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2.2 Marke

Für die Emission einer Anleihe spielt der Bekanntheitsgrad eines Unternehmens eine wichtige Rolle. Bei institutionellen Investoren sind hier Unternehmen, die bereits auf dem Kapitalmarkt präsent sind, zweifellos im Vorteil. Bei Privatanlegern steht der Bekanntheitsgrad allem Augenschein nach an zentraler Stelle, oftmals noch vor dem Kupon und etwa der Ratingnote. Zu den erfolgreichsten Mittelstandsanleihen zählten so vor allem Marken mit Consumer-Produkten wie etwa Valensina (April 2011, 7,38 % Kupon, 50 Mio. €, nach zweieinhalb Stunden bereits fünffach überzeichnet), aber auch Seidensticker, Schneekoppe, Underberg oder Katjes und Bastei Lübbe. Sowohl was die Platzierung als auch die Performance im Handel betrifft, sind in der breiten Masse gut bekannte Unternehmen – sogenannte household names – erfolgreicher als andere Firmen[1].

Dass das aber nicht zwangsweise so sein muss, beweisen sehr erfolgreiche Anleiheemissionen wie etwa Golden Gate (Immobilien), die zeitgleich mit Valensina im April 2011 bei einem Volumen von 30 Mio. € und mit einem Kupon von „nur“ 6,50 % trotzdem überzeichnet war. Allerdings konnte Golden Gate als einer der wenigen Emittenten auch auf ein Anleihenrating durch Creditreform zurückgreifen, das die Anleihe mit BBB sogar besser bewertete als das Unternehmen (BB). Der Grund für diese hohe Bewertung der Anleihe lag in der Tatsache, dass sie durch eine Immobilie besichert war – was gerade bei den institutionell geprägten Anlegern auf Interesse gestoßen sein dürfte. Gleichzeitig hatte Golden Gate auf jegliche Marketingmaßnahmen rund um die Anleihe verzichtet. Auch der einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannte Metall-Recycler Scholz konnte seine Anleihe in Höhe von 150 Mio. € bereits am ersten Tag der Zeichnung voll platzieren, hier war allerdings ein Zins von 8,50 % versprochen. Die schwierige Situation des Unternehmens rechtfertigte im Nachhinein allerdings diesen hohen Kupon.

2.3 Emissionsvolumen

Die Bestimmung des Emissionsvolumens ist von einer ganzen Reihe von Kriterien abhängig. Zum einen spielt selbstverständlich der Finanzierungsbedarf eine wesentliche Rolle, allerdings gibt es im Unterschied zum Bankkredit, der sich möglichst exakt am tatsächlichen Investitionsbedarf orientiert, hier noch weitere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. So bauen vorsichtige Emittenten im Anleihevolumen einen „Sicherheitspuffer“ ein. Sollte das in den Anleihebedingungen vorgesehene maximale Anleihevolumen („bis zu“) nicht erzielt werden, so muss der Finanzierungszweck dennoch erreicht werden können. Das heißt auch, dass nicht jedes Unternehmen tatsächlich auf den Zufluss des gesamten Nominalvolumens angewiesen ist, ein Umstand, der auch für die sogenannte „Nachplatzierung“ von Bedeutung ist.

Viele Börsen verlangen für ihre Anleihesegmente ein gewisses Mindestvolumen einer Emission. Die Bandbreite beträgt dabei 10 bis 25 Mio. € beziehungsweise 100 Mio. € bei Berücksichtigung des Prime Standards der Börse Frankfurt. Hintergrund ist neben einer schlichten Kosten-Nutzen-Rechnung die spätere Handelbarkeit der Anleihe. Bei allzu geringen Emissionsvolumina kann die Gewährleistung eines ordnungsgemäßen Börsenhandels problematisch werden. Die schlichte Faustregel lautet also, je höher das Emissionsvolumen, desto höher die After-Market-Liquidität[2].

Gerade die größeren Investoren benötigen eine rege Handelstätigkeit, um sich jederzeit von Investments trennen, aber auch um eine laufende und aktuelle Bewertung vornehmen zu können und um Klumpenrisiken zu vermeiden. Allerdings scheint hier Bewegung in den Markt gekommen zu sein und es gibt die Beobachtung aus der Praxis, dass das Verhältnis von Emissionsvolumen zu Handelbarkeit keinesfalls so eng ist wie angenommen[3]. Institutionelle Investoren entscheiden sich, „bei solide strukturierten Mittelstandsanleihen mit attraktiven Konditionen und Zinskupons auch gerne für eine Hold-to-Maturity-Strategie und legen deshalb keinen Wert auf einen regen Sekundärmarkt“[4].

So wurden inzwischen verstärkt auch kleinere Emissionen mit gewissem Erfolg begeben. Auch das Feld der institutionellen Investoren ist breit aufgefächert und hier gibt es durchaus kleinere Family Offices oder Stiftungen, für die auch Emissionen mit einem geringeren Volumen eine interessante Alternative darstellen können, ihre Rendite aufzubessern. Meist halten diese, ähnlich wie Privatanleger, das Investment bis zum Fälligkeitsende. Das könnte zur Folge haben, dass es in Zukunft verstärkt auch zu Emissionen unterhalb der „magischen“ 25 Millionen-Schwelle kommt. Bisher mussten Unternehmen auch bei geringerem Kapitalbedarf entweder ihre Emission in verschiedene Tranchen unterteilen oder bewusst mehr Kapital aufnehmen, als sie gemäß Mittelverwendungsplan eigentlich benötigten.

Ein dritter Aspekt bei der Bestimmung des Emissionsvolumens sind die Fundamentaldaten des Unternehmens: Wie verändert sich das Verhältnis von Eigenzu Fremdkapital, wie hoch ist das begebene Emissionsvolumen in Relation zur Bilanzsumme, welchen Anteil an den Umsatzerlösen bzw. am EBIT haben künftige Zinszahlungen etc. Da im Gegensatz zum Bankkredit all diese Relationen der Öffentlichkeit – Investoren, Analysten und Journalisten – bekannt gegeben werden, kann dies durchaus auch zu einem kritischen Echo führen und sich kontraproduktiv auf das erzielte Emissionsvolumen auswirken.

  • [1] Vgl. Fuerpass jr, H.: Der österreichische Corporate Bond-Markt, in: Bond Yearbook 2011/12, Wolfratshausen 2011, S. 73, der sich dabei ausdrücklich auf Deutschland und Österreich bezog
  • [2] Vgl. Meinerzag, R.: Wer zeichnet Mittelstandsanleihen? In: Bond Yearbook 2011/12, Wolfratshausen 2011, S. 35
  • [3] Der handelsaktivste Fonds an der Frankfurter Börse, so eine Auswertung aus dem Jahr 2011, war die mit nur einem Volumen von 15 Mio. € ausgewiesene Anleihe der SeniVita Sozial GmbH, so Meinerzag, R., Yearbook, a. a. O., S. 35
  • [4] Meinerzag, R.: Liquider als gedacht?, in: GoingPublic Special „Anleihen 2012“, S. 48
 
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