< Zurück   INHALT   Weiter >

5 Wie entwickeln sich Anleihen an den Börsen – eine Bestandsaufnahme

5.1 Handel von Corporate Bonds

Corporate Bonds richten sich aufgrund ihrer Höhe und Ausgestaltung ausschließlich an institutionelle Investoren. Diese handeln sie überwiegend untereinander, so dass geschätzt 90 % des Handels mit Corporate Bonds OTC, also außerhalb der Börsen, stattfinden. Zu den großen Playern im Anleihenhandel in Europa zählen denn auch die großen Investmentbanken, neben der Deutschen Bank sind dies HSBC, Barclays, JP Morgan Chase und BNP Paribas.

Allerdings dürfte in den nächsten Jahren die Anzahl an Corporate Bonds stark steigen. Während sich in den USA etwa 70 % der Unternehmen über Corporate Bonds und nur 30 % über Bankkredite finanzieren, ist es in Deutschland noch immer genau umgekehrt. Auch unter den größeren Emissionen finden sich vermehrt kleinere Stückelungen, um Retail Anleger als potenzielle Investoren ansprechen zu können.

Branchenkenner erwarten, dass in naher Zukunft auch beim Anleihehandel automatisierte Computerprogramme (Hochfrequenzhandel) die Vorherrschaft übernehmen werden, wie bereits im Aktienhandel geschehen. Derzeit sind die Gewinnmargen im Anleihehandel deutlich höher als beim Handel mit Aktien, was diesen Prozess noch beschleunigen dürfte.

Die Frankfurter Börse hat in diesem Jahr den sog. „Prime Standard“ für Anleihen geschaffen, in welchen ausschließlich Anleihen im Volumen von mindestens 100 Mio. € notiert sein können. Es handelt sich dabei um professionell per Fremdemission an überwiegend institutionelle Anleger begebene Anleihen. Der Markt für solche typischen Corporate Bonds bewegt sich in Deutschland bei etwa 50 Mrd. €, davon etwa zwei Drittel mit Investment-Grade, das weitere Drittel als High-YieldAnleihen. Letztere werden im Freiverkehr gehandelt. Auch bei diesen Anleihen spielen Privatanleger üblicherweise keine Rolle, der Handel findet fast ausschließ-lich OTC statt. Das neue Segment der Frankfurter Börse soll ausdrücklich dazu führen, dass mehr Handel von Anleihen transparent über die Börse stattfindet.

5.2 Handel von Mittelstandsanleihen

Aufgrund der inzwischen relativ hohen Anzahl an unterschiedlichen Mittelstandsanleihen können aus ihnen bereits erste Anlagestrategien und Musterdepots entwickelt werden, die sich aufgrund der überwiegend hohen Kupons relativ positiv entwickeln.

Der vierzehntägig erscheinende BondGuide etwa hat ein Musterdepot mit elf Anleihen aufliegen (Stand Oktober 2013). Im ersten Jahr – Start war Mitte August 2011– verzeichnete das Musterdepot einen Zuwachs von immerhin 11,3 %, von August 2011 bis Oktober 2013 betrug die Steigerung immerhin 27,6 %. Gleich drei Musterdepots von unterschiedlichen Kapitalmarktexperten hat der Anleihen-Finder zusammengestellt. Hier sind zwischen drei und neun Anleihen vertreten, die eine Performance – mit Stand September 2013– von 1,67, 3,54 und 24,21 % aufwiesen. Also auch bei Mittelstandsanleihen kommt es auf die richtige Auswahl an.

Ein wesentliches Kriterium bei der Anlage in Anleihen ist der jeweilige Einstiegskurs. Mit Stand Mitte August bewegten sich die Kurse immerhin zwischen 0,01 € (der insolventen SIAG Schaaf AG) und 126,65 € der RWE (Oktober 2013).

Die Börse Stuttgart veröffentlicht seit September 2011 den bondm-Index mit allen in bondm gelisteten Anleihen. Er bewegt sich zwischen 100,82 (Jahreshoch) und 89,42 (Jahrestief).

Gleich mehrere Indizes gibt die Deutsche Börse heraus mit dem XETRA Prime Standard Corporate Bond Price Index und dem XETRA Entry Standard Corporate Bond Price Index, beide gibt es auch als Total Return Indizes. Sie umfassen jeweils alle Anleihen der Segmente. Im Oktober 2013 notierte der Prime Standard Index knapp unter 100 %, der Entry Index bei etwa 94 %.

Die Online-Publikation Anleihen-Finder gibt seit Mitte März den MiBoX Performance Index heraus (Micro Bond Index). In ihm sind vierzig Mittelstandsanleihen von vier Börsen gelistet mit einem Anleihenvolumen von 2,175 Mrd. €. Er pendelte seitdem bei etwas mehr als 99 % (Höchstwert bei Ausgabe) und liegt mit Stand November 2013 bei etwa 96 %. Die Performance im Jahr 2011 lag bei − 3,67 %, 2012 kletterte sie auf + 3,10 %, 2013 sank sie wieder auf 0,64 % (bis Oktober).

Das Augsburger Analysehaus GBC gibt seit Juli 2013 den GBC MAX heraus. Er soll ein Qualitätsindex sein und will Standards setzen. So müssen die hinter den Anleihen stehenden Unternehmen mindestens ein Rating von BBvorweisen, außerdem muss die Mindestrendite einen Mindestaufschlag von 150 Basispunkten auf die deutsche Umlaufrendite aufweisen. Mit Stand September 2013 lag die Mindestrendite deshalb bei 3,15 % – der Index umfasste zu diesem Zeitpunkt 50 Anleihen. Reguläre Anpassungen des Index finden monatlich statt, außerordentliche im Wochenrhythmus.

Die Close Brothers Seydler Bank AG hat die Entwicklung der Mittelstandsanleihen an den Börsen verfolgt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass im Zeitraum Anfang April bis Anfang September 2011 der DAX mehr als ein Viertels seines Wertes verlor, der Mittelwert aller gelisteten Mittelstandsanleihen vergleichsweise aber nur von 101,2 % auf 97,1 zurückging[1]. Wobei hier vor allem branchenbedingte Sachverhalte für die Kursminderung verantwortlich seien – immerhin wiesen zu der Zeit Werte aus den Erneuerbaren Energien einen Anteil von 42 % auf.

Auch wenn der Handel von Mittelstandsanleihen für viele Anleger nicht an erster Stelle steht, so bewahrheitet sich im Großen und Ganzen doch, dass sich Anleihen relativ unabhängig von Aktienkursen entwickeln. So hat die Close Brothers Seydler Bank AG weiterhin nachgerechnet, dass Mittelstandsanleihen bereinigt um Erneuerbare Energien-Werte und Luftfahrt (im Speziellen die Air Berlin-Anleihen, die aufgrund spezifischer Probleme deutlich unter 100 % notieren) während des Werteverlustes im DAX eine Rendite von 3 % aufwiesen, einschließlich der Zinsen. Inzwischen gibt es erste Mittelstandsanleihenfonds, wie etwa den Anfang Juli für institutionelle Investoren von der WGZ Bank aufgelegte WGZ-MittelstandsRentenfonds, betreut von dem Frankfurter Vermögensverwalter Johannes Führ Asset Management. Dieser hat bereits einen eigenen Mittelstandsfonds unter der Bezeichnung Johannes Führ Mittelstands-Rentenfonds mit einem Volumen von inzwischen immerhin 55 Mio. € ausgegeben. Daneben gibt es beispielsweise noch den German Mittelstand Fund der Wertpapierhandelsbank Steubing AG oder den BayernInvest Deutscher Mittelstandsanleihen ETF.

Gerade im noch jungen Feld der Mittelstandsanleihen kann ein Fonds hilfreich sein, der die generell hohe Verzinsung bündelt und das Risiko minimiert. Denn meist mischen die Fonds-Manager auch größere Emissionen mit kleineren. Mit der Zunahme weiterer Mittelstandsanleihen an den bisher bereits frequentierten Börsenplätzen wird die Neigung zum reinen Handel mit diesen Fonds zunehmen. Immer aber wird ein großer Teil der Anleger ihre Anleihen halten und auf Verzinsung samt Rückzahlung setzen.

  • [1] „Ohne die Bereiche erneuerbare Energien und Luftfahrt notieren Mittelstandsanleihen über 100 %“, Interview mit Parmantier, R. und Nelles, M., in: Bond Yearbook 2011/12, Wolfratshausen 2011, S. 30–33
 
< Zurück   INHALT   Weiter >