Klausuren

In den Klausuren des Fachs Recht steht nicht die Abfrage von Wissen im Vordergrund. Der Prüfer will vielmehr wissen, ob der Studierende ein gewisses Verständnis für die Systematik der Gesetze und die Bedeutung von Vorschriften oder von Rechtsbegriffen aus solchen Vorschriften aufbringt. Aus diesem Grunde bietet sich an, Fallklausuren zu stellen. Hier wird erwartet, dass der Studierende – regelmäßig in vollständigen Sätzen – einen gestellten Sachverhalt rechtlich einordnen und einer zumindest vertretbaren Lösung zuführen kann. Da die Sprache das

Abb. 1.2 Auslegungsmethoden

Handwerkszeug des Juristen ist, sollte einer Lösung in Stichworten grundsätzlich nicht der Vorrang gegeben werden. Ob der Studierende den „roten Faden“ seiner Lösung sieht und darstellen kann, beurteilt sich nicht zuletzt auch an der Fähigkeit, dies sprachlich darzustellen. Vertretbar kann eine Meinung oder Lösung auch dann sein, wenn sie nicht die Ansicht des BGH oder des Lehrbeauftragten widerspiegelt. Ein Punkteabzug sollte hier sinnvollerweise nicht gemacht werden. Die Lösung darf lediglich nicht auf abstrusen Denkansätzen oder unrealistischen Lösungswegen beruhen. In diesem Falle kann die Abwertung spürbar sein. Die Abgrenzung zwischen Vertretbarem und Unvertretbarem kann im Einzelfall schwierig sein und ist vom Korrektor der Klausur (regelmäßig der Lehrbeauftragte selbst) wertend zu ermitteln.

Eine unverzichtbare Grundlage für die Klausur ist das Gesetz bzw. ein Gesetzestext, der dem Studierenden als Hilfsmittel zur Verfügung steht. Zu beachten ist, dass es keine einheitlichen Richtlinien dafür gibt, ob und ggf. in welchem Umfang handschriftliche Eintragungen in Gesetzbüchern zulässig sind. Hier sollte der Studierende den Lehrbeauftragten gleich zu Beginn der Lehrveranstaltung fragen, wie er oder die betreffende Studieneinrichtung diesen Punkt handhabt. Sinnvollerweise sollten Unterstreichungen, das Einfügen von Reitern zum Auffinden bestimmter Stellen in einem Gesetz sowie das Einfügen einzelner Worte auf einzelnen Seiten zulässig sein. Häufig werden die weißen Gesetzesbücher aus dem Beck/dtv-Verlag zur Anschaffung empfohlen. Dabei wird zu selten beachtet, dass es Gesetzessammlungen geben kann, die auf die speziellen Bedürfnisse eines Studiengangs besser zugeschnitten und die am Ende womöglich auch kostengünstiger in der Anschaffung sind. Es kann sich lohnen, sich vor der Ausgabe von Empfehlungen einen Marktüberblick zu verschaffen. Der Verfasser dieses Lehrbuchs empfiehlt seinen Studierenden beispielsweise die Gesetzessammlung „Zivilrecht Wirtschaftsrecht“ aus der „stud.iur“-Reihe des Nomos-Verlags bzw. Berens/Engel, Wichtige Wirtschaftsgesetze für Bachelor (NWB-Verlag, 2 Bände), jeweils in der aktuellen Auflage.

Bei Klausuren bietet es sich an, sich die Zeit effektiv einzuteilen und zunächst ein Konzept anzufertigen. Als grobe zeitliche Aufteilung gilt 1/4 Konzept – 3/4 Ausarbeitung. Im Konzept wird die Lösung stichwortartig gegliedert. Dadurch wird es erleichtert, die problematischen Stellen einer Fallgestaltung zu erkennen. In der Ausarbeitung kann dadurch das Unwichtige vom Wichtigen besser getrennt

werden und das Unwichtige entsprechend kurz abgehandelt oder gar ganz weggelassen werden.

 
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