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Schritt 5a: Gewichtung mit Hilfe von Kriteriengruppen

Die Gruppierung von Kriterien verfolgt das Ziel, eine möglichst zieladäquate, also „gerechte“ Gewichtung der Kriterien vorzunehmen. Sinnvoll ist dies immer dann, wenn die Anzahl von Kriterien groß ist, z. B. über 20. Warum ist dieser Schritt erforderlich? Durch eine hohe Anzahl von Kriterien gelingt eine subjektive Gewichtung immer schlechter. Eine Summe von 100 Prozentpunkten auf fünf Kriterien zu verteilen, mag noch funktionieren, aber wenn es sich um vielleicht 25 Kriterien handelt, ist die Gefahr groß, tendenziell jedem Kriterium ein dem statistischen Mittel angenähertes Gewicht zuzugestehen, hier also 4 %. Ferner ist in der Praxis zu beobachten, dass den Teilnehmern zu unterschiedlichen Aspekten eines Entscheidungsproblems jeweils unterschiedlich viele Kriterien einfallen, je nachdem, ob sie

Tab. 2.5 Berechnung der Kriteriengewichte mit Hilfe von Kriteriengruppen

Kriteriengruppe

Gruppengewicht (%)

Kriterium

Kriteriumsgewicht innerhalb der Gruppe (%)

Gesamtgewicht des Kriteriums (%)

Gruppe A

40

Kriterium A1

40

16,00

Kriterium A2

10

4,00

Kriterium A3

25

10,00

Kriterium A4

25

10,00

Gruppe B

20

Kriterium B1

30

6,00

Kriterium B2

35

7,00

Kriterium B3

35

7,00

Gruppe C

15

Kriterium C1

15

2,25

Kriterium C2

15

2,25

Kriterium C3

30

4,50

Kriterium C4

20

3,00

Kriterium C5

20

3,00

Gruppe D

25

Kriterium D1

25

6,25

Kriterium D2

35

8,75

Kriterium D3

18

4,50

Kriterium D4

22

5,50

Summe

100

100,00

sich gut auskennen oder nicht. So kann das Ergebnis des fünften Schrittes sein, dass zu einem Aspekt A 10 Kriterien gefunden wurden, zum Aspekt B aber nur 3. Und jetzt wird das Problem deutlich: Selbst dann, wenn die Aspekte A und B gleich wichtig sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Summe der Gewichte der 10 A-Kriterien wesentlich größer ist als die Summe der Gewichte der 3 B-Kriterien. Werden einem Aspekt viele Kriterien zugeordnet, führt dies zu einer Überbewertung. Diese Wahrnehmungsverzerrung ist in der Wissenschaft gut beschrieben.

Um dies zu vermeiden, werden die Kriterien zunächst gruppiert und dann wie in Schritt fünf beschrieben die Gruppen gewichtet. Erst danach werden die Kriterien, die nun den Gruppen zugeteilt sind, gewichtet. Durch die Multiplikation von Gruppen- und Einzelgewicht ergibt sich dann das jeweilige Kriteriumsgewicht und nun ist es egal, wie viele Kriterien für einen Aspekt (der durch die Gruppe repräsentiert wird) gefunden werden. Tabelle 2.5 verdeutlicht das Verfahren.

Kommt nun ein weiteres Kriterium in der Gruppe A hinzu, so verteilen sich die Kriteriengewichte innerhalb dieser Gruppe, aber das Gesamtgewicht der Gruppe A bleibt konstant bei 40 %. Nun ist der Kreativität der Teilnehmer keine Grenze gesetzt und die Granularisierung von Aspekten kann so lange fortgesetzt werden, bis die Ideen ausgehen.

Tab. 2.6 Kreuztabelle zur Gewichtung von Kriterien

 
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