar über ein Plus von 20.000 % freuen können – 3250 Dollar hätten sich wundersamerweise in 705.000 $ verwandelt.

 
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