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2 Das Vorgehen bei der Nutzwertanalyse

Das übliche Vorgehen bei einer Nutzwertanalyse läuft in den in Tab. 2.1 dargestellten und anschließend erläuterten Schritten ab. Es empfiehlt sich dringend, die Reihenfolge einzuhalten und ihr stringent zu folgen.

Schritt 1: Organisation des Arbeitsumfelds

Es ist müßig darauf hinzuweisen, dass ein konstruktives Arbeitsumfeld zu schaffen ist, bevor eine Nutzwertanalyse als Entscheidungsverfahren durchgeführt werden kann. Insbesondere, wenn eine weit tragende, wichtige oder gar irreversible Lösung gefunden werden soll, ist dieser formale Aufwand gerechtfertigt. Was konkret ist zu organisieren?

Moderator: Er führt, muss die Methodik und ihre Varianten kennen und das Auftreten haben, sich über hierarchische Grenzen hinwegzusetzen.

Teilnehmerkreis: Am Prozess nehmen all jene teil, die entweder für ihren jeweiligen Bereich entscheidungsbefugt sind oder die eine spezifische Expertise einbringen können. Die Anzahl der involvierten Personen sollte erfahrungsgemäß mindestens drei, höchstens jedoch 20 Personen umfassen. Ideal ist eine Gruppengröße von fünf bis zehn Personen. Es werden möglichst keine Vertreter geschickt. Verfügungsmacht bzw. Expertise sind die Eintrittskarten. Auch soll der Personenkreis stabil bleiben. Unterschiede in der Hierarchie wirken sich erfahrungsgemäß nicht nachteilig aus, sofern sanktionsfrei argumentiert werden darf. Der Teilnehmerkreis muss keinerlei Kenntnisse über die Funktionsweise der Nutzwertanalyse besitzen, aber dem Moderator folgen.

Zeitbudget: Da der Prozess mindestens zwei, meist jedoch mehrere Stunden dauert, ist ausreichend Zeit zu reservieren.

Tab. 2.1 Vorgehen bei der Nutzwertanalyse

Kontinuität der Arbeit: Es ist nicht erforderlich, sich wie das Kardinalskollegium bei der Papstwahl einzuschließen und erst dann wieder ans Licht der Öffentlichkeit zu treten, wenn weißer Rauch aufsteigt. Im Gegenteil: Oft werden während des Prozesses weitere Informationen benötigt, so dass der ständige Kontakt zu Fachexperten erforderlich sein kann. Aber es ist selbstverständlich von Vorteil, wenn ein konzentriertes Arbeiten, ohne von Anrufen oder vom Tippen auf Smartphones abgelenkt zu werden, möglich ist.

Schritt 2: Benennung des Entscheidungsproblems

Die Nutzwertanalyse wird für zwei Arten von Entscheidungsproblemen eingesetzt:

• Erstens dient sie dazu, ein Auswahlproblem zu entscheiden. Entweder ... oder. Die Anzahl von Alternativen, die zur Disposition gestellt werden, ist mindestens zwei und höchstens eine Menge, bei der eine sinnvolle Unterscheidung zwischen den Alternativen noch möglich ist. Typisch ist eine Menge von ca. fünf Alternativen, darüber hinaus wird die Fähigkeit von Teilnehmern immer geringer, konzentriert die Individualitäten der Alternativen zu betrachten. Sie „verschwimmen“. Natürlich ist auch möglich, sich gegenseitig ausschließende Handlungsalternativen zu vergleichen, etwa dann, wenn eine Produkteinführung ansteht. Die Auswahl besteht dann zwischen den Alternativen „Machen“ oder „Nicht machen“.

• Zweitens dient die Nutzwertanalyse dazu, eine vorgegebene Menge von Alternativen zu sortieren und sie somit zu priorisieren. Jede einzelne Alternative erhält durch das Verfahren einen Nutzwert, mittels dessen sie sich auf einer Intervallskala einordnen lässt.

Andere Fragestellungen, bei denen es um Tendenzen oder graduelle Entscheidungen geht („Wie viel Geld soll investiert werden?“), lassen sich mit dieser Methode nicht beantworten.

Tabelle 2.2 zeigt typische Fragestellungen aus Marketing und Vertrieb. Sie verdeutlicht aber auch, dass jedem Entscheidungsproblem auch eine Zielformulierung zugrunde liegt. Ob zunächst der Markteinstieg in Frankreich oder England – als durch die Nutzwertanalyse zu bewertende Handlungsalternativen – angegangen wird, ist nicht sinnvoll zu entscheiden, wenn nicht gleichzeitig bekannt ist, welches Ziel mit dieser Expansion ins Ausland erreicht werden soll. Je nachdem, ob Umsatz, Gewinn, Produktionsmengenausweitung, Bekanntheitsgrad oder andere Ziele im Vordergrund stehen, kann das weitere Verfahren (konkret: die Kriteriensammlung in Schritt 4) gänzlich andere Inhalte haben.

 
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