Juristische Informationsgewinnung

Ein Jurist bedient sich zur Informationsgewinnung im Regelfall folgender Quellen:

1. Gesetzestext: Grundsätzlich gilt das traditionelle geflügelte Wort: „Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung.“ Viele Fälle sind durch schlichte Lektüre des Gesetzestextes lösbar, so dass die Herausforderung in solchen Fällen nur darin besteht, die passende Vorschrift zu finden. Im Zweifel ist auch eine Online-Recherche nach Gesetzestexten möglich und sinnvoll. Es existieren gute und seriöse kostenlose Angebote. Ein Beispiel ist „gesetze-im-internet.de“, ein Angebot der Juris GmbH, deren Anteilseigner mehrheitlich die Bundesrepublik Deutschland ist. Diese Gesetzestexte erheben den Anspruch auf Authentizität. Ebenfalls zu empfehlen ist „dejure.org“, ein ambitioniertes und gut aufbereitetes Projekt einer privatwirtschaftlichen GbR.

2. Kommentare: Diese sind neben dem Gesetzestext das wichtigste „Handwerkszeug“ des praktizierenden Juristen. Kommentare enthalten zu den Vorschriften des betreffenden Gesetzes ergänzende Informationen oder Materialien. Man erfährt in diesen oft recht dicken Printwerken in vertiefender Weise etwas über die Entstehungsgeschichte von Gesetzen und Vorschriften oder über Literaturmeinungen zur Auslegung bestimmter Merkmale und Rechtsbegriffe. Enthalten ist auch eine Zusammenstellung wichtiger gerichtlicher Entscheidungen. Ein Teil der Kommentarliteratur ist auch online beziehbar, allerdings (nachvollziehbarerweise) nur über kostenpflichtige Online-Dienste. In den Hochschulbibliotheken ist Kommentarliteratur regelmäßig in mehr oder weniger großem Umfang vorhanden und zum Teil auch entleihbar.

3. Lehrbücher: Neben diesem Lehrbuch existiert eine Fülle weiterer Lehrbücher zu allen Themen des Rechts. Zu beachten ist, dass sich diese zum Teil nur an bestimmte Zielgruppen richten. Beispielsweise wird es für einen DHoder FHStudierenden kaum sinnvoll sein, den „Medicus“ (Dieter Medicus/Jens Petersen, Bürgerliches Recht, Vahlen/Heymanns, jeweils aktuelle Auflage) zu beschaffen oder gar zu lesen. Dieses Lehrbuch ist für den Jurastudenten zur Examensvorbereitung gedacht. Auch bei anderen Lehrbüchern lohnt sich vor einer Kaufentscheidung die Einholung von Vorabinformationen über den Inhalt oder die didaktische Aufbereitung. Häufig sind Lehrbücher auch als eBooks digital beziehbar. Über Hochschulbibliotheken sind diese auch häufig kostenlos einsehbar. Im Internet veröffentlichte Lehrveranstaltungsskripte dürften – ohne ergänzende Erläuterungen aus den Vorlesungen – nur teilweise brauchbar sein.

4. Rechtsprechung (Gerichtsurteile): Etliche Gerichte, allen voran die Bundesobergerichte, stellen erfreulicherweise ihre wichtigen Entscheidungen im Internet zum kostenlosen Lesen und Herunterladen zur Verfügung. Dies ist für die juristische Tagesarbeit äußerst hilfreich. Beispielsweise können BGH-Urteile im Volltext sowie die entsprechenden Pressemitteilungen auf der Seite „bundesgerichtshof.de“ nachgelesen werden. Texte von Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtsfrei, dürfen also auch vervielfältigt oder verbreitet werden.

5. Fachaufsätze: Zur Vertiefung des Meinungsbildes oder zur Erläuterung neuer Gesetze oder gesetzgeberischer Richtungen bestehen viele, zum Teil sehr fach-spezifische juristische Fachzeitschriften mit einer kaum zu überblickenden Vielzahl an Fachaufsätzen. Ein Teil ist wiederum über kostenpflichtige OnlineDatenbanken beziehbar. Für den Studierenden, der das Fach Recht im Nebenfach belegt, wird es allenfalls zur Anfertigung einer Projektoder der abschließenden Bachelorarbeit erforderlich sein, auf solche Aufsätze zurück zu greifen. Ansonsten dürfte es ausreichen, das – beispielsweise in diesem Lehrbuch gesammelte – „herrschende“ Basiswissen zu erlernen.

6. Online-Suchmaschinensuche: Internet-Suchmaschinen wie etwa Google („google.de“) sind für viele Juristen zu einem täglichen Arbeitsmittel geworden. Allerdings ist Vorsicht geboten: Die Qualität der gefundenen Beiträge lässt vielfach zu wünschen übrig. Zitierfähig für die Bachelorarbeit werden nur wenige Quellen sein. Häufig sind diese aber ein guter Einstiegspunkt für eine weiterführende Suche oder weiterführende Überlegungen. In jedem Falle wird vor einer Nachahmung der verbreiteten unkritischen „Copy-und-Paste-Mentalität“ abgeraten, zumal wenn nicht korrekt zitiert wird. Diese Vorgehensweise stellt bei Prüfungsleistungen (z. B. Projektarbeit, Bachelorarbeit) einen Täuschungsversuch dar und ist darüber hinaus rechtswidrig und ggf. sogar strafbar. Eine interessante und ambitionierte Alternative zur Suchmaschinensuche stellen strukturiert angelegte Projekte wie die „Virtuelle Fachbibliothek Recht“ der Staatsbibliothek zu Berlin dar („vifa-recht.de“).

Soweit auf fremdes Gedankengut zurückgegriffen wird, gilt das Gebot zu zitieren. Bei Gesetzestexten wird nicht zitiert, aus welcher Ausgabe eines Gesetzbuchs oder aus welcher Gesetzessammlung sie stammen. Es kann lediglich die Quelle im Bundesgesetzblatt (BGBl.) angegeben werden, falls es sich um ein neues Gesetz oder eine bestimmte Fassung eines Gesetzes in der Vergangenheit handelt. Kommentarmeinungen werden gemeinhin anhand von Randziffern zitiert (z. B. Palandt/ Heinrichs, BGB, 70. Aufl. 2010, § 357, Rz. 5). Gerichtsurteile werden nach Urteilsdatum und Aktenzeichen oder nach der Fundstelle in einer Zeitschrift zitiert (z. B. BGH, Urteil v. 9.10.2009 – V ZR 178/08 oder BGH, NJW 2010, 363). Im Fol-genden werden an manchen Stellen gerichtliche Entscheidungen, vorrangig solche des BGH, zusammen mit einem Aktenzeichen zitiert. Diese mögen den Leser im Zweifel ermuntern, eine solche Entscheidung bei Gelegenheit zur Hand zu nehmen und zu lesen. Eine zwingende Klausurvoraussetzung oder Begleitlektüre zum Verständnis dieses Lehrbuchs ist dies allerdings nicht.

 
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