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Anmerkungen:

(1) Sie hören gemeinsam nachmittags Swing Musik, besuchen Tanzveranstaltungen, bahnen erste Beziehungen zu jungen Mädchen an. Es werden mehrere Protagonisten vorgestellt: Peter Müller, dessen Vater, ein berühmter Geiger (Wilhelm Müller), nach einer Rede an der Universität zur Verteidigung der Juden, von der Gestapo abgeholt und gefoltert wurde, sodass er nach seiner Rückkehr in die Familie krank und traumatisiert war und starb. Diese Ereignisse liegen 6 Jahre zurück. Peters Mutter (Frau Müller) muss die Familie allein durchbringen und arbeitet in einer Farbenfabrik; Peter versucht durch kleine Jobs zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen, zu der noch die demente Mutter (Oma Klara) seines verstorbenen Vaters und sein neunjähriger Bruder Willi gehören. Thomas Berger lebt in gut begüterten Verhältnissen; die Beziehung zu seinem Vater ist jedoch sehr belastet; der Vater äußert sich abwertend gegenüber seinem Sohn. Der gehbehinderte Arvid (genannt Hitman) spielt Gitarre bei Swing-Tanzabenden, besitzt eine umfangreiche Schelllackplattensammlung mit bedeutender Swing-Musik und kann Musiker und Stücke mit verbundenen Augen erkennen. Otto gehört zu der Clique und spielt mit Arvid gemeinsam in einer Swing-Band. Daneben gibt es noch Emil Lutz, einen der ersten Swing Kids in Hamburg, der inzwischen in die Hitlerjugend (HJ) eingetreten ist, Boxtrainings anleitet und sich zu einem überzeugten Nationalsozialisten entwickelt hat. Peters kleiner Bruder Willi konfrontiert Peter mit Fragen nach den Ereignissen im Jahr 1933 und der Ursache für den Tod des Vaters („Haben sie ihn da krank gemacht?“), nach der politischen Einstellung des verstorbenen Vaters („War Papa Kommunist?“) und nach der Beziehung des Vaters zu seinen Söhnen („Er hatte uns lieb? Oder? Oder nicht?“).

Die Jugendlichen Arvid, Peter Thomas und Otto sammeln unterschiedliche Erfahrungen und machen eine unterschiedliche Entwicklung – mit Folge für die Ausgestaltung ihrer Freundschaft – durch. Arvid erlebt Bedrohung, Verfolgung und Gewalt, sieht die politischen Entwicklungen kritisch, will keine Zugeständnisse machen und scheidet – angesichts einer angekündigten Inhaftierung – durch Selbstmord aus dem Leben. Thomas tritt – zunächst aus Freundschaft zu Peter – in die Hitlerjugend ein und setzt darauf, tagsüber Hitlerjugendlicher und nachts Swing Kid zu sein, entwickelt sich aber zu einem überzeugten Nationalsozialisten. Peters schmerzhafter Entwicklungsprozess, seine Erschütterung durch den Selbstmord von Arvid, seine Auseinandersetzung mit der Musik seines Vaters, seine Erfahrungen mit Razzien in den Tanzlokalen und dem Verbot von Swing-Musik (bezeichnet als Nigger-Juden-Musik) sowie Swing-Tanz und mit der Verfolgung ihrer Anhänger, sein inneres Ringen um sein Verhältnis zum toten Vater und dessen politischem Handeln, seine Bindung an die Wünsche der Mutter, der er versprach, nichts Gefährliches zu tun, und die Angst vor einer erneuten Form der Verfolgung artikuliert, seine Erfahrungen mit den Nationalsozialisten und den von ihnen Ermordeten bewirken ein entschiedenes Eintreten für ein freies Leben, das durch Swing repräsentiert wird. Der Film endet mit seiner Verhaftung.

Den Swing Boys werden Nationalsozialisten gegenüber gestellt, u. a. der Blockwart Hinz, der das Sammeln für das Winterhilfswerk bei Peters Mutter dazu nutzt, diese zu bedrohen. („Ich dachte, mit Ihrer Vergangenheit sollten Sie meinen Schutz zu schätzen wissen!“). Daneben der Gestapo-Mann, Herr Knopp, der Peters Mutter verhört und sie befragt, ob sie noch Verbindungen zu den Freunden ihres verstorbenen Mannes habe; das Verhör wird begleitet durch erotische ‚Anmache' und Hilfsangebote.

Daneben gibt es Erwachsene, die dem NS-Regime kritisch oder distanziert gegenüber stehen, so der Buchhändler, Herr Schümler, bei dem Peter als Laufbursche arbeitet und der dafür sorgt, dass gefälschte Pässe Verfolgte erreichen, damit sie fliehen können; oder Frau Linge, deren ebenfalls verfolgter und verstorbener Mann Peters Vater kannte und ihn sehr wertschätzte und die sich auf eine Flucht vorbereitet.

Der Film zeigt, wie im Hamburg im Jahr 1939 quasi Parallelwelten existieren. Während auf der Straße Gewalt und Verfolgung zunehmen, erscheinen die Tanzpaläste, in denen Swing-Musik gespielt wird, wie Oasen. Eine kleine Weile scheint es so zu sein, dass man der Verfolgung durch Tricks oder durch Flucht entkommen kann, dann aber kommt es zu Schikane, Gewalt, Verfolgung und Verhaftung.

Im Verlauf des Films spitzen sich die politischen Ereignisse und die Situationen innerhalb der verschiedenen Familien zu. Während am Anfang in beeindruckenden Tanzszenen Swing-Musik und Swing Tanz vorgeführt wird, werden zunehmend Razzien und in einer späteren Szene die Registrierung und Verhaftung der Teilnehmer einer Tanzveranstaltung gezeigt.

Die Protagonisten im Film ‚Swing Kids' werden mit der Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten konfrontiert. Sie erleben, dass ein verfolgter Mann von einer Eisenbahnbrücke in die Elbe springt und erschossen wird. Später wird eine Prügelszene gegenüber einem Jungen gezeigt, der von Willi als Swing Boy bezeichnet wird. Er holt seinen Bruder und dessen Freunde zur Hilfe. Als sie sich schützend einmischen und gegenüber den Hitlerjugendlichen erfolgreich sind, werden sie nun als „Verräter“ und später als „ein mieser Haufen Judenfreunde“ tituliert. Als Thomas und Peter ein Radio stehlen, das vorher selbst illegal angeeignet wurde, wird Peter verhaftet. Nur durch die Kontaktaufnahme seiner Mutter mit dem Gestapomann Knopp, den sie um Hilfe bittet, kann er einer Einweisung in ein Jugendstraflager entgehen und wird in seine Familie zurückgebracht. Peter tritt, auf dem Hintergrund von Erpressungen durch die Gestapo und angesichts der Angst seiner Mutter, erneut jeden Tag bespitzelt und bedroht zu werden, wie schon einmal vor sechs Jahren, in die Hitlerjugend ein; Thomas – aus Freundschaft – ebenfalls. Arvid sieht diese Entwicklung sehr kritisch. Er, der selbst angegriffen und verprügelt und dessen Hand versehrt wurde, prangert die Zugeständnisse an die Nationalsozialisten an und will selbst keine Kompromisse machen. Arvid begeht Selbstmord.

Der Film zeigt u. a. die Entwicklung der beiden Protagonisten Peter und Thomas. Während Thomas sich aufgrund intensiver Schulungen und scheinbar unterstützender Begegnungen innerhalb der HJ ihr immer stärker verschreibt und sogar seinen Vater denunziert, erkennt Peter in einer Folge von Ereignissen und Begegnungen, dass sein Vater ihn und seine Familie nicht im Stich ließ, sondern sehr achtenswert handelte. Am Ende des Films zieht er sich bewusst die Kleidung der Swing Boys an, um zum Tanzen zu gehen. Bei der Razzia steht er seinem Freund Thomas gegenüber, sie prügeln sich; Thomas erwürgt Peter fast, lässt ihn dann mit der Aufforderung, sofort zu fliehen, los, käme er doch sonst ins KZ. Peter aber lässt sich verhaften und singt dem ihn beobachtenden Gestapo-Mann Knopp das Lied von Duke Ellington (1943) „It don´t mean a thing, if it ain´t got a swing“ entgegen. Als er abtransportiert wird, reißt sein früherer Freund, der Hitlerjunge Thomas, die Hände hoch und ruft „Swing Heil“. Sein kleiner Bruder ruft ihm verzweifelt nach „Peter, Peter“, dann aber auch „Swing Heil“, wobei er nicht den Arm, sondern einen Regenschirm, Symbol der Swing Boys und ihrer Sympathie für Großbritannien, hochhält.

(2) In der folgenden Tabelle werden einzelne Orte, handelnde Personen und Konstellationen kurz zusammengestellt, die im Rahmen dieser Unterrichtsstunde durch den Film gezeigt werden (vgl. Tabelle 3: Personen, Orte und Inhalt des Films

„Swing Kids“, die in der transkribierten Unterrichtsstunde zum Thema werden, mit Verweis auf die Zeilen im Transkript).

Tab. 3 Personen, Orte und Inhalt des Films „Swing Kids“, die in der transkribierten Schulstunde zum Thema werden mit Verweis auf die Zeilen im Transkript

(3) Aus den mir vorliegenden Interviews, die von zwei verschiedenen Interviewerinnen (Eva Schwarz und Marion Pollmanns) mit einzelnen Schülern durchgeführt wurden, können zusätzliche Informationen zum Geschichtsunterricht entnommen werden. So wird deutlich, dass die Geschichtslehrerin, Frau Ö., die dritte Geschichtslehrerin in dieser Klasse ist. Zuvor hatten sie einen männlichen Lehrer, der viele Filme zeigte und wichtige Daten stichwortartig an der Tafel festhielt und abschreiben ließ, und eine zweite Lehrerin, die viel mündlich vortrug und ebenfalls – laut Aussagen der Schüler – schreiben ließ. Die Schüler kennen somit unterschiedliche Skripte des Geschichtsunterrichts und lernen das besondere Vorgehen ihrer neuen Lehrerin gerade erst kennen. Aus dem Interview mit Bert wird deutlich, dass die Schüler schon einige Informationen über den Nationalsozialismus anhand des Geschichtsbuchs erarbeitet haben, z. B. über Attentate auf Hitler.

 
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