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2.4 Kupon

Beim Kupon muss das Unternehmen den Spagat zwischen dem, was es zu zahlen bereit ist und was der Markt erwartet, finden. Die Markteinschätzung wechselt jedoch und was noch vor drei Monaten als ausreichend empfunden wurde, kann schnell zu wenig werden. Hier muss genau beobachtet werden, was der Markt verlangt und wie sich die „Konkurrenz“ verhält. Die Kupons liegen (ohne Berücksichtigung des Prime Standards für Anleihen) überwiegend zwischen 6,5 und 8,5 %, die Range reicht allerdings von 5,00 % (PCC III – mit einer Laufzeit von allerdings nur einem Jahr, aber mit 5,875 % liegt auch die HELMA Eigenheimbau mit ihrer bereits zweiten Anleihe im September 2013 auf sehr niedrigem Niveau) und 11,5 % (Air Berlin, allerdings bereits die dritte Anleihe der Fluglinie). Die laut Anleihen-Finder im Oktober 2013 insgesamt 191 Anleihen wiesen einen Durchschnitts-Kupon von 6,83 % auf.[1]

Die Erwartung an die Höhe der Kapitalverzinsung ist selbstverständlich ursächlich mit dem eingegangenen Risiko verbunden. Dieses zu analysieren hilft ein Rating, doch trotzdem besteht kein eindeutiger Zusammenhang zwischen den Ratingergebnissen und der Höhe des Zinssatzes. Aufgrund des hohen Anteils an Privatanlegern bei Mittelstandsanleihen spielen hier vor allem die Bekanntheit, die Marke und die bisherigen Erfahrungen mit dem Produkt/den Produkten des Emittenten eine herausragende Rolle für die Investitionsentscheidung.

Bei der Wahl des Kupons sollte sich der Emittent von seinem Emissionsbegleiter – an der Börse München beispielsweise zwingend über die gesamte Laufzeit der Anleihe vorgeschrieben – als Experten auf dem Kapitalmarkt beraten lassen. Hinweise bieten etwa die Renditeentwicklung von Mittelstandsanleihen (ablesbar beispielsweise beim bondm-Index der Börse Stuttgart) sowie vergleichbaren Corporate Bonds mit Non-Investmentgrade. Je höher hier die Renditen steigen, desto höher sind die Erwartungen des Kapitalmarktes an Neuemissionen.

2.5 Rating

Die Anforderungen an das Rating waren pro Börsenplatz sehr unterschiedlich. Sie reichten vom vollständigen Verzicht auf ein Rating (Hamburg-Hannover), zur Forderung nach einem Rating, egal welcher Ausprägung (Stuttgart und Frankfurt) bis hin zu einem Mindestrating, das im Segment m:access der Börse München mit BB + am strengsten gehandhabt wurde, während Düsseldorf BB einforderte. Sowohl München als auch Düsseldorf verzichten inzwischen auf ein bestimmtes Mindestrating. Da im Prozess der Anleihebegebung das exakte Ratingergebnis gewöhnlich lange nach der Wahl des Börsenplatzes erfolgte, führten die Mindestratings der beiden Börsen zu einem Ausschluss im Vorhinein von Unternehmen, deren Rating vielleicht sogar noch ausreichend gewesen wäre. Da – siehe unten –auch ein eher vager Zusammenhang zwischen der tatsächlich verhängten Ratingnote und der späteren Insolvenz besteht und manchmal auch Folgeratings wesentlich schlechter ausfielen als das Erstrating, war der Schritt auf einen Verzicht des Mindestratings nur logisch. Am häufigsten wird derzeit ein Rating außerhalb des Investment Grades vergeben. Häufigster Rating-Geber ist die Creditreform. Allerdings wird ganz überwiegend ausschließlich das Unternehmen, und nicht die Anleihe im Einzelfall bewertet.

Unter den Ratingagenturen dominieren die auf den deutschen Mittelstand fokussierten Agenturen Creditreform und Euler Hermes, während die Agentur Scope nicht in Auftrag gegebene eigene Einschätzungen veröffentlichte, um sich für den Markt anzubieten. Die „großen Drei“ S&P, Moody's und Fitch spielen aus verschiedenen Gründen im Bereich der Mittelstandsanleihen keine allzu große Rolle, auch wenn es immer wieder Überlegungen gibt, doch noch in dieses Marktsegment vorzustoßen. Jüngst signalisierte die Agentur Feri, sich auch im Markt der Mittelstandsanleihen beteiligen zu wollen. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass die kleineren deutschen Agenturen im Schnitt ein besseres Rating erteilen als die großen angelsächsischen Pendants – allerdings gibt es bisher noch kein „Doppelrating“ einer großen und einer kleinen Agentur zum direkten Vergleich. Welchen Stellenwert das Ratingergebnis hingegen bei den Privatanlegern einnimmt, ist nur schwer zu beurteilen. Wie sich die großen Investoren langfristig verhalten und ob sie Vertrauen zu den kleineren Ratingagenturen aufbauen, bleibt abzuwarten.

Es gibt keine 100 %ige Korrelation zwischen Ratingergebnis und Kupon, weil dieser von einer Reihe anderer interner und externer Faktoren abhängt. So kommt es immer wieder dazu, dass zwei gleichzeitig laufende Anleihen mit dem gleichen Rating unterschiedliche Zinssätze aufweisen. Die Spreizung liegt dabei oftmals bei mehr als drei Prozentpunkten – ein bei gleichem Rating doch erstaunlich hoher und bei anderen Anlageprodukten nicht auftretender Unterschied.

Die Bedeutung des Ratings für das Unternehmen selbst ist jedoch gar nicht hoch genug zu veranschlagen, bietet es doch auch für das eigene Management aussagekräftige Informationen von dritter Hand und kann etwaige interne Risikofaktoren identifizieren. Selbstverständlich bildet die Rating-Note einen wichtigen Bestandteil in der Unternehmenskommunikation gegenüber Kunden, Lieferanten und potenziellen Geldgebern. Nicht zuletzt kann das Rating auch eine Basis für attraktivere Kreditkonditionen mit Banken darstellen[2].

  • [1] Da es keine eindeutige Definition von „Mittelstandsanleihen“ gibt, weist der AnleihenFinder 191 Anleihen, der Bond-Guide beispielsweise „nur“ 137 Anleihen auf, das BondMagazine als dritte auf Anleihen spezialisierte Publikation 101
  • [2] Vgl. Munsch, M.: Aufgabe und Wirkung von Ratings mittelständischer Unternehmen und ihrer Anleihen, in: Bösl, K. Hasler, P.T. (Hrsg.): Mittelstandsanleihen. Ein Leitfaden für die Praxis, Wiesbaden 2012, S. 79f
 
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