Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Betriebswirtschaft & Management arrow Bekanntmachung des Einheitlichen Ansprechpartners
< Zurück   INHALT   Weiter >

1.1. Problemaufriss

Der aus der EU-DLR erwachsende finanzielle Nutzen auf europäischer Ebene beträgt laut einer Studie zwischen 60 und 140 Mrd. Euro. Dies entspricht Schätzungen zufolge einem Wachstumspotenzial zwischen 0,6 und 1,5 Prozent.

Bestätigt wird dies durch eine, von der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen (GD ECFIN) in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2012. Der zufolge beliefen sich die Auswirkungen der EU-DLR bislang auf 0,8 Prozent des europäischen BIP, wobei die Effekte in den einzelnen Mitgliedstaaten zwischen -0,3 und 1,5 Prozent stark variierten. Allein die geschätzten gesamtwirtschaftlichen Folgen der eingeführten Einheitlichen Ansprechpartner (EA) führen EU-weit zu einem Wachstum von 0,13 Prozent des BIP. In Hinblick auf zusätzlich angenommene positive Auswirkungen werden auf mittlere Sicht 0,15 Prozent und auf lange Sicht 0,21 Prozent des BIP prognostiziert. Diese Prognosen versprechen den Mitgliedstaaten bei entsprechend verbesserter Ausgestaltung des EA-Angebots zusätzliche Mehreinnahmen.

Aber nicht nur die Mitgliedstaaten können von der Umsetzung der EU-DLR profitieren, sondern auch die Hauptadressaten, die europäischen Dienstleistungserbringer. So können Unternehmen gemäß der EU-DLR mit einem jährlichen Einsparungspotenzial von 220 Mio. Euro rechnen. Dies entspricht etwa 30 Prozent der Kosten für die Gründung eines Dienstleistungsunternehmens.

Dies setzt jedoch voraus, dass das Angebot des EA als „Dienstleister für Dienstleister“ von den Dienstleistungserbringern auch genutzt wird. Betrachtet man indes bisher bekannte Zahlen der Inanspruchnahme der Einheitlichen Ansprechpartner (EAs) in Deutschland, so zeichnen diese ein ambivalentes Bild der Nachfrage durch die Dienstleistungserbringer.

Die tatsächliche Inanspruchnahme bleibt sowohl in Deutschland als auch in den EU-Mitgliedstaaten bisher hinter ihrem Potenzial zurück.

Die schriftliche Befragung, an der 58 EAs deutschlandweit teilnahmen, ergab bisher eine verhaltene Nutzungsquote. Zudem zeigte sich eine große Diskrepanz zwischen Informationsanfragen und durchgeführten Verfahren. Die schriftliche Befragung unter den teilnehmenden EAs ergab eine Anzahl von ca. 19.000 Anfragen seit Ende 2009, wobei lediglich ca. 1.300 Verfahren durchgeführt wurden. Legt man die Trendaussagen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn aus dem Jahr 2007 zugrunde, die bei einer restriktiven Öffentlichkeitsarbeit bundesweit von einer jährlichen Nutzungsquote des EA von 5 Prozent (dies entspricht einer Zahl von ca. 19.400 Unternehmensgründungen) ausgingen, zeigt sich, dass die prognostizierten Zahlen bisher unerreicht bleiben.

Die Gründe für die geringe Inanspruchnahme sind vielfältig. Eine wesentliche Ursache scheint allerdings der geringe Bekanntheitsgrad des EA und dessen Angebots zu sein. So gaben lediglich 30 Prozent der Fokusgruppenteilnehmer der Deloitte-Studie an, vor ihrer Teilnahme an der Studie von der Existenz des EA in ihrem Land gewusst zu haben. Ein ähnliches Bild zeichnet auch eine Umfrage von BusinessEurope unter Unternehmen in der EU. Dementsprechend äußerten 16 der Mitgliedsverbände, die mehr als 75 Prozent des Dienstleistungsmarkts repräsentieren, dass der Bekanntheitsgrad der EU-DLR und insbesondere des EA gering oder nicht existent sei. Diese Tendenz wird auch durch die Resultate des E21-Projekts gestützt.

Die durch die geringe Inanspruchnahme des EA offenbarten Schwächen der Bekanntmachung konterkarieren jedoch die mit der Einrichtung der EA verfolgten Ziele der Richtlinie: die Möglichkeit zur Abfrage aller für die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit erforderlichen Informationen sowie die Abwicklung aller anfallenden Genehmigungs- und Verfahrensformalitäten aus der Ferne und aus einer Hand.

Eine einfachere und schnellere Verfahrensabwicklung für ausländische Dienstleistungserbringer kann jedoch nur gewährt und bürokratische Hemmnisse tatsächlich abgebaut werden, wenn die Dienstleistungserbringer ihre Möglichkeiten und Rechte kennen und von diesen Gebrauch machen. Solange dies nicht erfolgt, werden die Dienstleister auf die bestehenden Verwaltungsstrukturen zurückgreifen und das angestrebte Ziel der EU-DLR wird verfehlt.

Eine dringende Aufgabe ist es daher, die Bekanntheit des EA-Angebots unter den Dienstleistern zu erhöhen sowie diese über ihre Rechte zu informieren. Es besteht somit eine faktische Kommunikationsnotwendigkeit für die Bekanntmachung des EA, welche auch von den europäischen Institutionen bereits erkannt wurde. So hat das Europäische Parlament bereits vermehrt auf das Erfordernis einer intensiveren Bekanntmachung des EA hingewiesen und ein einheitliches Kommunikationskonzept angemahnt. Darüber hinaus kündigte die KOM an, im Jahr 2013 eine mit den Mitgliedstaaten koordinierte Informationskampagne über die EA zu starten sowie die Internetpräsenz zu verbessern.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften