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6.5.3 Einschätzung „ökonomischer“ Erfolg

6.5.3.1 Definition

Im wirtschaftlichen Kontext wird an vielen Stellen von Erfolg oder auch ökonimischem Erfolg gesprochen. Eine allgemeine Definition findet sich aber nicht. In einem vereinfachten Rückgriff auf Näther (1993) kann man lediglich drei Definitionsansätze beschreiben:

Erfolg als positive Ausprägung einer oder mehrerer Kennzahlen, die über das Wirtschaften in einer bestimmten Periode Auskunft geben. Typische Kennzahlen sind hier Gewinn (klassische wirtschaftliche Erfolgsrechnung), Return on Investment oder Shareholder Value. Diese Erfolgsbestimmung bezieht sich auf das Ergebnis einer vergangenen Periode und kann damit für die Zukunft nur kurzfristige Aussagen liefern.

Erfolg im Sinne des langfristigen Überlebens eines Unternehmens. Diese aus der Systemtheorie stammende Auffassung sieht Erfolg in der Erreichung des grundlegendsten Ziels eines Betriebes, dem Überleben. Um dies zu gewährleisten wird in Anlehnung an Aloys Gälweiler eine Betrachtung und Entwicklung der Erfolgspotenziale eines Unternehmens gefordert (vgl. Gälweiler, 2005).

Erfolg auf Basis einer Weltanschauung. Da wie weiter oben erwähnt Erfolge auch Ergebnisse sein können, die man nicht zum Ziel hatte, wird dieser auf die kollektive Wahrnehmung eines Unternehmens zurückgeführt. Einer der Ursprünge dieser Sichtweise zeigt sich in Henry Mintzbergs 5Ps für Strategie. Er hebt dort bei der Beschreibung der Strategie als „Perspektive“ explizit das deutsche Wort Weltanschauung hervor (Näther, 1993).

6.5.3.2 Grundüberlegungen

Um sicherzustellen, dass die Experten nicht vom ökonomischen Erfolg auf die Innovationsfähigkeit geschlossen haben, gab es demnach nur eine Möglichkeit. Die selben Experten, die die Innovationsfähigkeit eingeschätzt haben, mit den obigen Ansätzen zur Definition von ökonomischen Erfolg zu konfrontieren und sie zu bitten, die Befragung zu wiederholen. Diesmal zu der Frage: „Wie erfolgreich sind die genannten Unternehmen“.

Dabei wurde der gleiche Fragebogen eingesetzt, der bereits genutzt wurde um die Innovationsfähigkeit abzufragen, nur mit ein paar Modifikationen. Für die Erhebung wurde auch das Rank-/Rate-Verfahren gewählt, da es als das derzeit anerkannteste in der Sozialpsychologie zur Ermittlung eines faktisch nicht messbaren Wertes durch Experten gilt.

Das Prinzip ist, dass die Experten im ersten Schritt die Geschäftseinheiten „ranken“, also in eine Reihenfolge bringen; hier von der erfolgreichsten zu der erfolgslosesten. Im zweiten Schritt werden diese sortierten Geschäftseinheiten dann auf einer Skala eingeordnet und somit bewertet. Dabei kann der gleiche Rang nicht an zwei Geschäftseinheiten vergeben werden. Bei 39 Geschäftseinheiten, wie im Beispiel der Automobilindustrie, heißt dies also 39 unterschiedliche Ränge. Damit dieses Vorgehen für die Kandidaten transparent ist, wurden ihnen die beiden Schritte zu Anfang per Text und grafischer Darstellung erläutert (siehe Abbildung 13).

Abbildung 13: Erklärung des Vorgehens für die Experten

 
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